Luisa (31) in ZDF-Film über Geld-Not: „Bin komplett überarbeitet“, ist beim Jobcenter egal
Luisa ist 31 Jahre alt, alleinerziehende Mutter von zwei Söhnen und lebt in Leipzig. Mit ihren Kindern wohnt sie in einer Drei-Zimmer-Wohnung, doch wenn es nach dem Jobcenter geht, soll sie da bald raus. Der Grund: Die Wohnung wurde zu teuer.
„Komplett überarbeitet“, wird beim Jobcenter nicht gesehen
Denn Luisa ist auf staatliche Hilfe angewiesen. Ihre finanzielle Situation beschreibt sie in der ZDF-Reportage „Knapp bei Kasse: Arm trotz Arbeit“ folgendermaßen: „Wir gehören auf jeden Fall zu dem nicht so privilegierten Teil.“
Sie wolle darum kämpfen, ihre Wohnung zu behalten. Ein Grund sei auch die Nähe zur Kita, Schule und den therapeutischen Maßnahmen für ihre Söhne. Sie habe dem Jobcenter immer wieder mitgeteilt, „dass unsere Situation echt prekär ist“. Doch „dass ich komplett überarbeitet bin“, werde nicht gesehen, klagt die Mutter. Eine Einigung habe es bislang nicht gegeben.
Ihr geliebtes Zuhause aufgeben, das kommt für die zweifache Mutter nicht infrage. Stattdessen setzt sie auf altbewährte Spartipps, die ihr schon ihre Großmutter mitgegeben habe: „Die Toilette putze ich mit dem Badewasser von heute früh“, erklärt sie. Damit wolle sie Wasser sparen und die Nebenkosten kleinhalten.
„Wir hätten schon seit einer Weile hier ausziehen müssen“
Diese seien durch die Inflation „durch die Decke“ geschossen, erklärt die 31-Jährige. Das Jobcenter wehre sich jedoch gegen eine Mietanpassung. „Wir hätten schon seit einer Weile hier ausziehen müssen“, betont die alleinerziehende Mutter.
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Die 190 Euro mehr im Monat zahlt Luisa bislang ihrer Aussage nach aus der eigenen Tasche. Geld, das sie eigentlich selbst zum Leben benötigt. Die Familie habe „viel Druck und viel zu leisten, um überhaupt mit diesem Minimum zurechtzukommen und auch dieses Minimum zu erhalten“, weiß Luisa.
Um sich nebenbei etwas dazuzuverdienen, arbeitet sie als Lieferfahrerin für einen Essenslieferservice. Der Job sei „das Beste, was mir passieren konnte“, betont Luisa. „Dadurch komme ich aus dem Haus raus, habe was zu tun.“
Angestrebt hatte sie einst einen Job als Gestalterin für visuelles Marketing. Zunächst habe sie aber im Einzelhandel gearbeitet und geplant, dort eine Ausbildung zu absolvieren. „Das wäre wahrscheinlich auch gelaufen, wäre ich dann nicht schwanger geworden“, erinnert sie sich.
Mit 23 wurde Luisa zum ersten Mal Mutter, dann folgte die Corona-Pandemie und anschließend der zweite Nachwuchs. Als beide Kinder das Kindergartenalter erreicht hatten, begann Luisa ihren Job als Lieferfahrerin. Seit der Trennung von ihrem Ex-Partner könne sie jedoch nur noch auf Minijob-Basis arbeiten.
„Rein finanziell gesehen sind wir schon ziemlich arm dran“
Ihre Einkünfte stammen nun aus Kindergeld, Unterhaltsvorschuss und Grundsicherung sowie ihrem Minijob. Bis zu 100 Euro darf sie für sich behalten. Die zweifache Mutter weiß: „Jedes Geld, was ich dazubekomme, jeder Cent macht schon was aus.“ Sie betont: „Wir sind nicht arm an Gefühlen oder an positiven Erlebnissen, aber rein finanziell gesehen natürlich, da sind wir schon ziemlich arm dran.“
Ein Ventil ist für die Alleinerziehende seit drei Jahren ihre Arbeit als DJ. Sie sei sich bewusst, dass ihre Leidenschaft für Musik ihr keine sichere Zukunft bieten könne, jedoch: „Es ist dennoch das, was mich am meisten gerade ausmacht und was mir am meisten Spaß macht.“
Mithilfe eines Sozialarbeiters und eines Anwalts kämpft sie weiter vor dem Sozialgericht gegen die Vorgaben des Jobcenters und fechtet die Miete an. Sie wolle jedem beweisen, dass „ich das schaffe“, erklärt Luisa - und zeigt sich hoffnungsvoll: „Ich seh die Zukunft jetzt auf jeden Fall ein bisschen positiver und ein bisschen Hoffnung ist auf jeden Fall mit dabei.“
Von Paulina Meissner