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Ludger Bökelmann: "Ich muss nicht mit Krampf nach Amerika"

Unterhaltung

Vom Impro-Comedy-Star zum Charakterdarsteller: Ludger Bökelmann erzählt, warum er künstlerisch keine Schubladen mag, was ihn am Set nervös macht und weshalb ein Gutshof in Mecklenburg-Vorpommern sein großer Lebenstraum ist. Ein Interview von Sönke Jacobsen Als Peter in der Impro-Serie "Die Discounter" hat er eine riesige Fanbase. Doch schon in der Netflixserie "Dark" oder im Film "Pauline" hat Ludger Bökelmann sein großes Schauspieltalent bewiesen. Demnächst startet "Bibi Blocksberg" in den Kinos, und aktuell dreht er mit seiner Kollegin Harriet Herbig-Matten das Drama "Mama", das im kommenden Jahr ins Kino kommen soll. Wir haben mit ihm am Rande der Dreharbeiten gesprochen. Ludger Bökelmann, man merkt, dass Sie die Leute mittlerweile auf der Straße erkennen. Wie gehen Sie damit um – ist das eher ein gutes Gefühl oder manchmal auch nervig? Ludger Bökelmann: Das kommt ganz darauf an, wie die Leute auf mich zukommen. Wenn sie freundlich sind und ein Foto machen wollen, freue ich mich natürlich, das macht ja auch Spaß. Aber klar, manchmal gibt es Momente – zum Beispiel, wenn man gerade mit seiner Freundin beim Essen sitzt –, da denke ich mir schon: "Mein Lieber, ich esse gerade, ich muss nicht jetzt ein Foto machen." Aber solange die Leute respektvoll sind, bin ich es auch. Viele fangen übrigens direkt an zu strahlen, wenn sie mich sehen, weil sie mich mit Comedy verbinden. Das ist schon spannend. Sie sind ein Schauspieler mit vielen Facetten. Achten Sie bewusst darauf, nicht in einer bestimmten Schublade zu landen? Ja, absolut. Man achtet schon ein bisschen darauf, breiter aufgestellt zu sein. Wenn man wie bei "Die Discounter" einmal den Proleten gespielt hat, muss man den nicht direkt in der nächsten Serie wieder geben. Für mich persönlich ist es auch viel interessanter, immer wieder Neues auszuprobieren: "Okay, das kann ich – mal schauen, was als Nächstes geht." Lernt man durch solche Improvisations-Formate wie "Die Discounter" auch handwerklich dazu? Extrem. Das ist dort ja "Ausnahmezustand", weil ganz anders gedreht wird als sonst. Durch die Improvisation hat man enorme Freiheit. Man lernt viel dazu, schöpft aus sich selbst und gewinnt viel Selbstbewusstsein. Das merke ich dann auch bei anderen Produktionen. Wie sind Sie zum Schauspiel gekommen? Ihr Bruder war auch ein erfolgreicher Darsteller. Ich bin da als Kind mit elf Jahren eher so reingerutscht. Mein Bruder war damals schon Schauspieler, und unsere Mutter meinte: "Macht doch mal, Jungs!" Am Anfang fand ich das einfach aufregend, weil man viel mit Erwachsenen gearbeitet hat. Irgendwann kam aber der Punkt, an dem ich gemerkt habe: Das macht mir richtig Spaß, das ist genau das, was ich machen will. Das Coole an dem Job ist, dass er nie langweilig wird. Es ist jedes Mal eine neue Herausforderung, man hat neue Leute um sich und sieht viele verschiedene Orte. Gibt es eine bestimmte Richtung oder Genres, auf die Sie besonders Lust haben? Ich bin eigentlich offen für alles, was kommt. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich als Schauspieler viel arbeiten darf, und habe einfach Bock auf unterschiedlichste Stoffe. Sie haben Schauspiel nicht studiert. Wo wollen Sie noch besser werden? Ich mache das seit meiner Kindheit sehr intuitiv. Privat habe ich vielleicht einen recht guten Zugang zu meinen Gefühlen, was mir im Job hilft. Aber wenn eine Rolle oder bestimmte Szenen anstehen, die mich spielerisch stark herausfordern, nehme ich mir auch mal ein Coaching zur Vorbereitung. Man lernt von Rolle zu Rolle dazu. Ihre liebsten Drehorte und Sets? An einem Flughafen zu drehen, ist natürlich sehr lustig, das macht man nicht alle Tage. Sehr schön ist es auch am Meer, wenn in den Szenen alle baden gehen können. Und historische Projekte reizen mich extrem, ich bin ein großer Geschichtsfan. Bei "Der vermessene Mensch" haben wir