Mahle: Zulieferer setzt bei E-Lkw auf Diesel-Range-Extender
Range Extender bei Lkw: So will Mahle mit einem Verbrenner dem E-Lkw den Weg bahnen Es wird noch dauern, bis Elektro-Lkw die alten Diesel verdrängen. Für die Zwischenzeit setzt der Autozulieferer Mahle auf eine Diesel-Elektro-Kombination. Bei der Internationalen Automobilausstellung in München zeigte Mahle ein Range-Extender-System. Foto: picture-alliance Das Elektroauto ist „weltweit betrachtet immer noch eine Nische“, meint Arndt Franz, Chef des Autozulieferers Mahle. Ganz unrecht hat er nicht: Noch wächst der E-Auto-Absatz vor allem in China und Europa. Weltweit wird jedes zweite Elektroauto dort abgesetzt. In vielen anderen Regionen spielen die Stromer jedoch kaum eine Rolle. Nische oder nicht, das ist für Franz die große Frage. Denn Mahle will seinen technologischen Vorsprung bei Kolben, Pleueln, Benzin- und Dieselmotoren in die nächste Autogeneration hinüberretten. Und die nächste Autogeneration heißt für Mahle: eine Koexistenz von Verbrenner und Elektroantrieb – mit dem Bewährten als Basis. Auch in zehn Jahren werde Mahle im Pkw-Bereich Verbrennerteile verkaufen, prognostiziert Franz auf dem hauseigenen Techforum am Dienstag in Stuttgart. Der Marktanteil von Verbrennern werde weltweit von heute knapp 60 Prozent auf etwa die Hälfte schrumpfen. Den Rest würden sich 2035 zu gleichen Anteilen Batterie- und Hybridfahrzeuge teilen. Xpeng „Jetzt veranstalten diese Partys die Chinesen“ Der chinesische Volkswagen-Partner Xpeng will selbst Europa erobern. Mit viel Technik zu einem kleinen Preis – eine unmissverständliche Kampfansage. von Artur Lebedew Noch bessere Aussichten attestieren sich Mahles Verbenner-Freunde bei Lastwagen und Bussen, konzernintern etwa ein Fünftel des Geschäfts. „Im Nutzfahrzeugbereich bleibt der Verbrennungsmotor auch in der Zukunft die dominierende Antriebsquelle“, prognostiziert Franz. Auf eine schnelle Batterierevolution bei den Lastern schaut man in Stuttgart eher skeptisch. Vor allem bei schweren Lkw im Langstreckeneinsatz seien die Akku-Reichweiten zu gering. Auch fehle die nötige Ladeinfrastruktur entlang der Autobahnen. Warum Mahle bei E-Lkw auf Range Extender setzt So darf Kolben-Mahle tatsächlich hoffen, dass der Verbrenner die Firma noch eine Weile trägt. Wären da nur nicht die strengen Abgasregeln der Europäischen Union, die auf eine Elektrifizierung pocht. Die Branche sieht sich am Scheideweg. Vor Kurzem geißelte die Daimler-Truck-Chefin Karin Radström die CO₂-Flottenregulierung für den Sektor als existenzbedrohend. Dem Urteil schließt sich Franz an: Die Regeln müsse die EU-Kommission dringend überprüfen. Bis die neue Antriebstechnik bei Lkw flächendeckend ausgerollt ist, vergehen nach Ansicht von Mahle noch viele Jahre. Für diese Zeit des Übergangs hat der Zulieferer eine Idee: den sogenannten Range Extender, also einen Reichweitenverlängerer. Dabei treibt ein kleiner Dieselmotor einen Generator im Lkw an, der Strom erzeugt und damit die Batterie lädt. Wenn die Batterie für die gewünschte Langstrecke nicht ausreicht und unterwegs eine Lademöglichkeit fehlt, springt der Generator an. Was der Diesel-Generator für Reichweite und Kosten bringen soll Dass Mahle dabei auf die eigenen Fertigkeiten zurückgreift, ist offensichtlich. Auch für Range Extender müsste