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Löwenlose Löwen: Der bizarre Neustart von 1860 München

Sport

Zwangsabstieg, Insolvenz, Wappenstreit Traditionsklub versinkt im Chaos Von Julian Buhl Aktualisiert am 23.07.2026 - 14:38 UhrLesedauer: 3 Min. Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00 Jetzt neu bei t-online: Schriftgröße anpassen! Zwangsabstieg, Insolvenz, Wappenstreit: Beim TSV 1860 München regiert das Chaos. Doch ausgerechnet in der Regionalliga erfüllt sich eine große Sehnsucht der Fans. Aus München berichtet Julian Buhl Jetzt ist der TSV 1860 München endgültig in seiner neuen, bitteren Realität angekommen. Zum Pflichtspielauftakt der neuen Saison mussten die Löwen am Dienstagabend in der ersten Hauptrunde des Toto-Pokals beim oberbayerischen Kreisklasse-Klub SV Eintracht Berglern antreten – knapp 50 Kilometer nordöstlich von München vor 1.384 Zuschauern. Die Löwen gewannen souverän mit 5:0 und bekamen dabei schon einmal einen kleinen Vorgeschmack auf das, was sie in der kommenden Saison erwartet. Nach der Insolvenz und dem damit verbundenen nächsten Zwangsabstieg in die Regionalliga ist das ab sofort wieder Amateur- statt Profifußball. Aufstiegsträume in die 2. Bundesliga oder gar in die höchste deutsche Spielklasse sind spätestens damit passé – zumindest für den Moment. Stattdessen tingeln die Löwen, die in einer längst vergessenen Zeit noch der große Stadtrivale des FC Bayern waren, nun über die Dorfplätze Bayerns. Wie es bei dem Traditionsklub genau weitergeht, ist aber noch unklar. Bei 1860 regiert einmal mehr das Chaos. Das wurde beim Pflichtspielauftakt auch am Trikot, das die Spieler trugen, für alle Beobachter deutlich. Auf dem Trikot war nämlich nicht das bekannte Löwen-Wappen zu sehen. Kann sich 1860 von seinem Investor befreien? Dass die Löwen ohne ihr gewohntes Wappen auf dem Trikot aufliefen, liegt an dem Streit zwischen dem Klub und dem langjährigen Investor Hasan Ismaik. Bis der Löwe wieder uneingeschränkt als Wappen genutzt werden kann, verwendet die neue Spielbetriebs-GmbH übergangsweise ein historisches Wappen. "Sobald die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen sind, wird der Löwe wieder als Wappen des TSV 1860 München eingesetzt", hieß es dieser Tage in einer Mitteilung. Der TSV 1860 München e. V. hatte in Erwartung der Insolvenz der Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA), an der Ismaik 60 Prozent der Anteile hielt, bei der Mitgliederversammlung die Gründung einer neuen Spielbetriebsgesellschaft beschlossen. Diese soll künftig den Profifußball bei den Löwen organisieren und den Neustart in der vierten Liga bewerkstelligen. Die Verantwortlichen erhoffen sich durch den in Eigenregie eingeleiteten Neuanfang und die Kündigung des Kooperationsvertrags mit Investor Ismaik wohl, das zu schaffen, was sich die meisten Fans seit vielen Jahren wünschen: die Löwen endlich von ihrem Investor zu befreien. Ob das tatsächlich gelingt und dieser Plan aufgeht, ist aber noch fraglich. Ismaik hatte die Löwen mit einer verweigerten Zahlung nach dem sportlichen Abstieg aus der 2. Bundesliga 2017 schon einmal in die Regionalliga und damit ins Chaos gestürzt. Von seinen Klubanteilen getrennt hat sich der Mehrheitseigner dennoch bis heute nicht. Ex-Kapitän und zwei Bundesliga-Profis kehren zurück Gleichwohl gilt es für die Sechziger nun, eine Mannschaft für den angepeilten Wiederaufstieg in die dritte Liga zusammenzustellen. In den vergangenen Tagen gab die Spielbetriebs-GmbH bereits mehrere Neuzugänge bekannt. Darunter war auch die Verpflichtung von Felix Weber, der die Mannschaft bereits in der Saison 2017/2018 als Aufstiegskapitän von der Regionalliga zurück in Liga drei führte. Mit Vitus Eicher (35) kehrt außerdem ein Torhüter mit Bundesliga-Erfahrung aus dem Ruhestand zwischen die Pfosten bei 1860 zurück. Eicher war 2017 nach Heidenheim gewechselt. In der vergangenen Saison arbeitete er dann als Torwarttrainer der zweiten Mannschaft in der fünftklassigen Bayernliga wieder für den TSV 1860. Und gehört ab sofort wieder zum Spielerkader. Ex-Nationalstürmer Kevin Volland (33), der im vergangenen Sommer gemeinsam mit dem früheren Bundesliga-Stürmer Florian Niederlechner (35) zu seinem Ausbildungsklub zurückgekehrt war, bleibt bislang bei seinem erst unmittelbar nach dieser Saison verkündeten Karriereende. Niederlechner will sich dagegen aber an der Rettungsmission der Löwen weiter beteiligen. Beim 5:0 gegen Eintracht Berglern gehörte er auch gleich wieder zu den Torschützen. Die Fans erwartet ein Festtag im Chaos Bis zum Start in den Ligabetrieb hat 1860 nun zumindest noch eine Woche länger Zeit, um weiter an seiner Mannschaft zu arbeiten. Dem Zwangsabsteiger wurde in der Liga, in der 19 Teams antreten, nämlich gleich zu Beginn ein spielfreies Wochenende gewährt. Loading... Loading... Loading... Am 1. August werden die Löwen dann beim 1. FC Schweinfurt 05 in die neue Saison in der Regionalliga Bayern starten. Ob ihnen der Wiederaufstieg gelingen wird, bleibt abzuwarten. Eine große Sehnsucht der Fans wird sich im Saisonverlauf aber in jedem Fall erfüllen: Sie werden wieder ein Stadtderby gegen den FC Bayern bekommen. Auch wenn es sich dabei nur um die zweite Mannschaft des Rekordmeisters handelt. Am 17. Oktober werden die Löwen die Bayern im Stadion an der Grünwalder Straße, in dem beide Teams ihre Heimspiele austragen, zum "Heimspiel" in der Hinrunde empfangen. Eines ist ungeachtet der chaotischen Umstände, die den Klub momentan begleiten, jetzt schon sicher: Das wird trotz allem ein Festtag für die Löwen.

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