Macron nach Terrortat bei Paris: „Wendepunkt“ für Frankreich
Macron verurteilte die tödlichen Schüsse als „rassistischen Terroranschlag“. „Das, was heute geschehen ist, stellt einen Wendepunkt im Leben unserer Republik und unserer Nation dar“, sagte er bei einem Besuch in der betroffenen Gemeinde Trappes. Diese Menschen seien „allein aufgrund ihrer Hautfarbe oder ihrer vermeintlichen Religion“ ins Visier genommen worden, sagte Macron. Es sei das erste Mal, dass ein Terroranschlag geplant wurde, „um unsere Landsleute, unsere Kinder, allein aufgrund ihrer Hautfarbe oder der Religion, die man ihnen zuschreibt, zu töten.“ Aus dem Élysée-Palast hieß es dazu später, der Staatschef habe dabei von der ersten rassistischen Attacke aufgrund der Hautfarbe gesprochen – er vergesse keineswegs die zahlreichen antisemitischen Anschläge, die Frankreich in Trauer gestürzt hätten.
Der französische Innenminister Laurent Nuñez gab an, dass der Verdächtige an drei verschiedenen Orten mit einer automatischen Waffe geschossen habe. Die tödliche Fahrt dauert laut einer Mitteilung der ermittelnden Anti-Terrorstaatsanwaltschaft in Paris nicht einmal eine halbe Stunde. Die Schüsse seien gegen 10.30 Uhr im Département Yvelines, das im westlichen Teil der Pariser Großraumregion liegt, gefallen, teilte die Polizei mit. Zunächst fielen Schüsse in der Gemeinde Trappes, dann fuhr der Mann weiter in die angrenzende kleine Gemeinde La Verrière. Ein verletztes zwölfjähriges Mädchen wurde dem Sender BFM zufolge von acht Kugeln getroffen.
Der Bürgermeister der Gemeinde Trappes, Ali Rabeh, sagte dem Fernsehsender BFMTV, der Schütze habe „offenbar wahllos das Feuer eröffnet und habe offenbar beabsichtigt, ein Massaker anzurichten“. Der Mann war demnach auf einer Straße von Trappes in die Nachbargemeinde La Verrière unterwegs und wohnte in einer nahegelegenen Stadt.
Ermittler finden Sprengfalle in Wohnung des Verdächtigen
Rabeh hält einen islamfeindlichen Hintergrund für möglich. „Was wir heute miterlebt haben, ist objektiv gesehen ein Anschlag mit rassistischem, wahrscheinlich islamophobem Hintergrund“, sagte er vor der Presse. „Die Menschen, die heute ins Visier genommen wurden, das hätten auch meine Mutter, meine Brüder, meine Schwägerinnen sein können.“
Die Pariser Anti-Terrorstaatsanwaltschaft teilte mit, sie habe eine Untersuchung eingeleitet, unter anderem wegen des Verdachts auf gezielte Tötung im Zusammenhang mit einem terroristischen Vorhaben, der Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung zur Vorbereitung von Straftaten gegen Personen sowie des Waffenbesitzes. Dabei werde berücksichtigt, dass die Tat „aufgrund der tatsächlichen oder vermeintlichen Zugehörigkeit des Opfers zu einer bestimmten angeblichen Rasse, ethnischen Gruppe, Nation oder Religion begangen wurde“.
Bei dem Verdächtigen handelt es sich laut Staatsanwaltschaft um einen 1987 geborenen Mann. Sein Strafregister weise vier Verurteilungen auf, die von Rechts wegen getilgt seien. Seine Wohnung wurde demnach am Abend durchsucht. „Da für die Durchsuchung seiner Wohnung gemäß den Bestimmungen der Strafprozessordnung seine Anwesenheit erforderlich ist, wurde er bislang noch nicht von den Ermittlern vernommen“, hieß es.
Die Durchsuchung habe ergeben, dass in der Wohnung eine Sprengfalle eingerichtet worden sei. Diese habe aus drei Gasflaschen und elektrischen Drähten bestanden, die mit einer Zeitschaltuhr verbunden waren. Bei der Durchsuchung des Fahrzeugs des Verdächtigen wurden den Angaben nach eine Maschinenpistole sowie eine Tränengasgranate entdeckt. Darüber hinaus wurde am Nachmittag eine weitere Person aus seinem engsten Familienkreis festgenommen.
Ähnlich wie Macron äußerte sich auch Frankreichs Ex-Präsident François Hollande. Er sprach von einer rassistisch motivierten Tat. „Angesichts des schrecklichen Anschlags, der die Gemeinden Trappes und La Verrière getroffen hat, ist nun nationale Solidarität gefragt, denn diese abscheuliche Tat ist vom rassistischen Hass geprägt“, schrieb Hollande auf der Plattform X.
Die rechtsnationale Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen meldete sich ebenfalls zu Wort: „Das Blutbad, das heute Morgen in Trappes stattfand, ist ein barbarischer Akt, dessen Motive aufgeklärt und die Verantwortlichen hart bestraft werden müssen.“
Muslim-Verband ruft zu Wachsamkeit auf
Der muslimische Dachverband in Frankreich (CFCM) zeigte sich in einer Mitteilung nach der Tat entsetzt. Er warne unablässig vor den Folgen von Hassreden, Stigmatisierung und der Suche nach Sündenböcken, die von bestimmten Medien und politischen Verantwortlichen mitgetragen und dadurch in der öffentlichen Debatte zunehmend banalisiert würden, schrieb der Verband auf X.
Sollte sich der rassistische und islamfeindliche Charakter des Angriffs bestätigen, wäre er ein tragisches Beispiel für die Gefahren, die von Hassideologien und entsprechenden Äußerungen ausgehen, hieß es weiter. Der CFCM rufe die Musliminnen und Muslime in Frankreich zu äußerster Wachsamkeit auf.