zum Beispiel in Namibia gedreht. In der Wüste zu stehen – diese Landschaft hat bisher wirklich nichts getoppt. Gibt es so etwas wie eine "neue Generation" deutscher Schauspieler, getrieben durch Streaming, neue Formate und dem Wunsch nach mehr internationaler Präsenz? Ja, voll. Es kommen viele Leute in meinem Alter nach. Das ist wie in jedem anderen Job auch: Ältere Generationen rücken weiter, neue Leute kommen dazu. Hollywood wäre natürlich cool, aber ich muss jetzt nicht auf Krampf nach Amerika. Es ist schön, erst einmal den deutschen Markt zu bespielen. Aber internationale Produktionen und der Austausch mit Teams aus anderen Ländern machen extrem Spaß. Spielt das Thema Künstliche Intelligenz am Set oder bei der Vorbereitung mittlerweile eine Rolle? Direkt am Set eher nicht. Höchstens, wenn Requisiten wie Fotos für das Set-Design einer Rolle erstellt werden müssen – da hilft KI enorm. Oder wenn man für kleine Projekte Hintergründe nachanimieren muss, wie etwa ein Fußballspiel im Fernsehen. Früher sah so was aus wie FIFA 13, heute geht das mit KI deutlich realistischer. Aber dass echte Schauspieler oder Szenen komplett ersetzt werden, habe ich noch nicht erlebt. Wo sind Sie aufgeregter: vor Drehs oder Premieren? Vor Premieren nicht so sehr, da ist das Projekt ja schon im Kasten und man freut sich auf das Ergebnis. Aber wenn man morgens ans Set kommt, ist immer eine gewisse Aufregung da. Das hilft mir aber – ich wandle diese Energie fürs Spielen um. Man muss jedes Mal ein bisschen über seinen eigenen Schatten springen, und genau das macht den Reiz aus. Gibt es Rollen oder Szenen, bei denen Sie sagen würden: "Das geht mir zu weit!"? So konkret fällt mir da nichts ein. Höchstens, wenn ich eine Szene unlustig fände. Aber vom Mut her bin ich da eigentlich für alles offen und probiere gerne Dinge aus. Wie hart ist der Wettbewerb und was zählt wirklich: Talent oder Vitamin B? Uff... Beides ist wichtig, aber am allerwichtigsten ist am Ende wohl schlichtweg Glück. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein – das kann man kaum beeinflussen. Es gibt einen Haufen talentierter Leute, die vielleicht noch mehr draufhaben als ich, aber manchmal hat man eben Pech. Glück gehört einfach dazu. Aber es gibt schon einen Zusammenhalt untereinander. Man läuft sich auf Sommerfesten oder der Berlinale über den Weg, die Branche vernetzt einen da schon gut. Aber ich lege mich da gar nicht fest – ich freue mich einfach immer auf neue Begegnungen. Plan B: Koch statt Kamera Wo sehen Sie sich in zehn Jahren – gibt es einen Lebensplan? Auf jeden Fall noch vor der Kamera! Und wenn ich bis dahin ein bisschen was zur Seite gelegt habe, wäre mein Traum ein alter Gutshof in Mecklenburg-Vorpommern. Ein bisschen wie eine Kommune mit Freunden, ein paar Tieren und Landleben. Und dazu eine kleine Wohnung in Berlin – aus Berlin komme ich als echter Berliner glaube ich nie ganz raus. Da bin ich fest verwurzelt. Ich bin zwar im Süden geboren, aber schon nach zwei Monaten mit meiner Mutter nach Berlin gezogen. Der Großteil meines Freundeskreises stammt noch aus der Schulzeit. Das sind fast alles Handwerker oder Leute aus ganz normalen Berufen, kaum jemand aus der Branche. Das hält einen bodenständig. Wenn Sie morgen nicht mehr schauspielern könnten – was wäre der Plan B? Ich koche extrem gerne hobbymäßig. Koch wäre cool, auch wenn das ein knochenharter Job ist und ich Angst hätte, mir die Leidenschaft kaputtzumachen. Oder etwas Handwerkliches – Zimmermann zum Beispiel. Mein Bruder hat mittlerweile eine Zimmermannsfirma, da könnte ich glatt in die Lehre gehen. Wie sieht es aktuell mit "Die Discounter" aus? Geht es weiter? Empfehlungen der Redaktion Raab-Entdeckung Stefanie Heinzmann: "Bin seit 20 Jahren in Therapie" Oliver Pocher spricht über Kinderbetreuung Anja Kruse schießt gegen Influencer Erstmal nicht. Also, was heißt "erstmal nicht" – aktuell ist erst einmal Pause angesagt.

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