mal hatten sie diese Wahnvorstellung“: Selenskyj macht sich über Kreml
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj genießt es dieser Tage ganz offensichtlich, Russland schwach aussehen zu lassen. Zur jährlichen Militärparade im Mai in Moskau veröffentlichte er ein Dekret, das die Veranstaltung erlaubte. Es war eine als Witz verpackte Machtdemonstration. Selenskyj wusste um die Sorgen des Kremls vor ukrainischen Langstreckenangriffen. Jetzt breitet der Präsident ein anderes militärisches Problem der russischen Invasoren vor der Öffentlichkeit aus, über das Machthaber Wladimir Putin lieber nicht sprechen möchte. Fakt ist: Mehr als zehn Jahre, nachdem Russland die Krim annektierte und einen Krieg im Osten der Ukraine anzettelte, und mehr als vier Jahre nach Beginn des Angriffskriegs ist Russland weit entfernt vom Ziel, die Ukraine zu kontrollieren. Selenskyj attestiert dem Kreml eine Wahnvorstellung Im östlichen Industriegebiet Donbass fehlen dem US-Institut für Kriegsstudien (ISW) zufolge noch immer 5305 Quadratkilometer in der Region Donezk. Trotzdem wird immer wieder über neue Fristen des Kremls berichtet, bis wann das Gebiet erobert werden soll. Die politische Führung Russlands sei vom Donbass „besessen“, schreibt Selenskyj in einer Mitteilung vom 29. Juni. „Schon 15-mal hatten sie diese Wahnvorstellung“, so der Präsident. Gemeint sind die gerissenen Fristen – die er hintereinander auflistet: „Im Jahr 2022 gab es Fristen bis zum 31. März, dann bis zum 9. Mai, bis zum 1. Juni, bis zum 15. September und bis zum 31. Dezember. Im Jahr 2023 legte Putin zwei weitere Fristen für die Eroberung des Donbass fest: bis zum 1. März und dann – als es wieder nicht klappte – wurde die Frist auf den 31. Dezember verschoben. 2024 gab es wieder diese beiden Fristen. 2025, als die Russen versuchten, Präsident Trump davon zu überzeugen, dass die Ukraine angeblich zusammenbrechen würde, gab es bereits drei Fristen, […], nämlich: bis zum 1. September, bis zum 1. Dezember und bis zum 25. Dezember. Dieses Jahr haben die Russen den Termin für die Eroberung der Region Donezk erneut verschoben. Zunächst war der 31. März dieses Jahres vorgesehen, dann der 1. September, und nun gilt als Frist der 31. Dezember.“ Ob alle von Selenskyj genannten Fristen tatsächlich galten, ist unklar. Die Kontrolle des Donbass wurde von Russland allerdings immer wieder als eine Absicht benannt. Bereits 2022 bezeichnete der Kreml es als Mindestziel. Denkbar ist, dass Russland sich anschließend auf Verhandlungen einlässt. Wobei Osteuropa-Experten darauf hinweisen, dass Putin trotzdem die vollständige Kontrolle der Ukraine als Endziel anstrebe. Allerdings scheint selbst eine vollständige Besetzung des Donbass derzeit weit entfernt zu sein. Das ISW schreibt: „Es ist sehr unwahrscheinlich, dass die russische Armee den restlichen Teil der Region Donezk innerhalb der neuen Frist bis zum 31. Dezember erobern wird.“ Stattdessen trage eine solche Frist zu weiteren geschönten Berichten bei: Aus der Armee werden Eroberungen nach oben gemeldet, die es nie gegeben hat. Gleichwohl halten es unabhängige Militärbeobachter für möglich, dass zumindest die Stadt Kostjantyniwka im Donbass in den Sommermonaten fallen könnte. Dabei handelt es sich um die südlichste der vier sogenannten „Festungsstädte“. Dort haben die Ukrainer eine große Verteidigung aufgebaut. Fallen diese Städte, dürfte der Donbass nicht mehr zu halten sein. Auf der Kriegskarte des militärnahen Blogs „DeepState“ ist seit Jahresbeginn zu erkennen, dass die russische Armee immer näher an Kostjantyniwka heranrückt. Die russische Armee ist also noch nicht geschlagen, obwohl sie fraglos unter Druck steht und ukrainische Drohnenangriffe auf ihre Versorgungswege im Hinterland verkraften muss. Ein Stück weit geht es bei den ukrainischen Luftattacken – die in Russland selbst zu einer Treibstoffkrise für die Zivilbevölkerung geführt haben – auch darum, das Bild von Stärke an die Verbündeten im Westen und gegenüber der eigenen Bevölkerung zu vermitteln. So dürfte auch Selenskyjs jüngste Spitze gegen den Kreml wegen der vielen verschobenen Fristen zu verstehen sein. (mit dpa) Hinweis: Selenskyjs Verlautbarung wurde mithilfe Künstlicher Intelligenz übersetzt.