Lufthansa-Chef: „Wir investieren dort, wo das Geld am meisten verdient“
Frankfurt. Der Preis ist stolz. Bis zu 1,2 Milliarden Euro bezahlt Lufthansa für 49,9 Prozent der Anteile an TAP. Damit wird die portugiesische Fluggesellschaft in Summe mit rund 2,4 Milliarden Euro bewertet. Das ist etwas weniger als ein Drittel der aktuellen Börsenbewertung von Lufthansa in Höhe von gut 8,5 Milliarden Euro. Dabei stehen den rund 740 Verkehrsflugzeugen der Lufthansa-Gruppe nur etwa 100 Jets bei TAP gegenüber.
Auch andere Zahlen zeigen, wie viel der Lufthansa-Führung TAP wert ist. Der Konzern machte im vergangenen Jahr fast 40 Milliarden Euro Umsatz, TAP gerade einmal ein Zehntel dieser Summe. Lufthansa betreibt renditestarke Töchter im Fracht- und Wartungsmarkt, TAP hat hier deutlich weniger vorzuweisen.
Es ist keine Überraschung, dass die Transaktion, auf die Konzernchef Carsten Spohr stolz ist, bei Teilen der Beschäftigten nicht gut ankommt. Das zeigte sich am vergangenen Donnerstag bei einer kurzfristig anberaumten Mitarbeiterversammlung am Flughafen München, die das Handelsblatt verfolgen konnte.
Ob Lufthansa so reich sei, dass der Konzern 16 Prozent mehr bieten konnte als der Rivale Air France-KLM, will ein Mitarbeiter wissen. Ein anderer verweist auf die aktuellen Restrukturierungs- und Sparmaßnahmen im Konzern und beklagt, dass das bei TAP investierte Geld nun im „eigenen System“ fehle.
Spohr hält dagegen. Hätte Lufthansa nur die Kernmarke Lufthansa Airlines, läge die Ergebnismarge bei null Prozent, sagt der Manager. „Wir müssen Profitpools finden, wie es TAP, Lufthansa Cargo und Lufthansa Technik sind.“ Spohr ergänzte: „Wir investieren dort, wo das Geld am meisten verdient.“ Es ist an diesem Nachmittag nicht die einzige überraschend deutliche Botschaft an die Lufthanseaten.