man ja weiterhin Motorblöcke honen, Nockenwellen schmieden, Zylinder drehen, Kühlsysteme bauen, Abgase reinigen. Konkret will Mahle den Mini-Dieselmotor direkt neben die Batterie platzieren. Ein Drittel der Akku-Kapazität würden aus Platzgründen wegfallen: Wegen der hohen Batteriekosten würden die Lkw dadurch sogar günstiger, so Mahle, auf jeden Fall aber um etwa 600 Kilogramm leichter. Gleichzeitig erhöhe sich so die durchschnittliche Reichweite eines Elektrolasters von 400 auf 800 Kilometer. Bisher vertreibt Mahle die Technologie im Pkw-Bereich, allen voran in China. Laut eigenen Angaben verzeichnet das Unternehmen dort einen Marktanteil von etwa zehn Prozent. Einen ähnlichen Anteil würde man sich auch bei den Lastern wünschen. Technik für Logistiker interessant Ob es so kommt, ist schwer zu sagen. Bei Pkw könnte es in Europa an Nachfrage mangeln. Durch das dichte Ladenetz in vielen Ländern Europas sehen Experten die „Verlängerung“ der Batteriereichweite bestenfalls als Nischenlösung. Bei Lastwagen, die auf leistungsfähigere Lader angewiesen sind, könnte es allerdings anders sein. Für die Logistikbranche gilt vor allem: Bezahlbar und flexibel bei der Routenplanung müssen die Laster sein. Am Ende greifen die meisten immer noch zum bewährten Diesel. Das ändert sich selbst trotz steigenden Spritpreisen und Mautgebühren nur langsam. Der Range Extender sei hier ein „pragmatischer Beschleuniger“ der Lkw-Elektrifizierung, sagt Mahles Entwicklungschef Marco Warth. Mit größerer Reichweite könnten viele Logistiker umsteigen, die für sich bisher kein rentables Flottengeschäft gesehen haben. Die Technik biete Fuhrparkbetreibern „Verfügbarkeit auf dem Niveau von Verbrennern“. Mahle-Chef Franz wirbt sogar mit der Nachhaltigkeit: Ein Elektro-Laster mit Range Extender emittiere 80 Prozent weniger CO₂ als ein klassischer Diesel-Lkw, weil die kleineren Batterien leichter geladen würden und die Verbrennertechnologie nur „als Notstromaggregat“ zum Einsatz käme. Was aber ist, wenn aus Notstrom Normalität würde? Am Ende könnten die Trucks – wegen der schlechten Infrastruktur – ja auch vorwiegend mit Diesel befüllt werden. Die Europäische Union will auch das begrenzen. Bis 2030 sollen die Lkw-Betreiber ihre Flottenemissionen zum Vergleich von 2019 um 45 Prozent senken, fünf Jahre später gar um 65 Prozent. Ob sich die Technologie auch dann lohnt? Die Logistiker rechnen bereits, am Ende müssen sie die Laster auch kaufen. Sollte die „Brücke“ tatsächlich funktionieren, könnte sich Mahle seine Fertigkeiten im Verbrennungsgeschäft auch am Standort Deutschland einige Jahre länger erhalten. Lesen Sie auch: Die Gründe für den plötzlichen Tesla-Boom Legen Sie die WiWo als Ihre wichtige Nachrichtenquelle fest. Mehr zum Thema Unsere Partner Anzeige Stellenmarkt Die besten Jobs auf Handelsblatt.com Anzeige ImmoScout Jetzt kostenlos den Wert deiner Immobilie ermitteln Anzeige IT BOLTWISE Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik Anzeige Remind.me Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s Anzeige Presseportal Lesen Sie die News führender Unternehmen! Anzeige Bellevue Ferienhaus Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen Anzeige Übersicht Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche Anzeige Finanzvergleich Die besten Produkte im Überblick