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Malaria-Fälle im Umfeld des Frankfurter Flughafens festgestellt

Nation

Zwei Menschen aus dem Frankfurter Stadtteil Schwanheim sind an Malaria erkrankt. Eine Person starb, wie das Frankfurter Gesundheitsamt am Donnerstag mitteilte. Die zweite betroffene Person wurde noch in einer Klinik behandelt. Die beiden Erkrankten arbeiteten nicht am Flughafen. Auch waren sie zuletzt nicht in einem Malaria-Risikogebiet.

Dennoch geht das Gesundheitsamt davon aus, dass die Überträger-Mücke vom Flughafen kam und es sich ebenfalls um sogenannte Flughafen-Malaria handelt. Vermutlich sei die Krankheit durch eine eingeschleppte Anopheles-Mücke übertragen worden.

Bereits im Juli waren sechs Beschäftigte des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport an Malaria erkrankt, zwei von ihnen starben. Ob die Frankfurter Fälle zusammenhängen, wird nach Angaben des Gesundheitsamts noch untersucht: "Spezialuntersuchungen im Labor können Hinweise darauf liefern, ob die Infektionen auf eine Erregerquelle zurückzuführen sind."

Wie sind die beiden neuen Fälle bekannt geworden?

Ein Labor informierte das Frankfurter Gesundheitsamt über die positiven Malaria-Nachweise. Dazu sind Labore gesetzlich verpflichtet. Warum die beiden Betroffenen auf Malaria getestet wurden und welche Symptome sie hatten, teilte das Gesundheitsamt nicht mit.

Wie das Gesundheitsamt am Donnerstag mitteilte, ist eine der beiden Personen gestorben. Die zweite infizierte Person wurde im Krankenhaus behandelt, weitere Details zum Gesundheitszustand wurden nicht mitgeteilt. Die näheren Umstände werden noch untersucht – auch, ob es einen Zusammenhang mit den vorherigen sechs Malaria-Fällen gibt.

Was ist Flughafen-Malaria?

Malaria wird durch den Stich weiblicher Anopheles-Mücken übertragen. Die Mücken kommen vor allem in tropischen und subtropischen Regionen vor. Die schwerste Form, Malaria tropica, kann lebensgefährlich sein.

Von Flughafen-Malaria spricht man, wenn eine infizierte Mücke aus einem Malaria-Risikogebiet beispielsweise mit einem Flugzeug oder in Fracht nach Deutschland gelangt und hier einen Menschen sticht.

Wie oft kommt Flughafen-Malaria vor?

Flughafen-Malaria ist sehr selten. Laut einer Studie sind von 1969 bis Anfang 2024 in Datenbanken 105 Fälle in ganz Europa bekannt. Zudem gab es 32 Fälle von sogenannter Gepäck-Malaria. Hier war eine infizierte Mücke im Gepäck transportiert worden und der Infektionsort lag weit entfernt von einem Flughafen.

Seit 2015 sind dem Robert Koch-Institut (RKI) 19 Malariafälle mit wahrscheinlicher Übertragung in Deutschland bekanntgeworden: zwei Infektionen in einem Krankenhaus, ein Fall von Gepäck-Malaria, eine Mutter-Kind-Übertragung, ein Fall mit unklarem Übertragungsweg und 14 Fälle von möglicher Flughafenmalaria (2 Fälle 2019, 3 Fälle 2022). Der letzte Fall am Frankfurter Flughafen vor der aktuellen Häufung wurde 2023 dokumentiert.

Wie groß ist das Malaria-Risiko in Schwanheim?

Nach Einschätzung des Frankfurter Gesundheitsamts ist es sehr gering. Neben den beiden bekannten Fällen gebe es derzeit keine weiteren Verdachtsfälle.

Dass die Mücken sich um einen Flughafen in einem Radius von mehreren Kilometern bewegten, geschehe ganz selten, sagt Amtsleiter Peter Tinnemann. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist nicht möglich.

Auch in anderen Ländern gab es Infektionen in der Nähe von Airports. Neben Flughafenbeschäftigten waren bei einem Ausbruch 2020 in Belgien auch Bewohner Flughafen-naher Gebiete betroffen. Wie auch in Schwanheim wohnten die Betroffenen etwa fünf Kilometer vom Flughafen entfernt.

Welche Vorsichtsmaßnahmen sind nötig?

Wer sich besonders große Sorgen mache, könne zu "Mückenschutz durch Repellentien und bedeckender Kleidung" greifen, teilt das Gesundheitsamt mit. Repellentien sind Substanzen, die Mücken durch Duftstoffe fernhalten, es gibt sie etwa in Form von Sprays.

Ergänzend könne in den Wohnräumen Mückenschutz beispielsweise durch Fliegengitter das Risiko eines Stichs minimieren, so die Behörde. Grundsätzlich sei die Gefahr aber sehr gering.

