London: Tausende bei Mahnwache für tot aufgefundenen Arday
In Großbritanniens Hauptstadt London haben sich Tausende Menschen an einer Mahnwache für den nach Plagiatsvorwürfen tot aufgefundenen Cambridge-Professor Jason Arday beteiligt. Die Organisatoren der Kundgebung auf dem Trafalgar Square sprachen von rund 30.000 Teilnehmern. Ardays Familie nahm nicht an der von der Organisation Stand Up To Racism organisierten Mahnwache teil, veröffentlichte jedoch eine Erklärung, die der Menge vorgelesen wurde. Darin dankte sie den Unterstützern für ihre "Liebe, Unterstützung und Trauer". "Die öffentliche Grausamkeit, der Jason ausgesetzt war, war für keinen Menschen zu ertragen", hieß es in der Erklärung weiter. Rücktritt nach Plagiatsvorwürfen 2023 war Arday zum jüngsten schwarzen Professor in der Geschichte der Universität Cambridge geworden. Seine Ernennung wurde als progressiver Meilenstein gefeiert. Doch in den vergangenen Wochen bekam das Image des Akademikers Risse. Neben Plagiatsvorwürfen wurde an der Glaubwürdigkeit von Teilen seiner Lebensgeschichte gezweifelt. Aus seiner Biografie, die Ende des Monats in Großbritannien erscheint, sollen nach Medienberichten nachträglich Passagen gestrichen worden sein. Bislang ungeklärte Todesursache Arday hatte die Vorwürfe bestritten, war nach großer öffentlicher Kritik schließlich aber Anfang August von seinem Posten zurückgetreten. Er habe "die Grenze dessen erreicht, was irgendeinem Menschen vernünftigerweise zugemutet werden sollte", erklärte der Bildungssoziologe. Am vergangenen Freitag wurde er schließlich tot in Battersea im Süden Londons aufgefunden. Die Polizei stufte seinen Tod vorerst nicht als verdächtig ein. Sie vermutet einen Suizid oder einen natürlichen Tod. Ardays Familie bestätigte seinen Tod und sprach von einer "Mobbing-Kampagne" voller Gerüchte über die akademische Arbeit und das Privatleben des Soziologen. Uni-Kanzler spricht von "rassistischer Hetzjagd" Der Kanzler der Universität sprach von einer "rassistischen Hetzjagd" gegen den 41-Jährigen in den vergangenen Wochen. Plagiatsvorwürfe gegen jeden Wissenschaftler müssten gründlich untersucht werden, sagte Kanzler Lord Chris Smith of Finsbury der BBC. "Gleichzeitig muss man sich weigern, sich an einer rassistischen Hetzjagd gegen einen bestimmten Wissenschaftler zu beteiligen."