Longevity: Forscher entdecken, warum Menschen über 100 Jahre werden
Forscher der Universität Osaka haben entdeckt, warum manche Menschen gesund über 110 Jahre alt werden. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine seltene Art von Immunzellen ab dem 100. Lebensjahr häufiger vorkommt. Die Immunzellen im menschlichen Körper werden in zwei Gruppen unterteilt: Helferzellen, die feindliche Erreger erkennen und Immunreaktionen auslösen, und Killerzellen, die infizierte Zellen oder Krebszellen zerstören. Das Team veröffentlichte die Studie im Fachmagazin „Cell Reports“. Das Team um Studienleiter Kosuke Hashimoto untersuchte japanische Teilnehmer im Alter von 110 Jahren und älter. Die Wissenschaftler analysierten deren Immunzellen und verglichen sie mit denen jüngerer Altersgruppen zwischen 70 und 90 Jahren. Die Forscher stießen auf ungewöhnliche Hybridzellen: CD4-zytotoxische T-Lymphozyten, kurz CD4‑CTLs. Sie erkennen gefährliche Erreger und zerstören sie gleichzeitig. Starker Anstieg ab dem 100. Lebensjahr Die Hybridzellen bleiben die meiste Zeit des Lebens extrem selten. Doch um das 100. Lebensjahr herum vermehren sie sich stark. Bei Hochbetagten machen diese Zellen fast ein Fünftel aller T-Zellen im Blut aus. Zum Vergleich: Bei den jüngeren Studienteilnehmern liegen sie nur bei etwa vier Prozent. „Wir haben eine seltene Zellpopulation analysiert, die bei Hundertjährigen vermehrt vorkommt, und Anzeichen für eine Umstrukturierung des Immunsystems im hohen Alter gefunden“, erklärt Hashimoto. „Anstatt Erschöpfungserscheinungen zu zeigen, bleiben diese Zellen hochaktiv und könnten dem Körper helfen, mit den im Alter zunehmenden, anhaltenden Bedrohungen umzugehen.“ Ähnlichkeit mit Krebsabwehr überrascht Forscher Die Wissenschaftler entdeckten: Viele dieser Zellen hatten sich über Jahre stark vermehrt – ein Zeichen dafür, dass sie immer wieder dieselben Strukturen im Körper erkannt hatten. Ihre Rezeptoren ähnelten stark denen von Immunzellen bei Krebspatienten – obwohl die untersuchten Hundertjährigen nie an Krebs erkrankt waren. „Die Ähnlichkeit dieser Rezeptorsequenzen mit denen von T-Zellen aus Tumoren legt nahe, dass diese Zellen helfen könnten, Tumore zu erkennen, bevor sie klinisch nachweisbar werden“, sagt Hashimoto.