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Luftabwehr am Limit – Selenskyj sucht Ausweg

Welt

Startseite Politik Kiews verzweifelter Abwehrkampf im Ukraine-Krieg: Munition schwindet – Selenskyj unter Druck Von: Felix Busjaeger Uns auf Google folgen Russland greift Kiew erneut mit Raketen und Drohnen an. Selenskyj fordert mehr Hilfe, denn er steckt im Dilemma: Die Ukraine fängt kaum noch Raketen ab. Kiew – In der Nacht auf den 8. August hat Russland erneut Kiew und die umliegende Oblast mit Raketen und Drohnen angegriffen. Bei den jüngsten Angriffen im Ukraine-Krieg kamen mehrere Menschen ums Leben. Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte die Attacken und machte deutlich, dass der Aggressor weiter im Kreml sitzt und nicht an einem Ende des Ukraine-Kriegs interessiert sei. „Europa, die USA und die Ukraine wollen den Krieg schon lange beenden“, schrieb Selenskyj in seinem Facebook-Beitrag. „Nur (der russische Präsident Wladimir) Putin will das nicht und klammert sich an seine ballistischen Raketen und Drohnen, um den Krieg fortzusetzen.“ Seit Tagen gibt es immer wieder neue Meldungen über russische Angriffe im Ukraine-Krieg, die unter anderem Kiew treffen. Erst in der Nacht auf den 5. August starben 17 Menschen und fast 30 weitere wurden verletzt. Dabei gelang es der ukrainischen Luftabwehr nicht, die 24 ballistischen Raketen und vier Hyperschallraketen abzufangen. Selenskyj scheint sich dieses Dilemmas bewusst und versucht, bei den westlichen Partnern um weitere Unterstützung für die Kämpfe im Ukraine-Krieg zu werben. Munitionsmangel im Ukraine-Krieg wird für Selenskyj zum Dilemma Die aktuelle Lage im Ukraine-Krieg fußt dabei auf keinem Zufall, sondern ist Folge einer sich verschärfenden Luftabwehrkrise. Im Juli fing die Ukraine lediglich 29 von 195 russischen ballistischen Raketen ab. In der ersten Augustwoche wurden von 52 Raketen nur eine einzige abgeschossen. Die Zeit berichtet, dass Russland in der ersten Jahreshälfte mindestens 470 ballistische Raketen auf ukrainische Städte abgefeuert hat, allein 126 im Juli. Konnten zu Jahresbeginn noch rund jede dritte bis zweite Rakete abgewehrt werden, liegt die Quote nun bei unter fünf Prozent. Das ukrainische Verteidigungsministerium sprach von einem „kritischen Mangel an Abfangraketen zur Bekämpfung des ballistischen Terrors“. Hintergrund ist ein strukturelles Problem im Ukraine-Krieg: Demnach kommen bei der Luftabwehr vorrangig das US-System Patriot und das europäische System Samp/T zum Einsatz. Die Ukraine bräuchte nach eigenen Angaben fast 2000 PAC-2- oder PAC-3-Abfangraketen pro Jahr, doch der US-Hersteller Lockheed Martin produziert jährlich weniger als ein Drittel davon. Zudem haben die USA im Krieg gegen den Iran einen Großteil ihrer eigenen Bestände aufgebraucht: Von geschätzten 2500 Patriot-Abfangraketen sollen nach Angaben des US-Thinktanks CSIS noch rund 800 übrig sein. US-Präsident Donald Trump reagierte auf Selenskyjs erneute Bitten um Langstreckenraketen und Patriot-Systeme mit einer knappen Aussage: „Wir wollen auch Raketen.“ Biden habe der Ukraine „300 Milliarden Dollar an Munition“ gegeben und damit die US-Bestände geleert, sagte Trump vor Journalisten im Weißen Haus. Auf Russlands verstärkte Angriffe auf zivile Ziele angesprochen, erklärte er: „Wir sind nicht involviert. Uns trennt ein Ozean.“ Selenskyjs Bitte um 300 Patriot-Raketen, nach Einschätzung von Experten genug für etwa zwei Monate Abwehr, dürfte damit unerfüllt bleiben. Aktuelle Lage im Ukraine-Krieg: Kiew „gerade genug zu geben, um zu überleben“ Die frühere stellvertretende NATO-Direktorin für Verteidigung und Sicherheitskooperation, Gerlinde Niehus, übte im Gespräch mit dem Sender TVP World scharfe Kritik an den westlichen Verbündeten wegen der aktuellen Situation im Ukraine-Krieg. „Wir haben so viel Zeit damit verloren, der Ukraine gerade genug zu geben, um zu überleben – aber nicht genug, um den Krieg zu gewinnen“, sagte sie. Die Lücke bei ballistischen Raketen sei seit Kriegsbeginn bekannt, aber nie ausreichend geschlossen worden. „Es ist tatsächlich ein anhaltendes Problem. Ich erinnere mich, dass wir bei der NATO diese Diskussionen seit Kriegsbeginn geführt haben. Es ist umso frustrierender, dass es immer noch ein wiederkehrendes Problem ist“, führte Niehus aus. Trumps frühere Andeutung, der Ukraine eine Lizenz zur eigenen Patriot-Produktion zu erteilen, wertete Niehus als unzuverlässig: „Dies ist ein weiterer Beweis dafür, dass Trump nicht vertrauenswürdig ist. Es gibt auch Stimmen, die sagen, dass die USA die Ukraine schlicht in die Irre führen und hier ein sehr schmutziges Spiel spielen.“ Wegen aktueller Munitionsengpässe im Ukraine-Krieg: Kiew setzt auf Freyja Auch wenn es das akute Problem im Ukraine-Krieg nicht löst: Als mittelfristige Antwort setzt die Ukraine auf das europäische Gemeinschaftsprojekt Freyja. Neun Länder, darunter Deutschland, vereinbarten Mitte Juli, gemeinsam ein alternatives Raketenabwehrsystem zu entwickeln. Kern ist eine Abfangrakete des ukrainischen Drohnenherstellers Fire Point, die FP-7.X, die bereits fünf Tests absolviert hat. Selenskyj erklärte, die Ukraine wolle Raketen „so bauen, wie wir Drohnen gebaut haben“, und forderte bis Ende 2026 „konkrete Ergebnisse“ beim Aufbau einer eigenen ballistischen Abwehrkapazität. „Die Ukraine ist in der Lage, ihre eigene Rakete und ihren Abschussbehälter zu produzieren, während unsere Partner die notwendigen Komponenten bereitstellen – Radare, Sensoren und alles andere, was erforderlich ist. Die Ukraine muss dies so schnell wie möglich tun, mit konkreten Ergebnissen bereits zum Jahreswechsel 2026–2027“, erklärte Selenskyj laut Guardian. Erste funktionsfähige Versionen des Gesamtsystems sollen laut dem ukrainischen Verteidigungsbeamten Dawyd Alojan in der ersten Hälfte des nächsten Jahres bereitstehen – ein ambitionierter Zeitplan, der nach Einschätzung von Beobachtern kaum einzuhalten sein dürfte. (Quellen: Zeit, Guardian, TVP World, Kyiv Independent, dpa) (fbu)

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