Macklemore-Rauswurf bei Sheeran: Nahost-Debatte in der Popmusik
Anfang des Monats stand Macklemore bei zwei Konzerten in East Rutherford nahe der Millionenmetropole New York vor Sheeran auf der Bühne. Macklemore - mit bürgerlichem Namen Benjamin Haggerty - äußert sich seit Jahren pro-palästinensisch und nutzte auch diesen Auftritt dafür, seine Solidarität mit den Palästinensern deutlich zu machen.
"Einer der Gründe, warum ich bei dieser Tour mitmachen wollte, war, dass ich hier auf Bühnen und in Stadien in ganz Amerika stehen und zwei Worte sagen kann, die mir sehr am Herzen liegen: Free Palestine", sagte Macklemore beim ersten Konzert, wie aus Videoclips hervorgeht, die er selbst auf Instagram veröffentlichte. "Ich möchte, dass diese Worte laut und deutlich zu hören sind, damit die Menschen von Gaza bis ins besetzte Westjordanland wissen, dass wir sie nicht vergessen haben."
Beim nächsten Konzert sagte er: "An alle meine jüdischen Brüder und Schwestern: Kritik an Israel, Kritik an der Apartheid, die Ablehnung von Völkermord - das ist in keiner Weise eine Kritik an euch. Meine Botschaft gilt dem Frieden; der Liebe dafür, dass alle Menschen mit Würde, Respekt und Gleichberechtigung behandelt werden."
Mehrere jüdische Organisationen riefen Sheeran daraufhin dazu auf, Macklemore auf der Tour nicht weiter auftreten zu lassen. "Meinungsfreiheit bedeutet nicht Freiheit von Verantwortung. Deine Show. Deine Bühne. Deine Verantwortung", hieß es beispielsweise in einer Petition des Israeli-American Council.
Wenige Tage später teilte Macklemore mit, dass "Sheeran und sein Team" ihn aus der Tour gestrichen hätten. Sheeran wies kurz darauf die Verantwortung für den Rauswurf zurück und betonte, dies sei die Entscheidung des Tourveranstalters gewesen, nicht seine. Er selbst habe in den vergangenen Tagen ausgiebig unter anderem mit Vertretern der Veranstaltungsorte, dem Tourveranstalter und "Aktivisten auf beiden Seiten" gesprochen, um eine gemeinsame Lösung zu finden, aber ohne Erfolg, so Sheeran.
Währenddessen verließen aus Solidarität mit Macklemore auch vier weitere Bands und Künstler aus dem Vorprogramm die Tour: Aaron Rowe, Lukas Graham, die Band Beoga und Finneas O'Connell, auch bekannt als enger Wegbegleiter seiner Schwester Billie Eilish. "Künstler dürfen nicht zum Schweigen gebracht werden, wenn sie ihre Stimme für Unterdrückte erheben", begründete O'Connell seinen Rückzug.
Der US-Milliardär Robert Kraft besitzt unter anderem ein Stadion im US-Bundesstaat Massachusetts nahe der Metropole Boston, in dem Sheeran im Rahmen der "Loop"-Tour Ende des Monats zweimal auftreten soll. Kraft ist jüdisch - und war hinter den Kulissen wohl maßgeblich mit für den Ausschluss von Macklemore aus dem weiteren Tour-Vorprogramm verantwortlich.
Seine Veranstaltungsstätte sei keine Plattform für Hassreden, hatte Stadionbesitzer Kraft seine Entscheidung gegen Macklemore begründet. Der Rapper bringe bereits eine "breitere Historie antisemitischer Rhetorik" mit, was zutiefst verletzend für die jüdische Gemeinde sei, so Kraft.
Als Macklemore nach dem Ausschluss bekanntgab, dass er Tour-Einnahmen in Höhe von rund einer Million US-Dollar an Palästinenser spenden wolle, forderte er auch Kraft zu einer Spende auf. Kraft und Sheeran kündigten daraufhin ihrerseits eine Spende an, um der humanitären Krise in der Region zu begegnen. Kraft teilte mit, dass ihn Sheeran zuvor selbst kontaktiert und gebeten habe, sich mit zwei Millionen US-Dollar an dessen Spende gegen die humanitäre Krise in der Region zu beteiligen.
Quelle: dpa