DAX -0,94 % 26.091,33 Pkt 18:00:00 MDAX -1,65 % 31.822,47 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 -0,37 % 6.444,46 Pkt 18:00:00 Dow Jones +0,01 % 53.463,05 Pkt 22:38:37 S&P 500 -0,48 % 7.707,98 Pkt 22:38:31 Nasdaq -1,18 % 26.331,09 Pkt 23:15:59 Nikkei +1,17 % 66.093,97 Pkt 06:37:25 Gold +1,25 % 4.545,30 USD 06:42:19 Silber +2,03 % 67,07 USD 06:41:12 Brent +0,27 % 91,87 USD 06:40:26 WTI -1,44 % 84,59 USD 06:42:17 Bitcoin +0,20 % 69.430,07 USD 06:52:23 EUR/USD +0,87 % 1,16800 USD 06:51:54 EUR/GBP +0,30 % 0,85780 GBP 06:52:24 EUR/CHF -0,66 % 0,93400 CHF 06:52:24 EUR/JPY +0,23 % 185,113 JPY 06:52:20

Lufthansa und Starlink: Schneller als im Büro

Wirtschaft

Das Internet läuft prima. Nach kurzem Anmelden und dem Setzen eines Häkchens ist der Laptop online. Youtube-Videos oder Folgen einer Serie in der öffentlich-rechtlichen Mediathek laufen direkt an, Vor- und Zurückspulen gelingt reibungslos. Teams-Nachrichten und Mails lassen sich problemlos verschicken, nach dem Verbinden des VPN-Zugangs gelingt auch der Zugriff auf das Redaktionssystem. Alles läuft wie im eigenen Büro, doch sitzt man nicht dort, sondern in einem Flugzeug in 10.000 Meter Höhe. Am Mittwoch ist bei der Lufthansa-Gruppe erstmals ein Flugzeug mit neuer Starlink-Technik in Richtung Rom gestartet, das schnelles und wetterunabhängig widerstandsfähiges Internet verspricht: hohe Bandbreiten, kurze Übertragungszeiten. Ein Speedtest zeigt beim iPhone 17 eine Downloadgeschwindigkeit von 194 Mbits je Sekunde, der vier Jahre alte Laptop kommt auf immerhin 130 Mbits je Sekunde im Download und 8,66 Mbits je Sekunde im Upload. Erfreuliche Werte. Dabei bleibt auch mit Starlink eine Sache vertraut: Der Flugmodus muss bei den Geräten parallel zum WLAN weiterhin eingeschaltet sein. F.A.Z.-Artikel häufiger in Ihren Suchergebnissen sehen F.A.Z. bei Google bevorzugen Die schon in der Mitteilung von vergangener Woche angeklungene Euphorie der Lufthansa für ihren ersten Flug eines mit der Technologie von Starlink ausgestatteten Flugzeugs ist angesichts des angenehmen Surfens verständlich, allein: Man kann froh sein, dass dieser Flug nach Rom nur rund eineinhalb Stunden dauert. Denn danach ist beim Gerät, über das mit rasantem Internet Videos geschaut und Mails beantwortet werden können, der Akku fast leer. Steckdosen oder USB-Stecker gibt es in dem A320neo, der als Erstes mit Starlink ausgestattet worden ist, bislang nicht. Die Modernisierung von 38 in Betrieb stehenden Kurzstreckenjets soll erst 2029 abgeschlossen sein. Erst dann kann ohne Akkusorgen gesurft werden. Zudem hält das Internet nicht, wie versprochen, von Gate zu Gate. Schluss ist wenige Meter entfernt vom Flieger. Auf dem Stuhl am Gate wird das „Lufthansa Group Wi-Fi“ nicht mehr angezeigt, aber geschenkt. Das System war vollmundig angekündigt worden Vollmundig nämlich hatte die Lufthansa das neue Starlink-System angekündigt: Es beginne eine neue Ära des Luftverkehrs, mit einer Konnektivität von Gate zu Gate, die schneller sei als im Büro und zu Hause. Bis alle 850 Flugzeuge der Gruppe mit Starlink ausgestattet sind, soll es noch drei Jahre dauern. Dazu zählen auch die Jets der Tochtergesellschaften wie Swiss Air, Austrian Airlines, ITA Airways und Eurowings. Das WLAN hat dann jeweils eine IP-Adresse aus dem Heimatland der Fluggesellschaft, Streaminginhalte, deren Rechte auf Deutschland beschränkt sind, etwa manche Inhalte aus ARD- und ZDF-Mediathek, können also auch in einer Lufthansa-Maschine mit Starlink geschaut werden, die über dem Atlantik fliegt. Das Satelliten-Internetprojekt Starlink ist Teil des US-Raumfahrtunternehmens SpaceX von Elon Musk, knapp 10.000 Satelliten des Unternehmens befinden sich derzeit auf vergleichsweise niedriger Flugbahn im Orbit. Durch die vielen Satelliten soll die Verbindung lückenlos sein, was auch einer der Gründe