Maine: ICE-Agenten erschießen Vater - und suchten eigentlich jemand anderen
Sie suchten einen anderen ICE-Agenten erschießen Vater – vor den Augen seiner Tochter Von t-online, jse 15.07.2026 - 15:21 UhrLesedauer: 3 Min. Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00 Jetzt neu bei t-online: Schriftgröße anpassen! In Maine tötete ein ICE-Beamter einen kolumbianischen Vater bei einem Abschiebungseinsatz. Die Behörde räumte ein: Er war nicht der Gesuchte. Ein Beamter der US-Einwanderungsbehörde ICE hat im Bundesstaat Maine einen 26 Jahre alten Kolumbianer erschossen. Nach bisherigen Erkenntnissen war der Mann offenbar nicht das eigentliche Ziel des Einsatzes. Der Vorfall löst in den USA politische Debatten über das Vorgehen der Behörde aus. Johan Sebastián Durán Guerrero wurde am Montagmorgen (Ortszeit) in Biddeford im Bundesstaat Maine von einem Beamten der US-Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE) erschossen. Nach Angaben des Heimatschutzministeriums (DHS) überwachten Einsatzkräfte die letzte bekannte Adresse eines Migranten, gegen den eine rechtskräftige Abschiebungsanordnung vorlag. Nach Angaben von US-Medien war Durán Guerrero jedoch nicht die Person, nach der die Beamten suchten. Das bestätigten mehrere mit dem Einsatz vertraute Behördenvertreter unter anderem dem Sender CBS News. Auch ICE räumte ein, dass der Kolumbianer nicht Ziel des Einsatzes gewesen sei. Behörde: Fahrer wollte fliehen Nach Darstellung des DHS kamen die Beamten auf Durán Guerrero zu, als dieser in sein Auto stieg. Er habe daraufhin versucht, mit dem Wagen zu fliehen. Ein ICE-Beamter habe aus Sorge um die öffentliche Sicherheit seine Schusswaffe eingesetzt. Videoaufnahmen von Überwachungskameras dokumentieren Teile des Einsatzes. Darauf sind zunächst mehrere Schüsse zu hören. Wenig später ist zu sehen, wie der Wagen langsam über eine Kreuzung rollt und schließlich von Einsatzfahrzeugen gestoppt wird. Anschließend ziehen Beamte den schwer verletzten Mann aus dem Auto. Er starb noch am Einsatzort – vor den Augen seiner Frau und seiner dreijährigen Tochter. Der genaue Ablauf des Einsatzes unmittelbar vor den Schüssen ist bislang ungeklärt. Die beteiligten ICE-Beamten trugen nach Angaben mehrerer US-Medien keine Körperkameras. Ermittlungen eingeleitet Der Schusswaffeneinsatz wird inzwischen vom FBI sowie den zuständigen Behörden des Bundesstaates Maine untersucht. Die örtliche Polizei war nach Angaben des Bürgermeisters von Biddeford nicht vorab über den ICE-Einsatz informiert worden. US-Medien berichten, Durán Guerrero habe seit 2023 in den Vereinigten Staaten gelebt. Er verfügte demnach über eine Arbeitserlaubnis und befand sich nach Angaben seines Umfelds in einem Asylverfahren. Das DHS erklärte, er sei 2023 über die Südgrenze in die USA eingereist. Politiker fordern Aufklärung Der Fall löste parteiübergreifend Forderungen nach einer lückenlosen Aufklärung aus. Die demokratische Kongressabgeordnete Chellie Pingree erklärte bei CBS News, sie habe Hinweise erhalten, dass möglicherweise die falsche Person erschossen worden sei. Eine offizielle Bestätigung dafür liege allerdings bislang nicht vor. Auch die republikanische Senatorin Susan Collins sprach sich dafür aus, vorerst auf nicht dringende Fahrzeugkontrollen im Rahmen von ICE-Einsätzen zu verzichten, bis die Umstände des Vorfalls geklärt seien. Nach Angaben mehrerer mit der Angelegenheit vertrauter Behördenvertreter setzte ICE nach dem Vorfall die meisten Fahrzeugstopps bei Maßnahmen der für Abschiebungen zuständigen Einheit vorübergehend aus. Der Grenzbeauftragte des Weißen Hauses, Tom Homan, bezeichnete dies später als kurzfristige Überprüfung bestehender Abläufe und nicht als grundlegende Änderung der Einsatzpolitik. Der tödliche Schusswaffeneinsatz ist bereits der zweite Fall innerhalb weniger Tage, bei dem ein ICE-Beamter einen Mann erschoss, der nach Angaben der Behörden nicht Ziel der jeweiligen Operation war. Die Ermittlungen zu beiden Vorfällen dauern an.