Wie weit können Anopheles-Mücken fliegen?

Normalerweise legen die Mücken etwa ein bis zwei Kilometer zurück, sagt der Tropenmediziner Benno Kreuels vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. Bei günstigen Windverhältnissen seien auch deutlich größere Entfernungen bis zu etwa zehn Kilometer möglich.

Die beiden aktuellen Fälle wurden in Schwanheim registriert, etwa fünf Kilometer vom Flughafen entfernt. Allerdings müssen die Mücken nicht unbedingt selbst vom Flughafen bis zu ihrem Ziel fliegen: Sie können beispielsweise auch in Gepäck oder Fracht eingeschleppt werden und erst am Zielort herauskommen.

Werden rund um Schwanheim Mücken untersucht?

Das Gesundheitsamt hat Mückenfallen am Flughafen und rund um die Wohnorte der beiden Erkrankten aufgestellt. Die gefangenen Mücken werden nach Angaben der Behörde im Tropeninstitut in Antwerpen in Belgien genetisch untersucht.

So soll unter anderem festgestellt werden, um welche Arten es sich handelt und woher sie stammen. Bisher wurden dabei nach Angaben des Gesundheitsamts keine Anopheles-Mücken gefunden.

Könnten die Mücken noch leben?

Das lässt sich nach Angaben des Gesundheitsamts nicht sicher sagen. Unklar ist auch, ob die beiden Menschen von derselben oder von unterschiedlichen Mücken gestochen wurden. Aufgrund der Inkubationszeit von 7 bis 15 Tagen ist es nicht wahrscheinlich, dass die Mücken noch lange im Rhein-Main-Gebiet leben.

Normalerweise überleben die übertragenden Anopheles-Mücken in ihrer Heimat nur zwei bis maximal drei Wochen, sagt Tropenmediziner Kreuels. Diese Lebensdauer könnten die Mücken auch im deutschen Hochsommer erreichen. Vor allem wenn die Temperaturen so hoch sind wie in diesem Jahr.

Manche tropische Mücken sind laut Experten bei kalten Temperaturen nicht mehr so überlebensfähig und fliegen auch nicht mehr so aktiv. Aber im temperierten Flughafengebäude könnten sie länger überleben.

Können sich die Mücken in Deutschland vermehren?

Ausgeschlossen ist es laut Experten nicht. Eine kurzfristige Vermehrung ist laut Kreuels theoretisch möglich. Dafür müsste eine weibliche Mücke den Flug überleben und bereits Eier tragen oder sich hier mit einem männlichen Tier paaren.

Gibt es wegen des Klimawandels künftig mehr Fälle?

Flughafen-Malaria könnte unter anderem deshalb häufiger auftreten, weil die Temperaturen steigen. Ein heißer Sommer erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass eingeschleppte Mücken in Deutschland länger überleben, sagt Kreuels.

Die Zahl der dokumentierten Fälle in Frankfurt ist bereits gestiegen: Zwischen 1990 und 2010 wurde ein Fall registriert, in den zwölf Jahren danach waren es fünf. Als wahrscheinlich wichtigste Ursache dafür nennt Kreuels aber nicht den Klimawandel sondern den zunehmenden Flugverkehr - insbesondere aus Ländern mit hoher Malaria-Verbreitung wie Kamerun, Ghana und Nigeria.

Der Klimawandel kann zudem die Zahl der Malaria-Erkrankungen in den Herkunftsregionen erhöhen. Dadurch könnten auch mehr infizierte Mücken nach Deutschland gelangen.

Können auch heimische Mücken Malaria übertragen?

Theoretisch ja. In Deutschland gibt es Anopheles-Arten, die grundsätzlich als Überträger infrage kommen.

Einen entsprechenden Verdacht gab es 1997 in Nordrhein-Westfalen. Dort hatten sich zwei Mädchen in einem Krankenhaus mit Malaria angesteckt. Die Erreger waren wohl von einer heimischen Mückenart übertragen worden, die in der Nähe des Duisburger Klinikums gefunden wurde.

Zur selben Zeit wurde dort damals ein Mädchen aus Angola wegen Malaria behandelt. Vermutlich hatte eine Mücke zuerst sie gestochen und dann die beiden Mädchen. So lautet zumindest eine Hypothese.

Die Tigermücke, die sich in Deutschland ausbreitet, kann zwar viele tropische Krankheiten wie Dengue, Zika und Chikungunya übertragen, jedoch keine Malaria.

Worauf sollten Menschen im Umfeld des Flughafens achten?

Das Frankfurter Gesundheitsamt ruft Bürger und Bürgerinnen sowie Ärzte und Ärztinnen dazu auf, bei Symptomen an Flughafen-Malaria zu denken. Die Diagnose könne per Schnelltest erfolgen. Malaria ist behandelbar, entscheidend ist, dass die Erkrankung früh erkannt wird.

Mögliche Symptome sind:

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