Machtkampf zwischen UEFA und FIFA Ceferin will nicht als FIFA-Präsident kandidieren
"Ich bin nicht interessiert", sagte der Präsident der Europäischen Fußball-Union im britischen Podcast "The Rest is Politics". Zum einen liebe er die UEFA und die Arbeit dort. "Und der zweite Punkt ist: Meine Glaubwürdigkeit ist um ein Vielfaches höher, wenn ich kein Interesse an diesem Posten habe", betonte der 58-Jährige.
Der Slowene steht seit zehn Jahren an der UEFA-Spitze, seine Amtszeit endet ebenfalls im kommenden Jahr.
Infantino steckt in der größten Krise seiner Ära. Besonders seine publik gewordenen und mittlerweile zurückgenommenen Pläne über die Einbindung von Investoren für zukünftige WM-Geschäfte sorgten für Entrüstung in der Fußball-Welt.
Infantino-Gegenkandidat wird gesucht
Ceferin ist einer seiner schärfsten Kritiker, die UEFA will Infantinos Wiederwahl beim FIFA-Kongress im kommenden März verhindern. Sie hatte einen Boykott aller FIFA-Wettbewerbe angekündigt, die Weltmeisterschaften eingeschlossen. Auch nach Rücknahme der Infantino-Pläne hatte die UEFA die Drohung wiederholt.
Ceferin hofft, dass Infantino erkennt, "dass er nicht die nötige Unterstützung für seine Wiederwahl hat" und quasi selbst zurücktritt. "Die zweite Möglichkeit ist, dass er zur Wahl antritt. In diesem Fall wird es wohl einen Gegenkandidaten geben. Ich weiß allerdings noch nicht, wer dies sein wird", sagte Ceferin. Die FIFA hat den 18. November als Frist für die Nominierung von Herausforderern festgelegt.
Keine Gespräche mehr auf Spitzenebene
Ceferin gab zudem an, dass er seit Beginn der Krise nicht mehr mit Infantino, einst UEFA-Generalsekretär, gesprochen habe. "Soweit ich höre", sagte Ceferin, spiele die FIFA "die Karte 'Das arrogante Europa ist gegen uns' aus." Aber: "Ich finde, jemand sollte ihn daran erinnern, dass er Europäer ist und von der UEFA unterstützt wurde."
Die Wahl zum FIFA-Präsidenten findet im März 2027 in Rabat statt, entschieden wird sie durch eine Mehrheit der 211 Mitglieder. Derzeit ist Infantino der einzige Kandidat. Neben der von Ceferin angekündigten Kandidatur aus dem Kreise Europas könnte der kanadische CONCACAF-Präsident Victor Montagliani als Herausforderer auftreten.
Neben der UEFA ist der Verband für Nord-, Mittelamerika und die Karibik ebenso wie der asiatische Verband AFC einer der lautesten Kritiker des FIFA-Präsidenten. Alle drei Verbände unterzeichneten kürzlich eine gemeinsame Erklärung mit dem Ziel, die "Fußballfamilie" hinter ihrem Anliegen zu vereinen.
Bis zu den heftigen Reaktionen auf seine Vorschläge schien seine Wiederwahl im kommenden Jahr in Marokko ohne Gegenkandidaten reine Formsache zu sein. Neben zahlreichen Verbänden, die sich gegen Infantino gestellt haben, hat der Schweizer weltweit aber auch noch viele Unterstützer.