ist, warum man sich laut dem Lufthansa-Airlines-Chef Jens Ritter für Starlink entschieden hat. Europäische Anbieter könnten bei der Abdeckung und Leistung schlicht nicht mithalten, sagt er. Das neue Kranich-Produkt mit Starlink ist als „Lufthansa Group Wi-Fi“ auf den Endgeräten der Kunden sichtbar und löst das alte System Flynet nun schrittweise ab. Für Passagiere, die eine sogenannte Travel-ID haben oder Mitglieder bei Miles & More sind, ist der Service kostenlos. Wer keine Travel-ID hat, kann sich online auf der Seite der Lufthansa kostenlos registrieren, auch noch während des Fluges. Einbau ist komplex Dass als Erstes die Kurz- und Mittelstreckenflotte der Lufthansa-Gruppe mit dem neuen System ausgestattet wird, hat laut Ritter vor allem logistische und rechtliche Gründe, denn die Zulassung des Starlink-Systems sei eben bei der Baureihe A320neo als Erstes erteilt worden, zudem orientiere man sich an ohnehin vorhandenen Liegezeiten der Flotte. Das Pionier-Flugzeug trägt den Namen Freising, an diesem wurde das System am Standort Berlin eingebaut, der Einbau in bis zu zehn weiteren A320 soll noch in diesem Jahr folgen. Dieser ist laut Lufthansa komplex. Um auf allen Sitzplätzen „hochleistungsfähige Konnektivität“ zu schaffen, bauten Spezialisten in jeden Jet zwei Starlink-Systeme ein, sagte der für die technische Umsetzung des Starlink-Einbaus in Berlin zuständige Luft- und Raumfahrtingenieur Christian Radius in der vergangenen Woche. „Vier Router in der Kabine verarbeiten die Signale von zwei Antennen, die auf dem Flugzeugrumpf angebracht werden, eine im vorderen Bereich der Kabine, eine hinten am Heck.“ Für den Einbau müssen im Flugzeug die Deckenverkleidungen entfernt werden. Dahinter verbergen sich bunte Kabel, die sich durch das Flugzeug ziehen. Das Kabel für das Satelliteninternet muss dann durch eine Öffnung in der Kabinenhülle mit den Antennen verbunden werden. Dafür sitzt ein Techniker oben auf dem Rumpf des Flugzeugs, steckt das Kabel in die rund einen halben Quadratmeter große Antenne, passt die Antenne in die Halterung ein und montiert diese am Rumpf. Der kleine Buckel, der bislang am hinteren Rumpf der Jets zu sehen war, wird also der Vergangenheit angehören. Durch die aerodynamischere Antenne soll auch Treibstoff gespart werden. Das System verbindet sich dann bei jedem Flug automatisch mit dem nächstgelegenen Starlink-Satelliten. Reisende müssen Regeln beachten Zu den Kosten des Starlink-Einbaus in die gesamte Flotte war Ritter keine Zahl zu entlocken. Es sei jedenfalls viel Geld, sagt er. Allerdings sei die Investition alternativlos im Wettbewerb. Zudem könnten über Sponsoring durch Mastercard oder neue Werbeangebote im Lufthansa-Portal, in dem man das WLAN aktiviert, neue Einnahmen kreiert werden. Für Reisende gelten laut dem Unternehmen einige Regeln bei der Nutzung des neuen Wi-Fis. So müssen alle beim Musikhören oder Anschauen von Filmen Kopfhörer aufsetzen, um andere Passagiere nicht zu stören. Aus demselben Grund sind Telefonieren und Videogespräche nicht gestattet. Selbst durchgeführte Livestreams für Plattformen wie Instagram oder Youtube sind ebenfalls untersagt. Aufnahmen für eine spätere Veröffentlichung sind dagegen, im Einklang mit den Rechten der Mitreisenden, erlaubt. Lufthansa will mit dem neuen Internetzugang sein „Premium-Versprechen“ an die Kunden erfüllen, wie Ritter sagte. Vorreiter ist man damit aber freilich nicht. Qatar Airways teilte im Januar mit, schon mehr als 120 Flugzeuge ausgestattet zu haben. 2025 gab es bei Air France den ersten Flug mit der Technik, British Airways zieht gerade nach. Billigflieger Wizz Air will vom nächsten Jahr an auf das neue System umrüsten. Starlink erklärte Anfang des Jahres zudem, dass weltweit schon 1400 Flugzeuge mit der Technik unterwegs seien.

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