Mammografie: Überdiagnosen offenbar seltener als bisher gedacht
Eine Überdiagnose liegt vor, wenn das Screening einen Brustkrebs entdeckt, der einer Frau zu Lebzeiten keine Beschwerden bereitet und ihre Gesundheit nicht gefährdet hätte. Wie häufig das vorkommt, wird seit Jahrzehnten diskutiert. Forschende aus Dänemark, Großbritannien und den USA haben die vorhandenen Studiendaten nun noch einmal nach einheitlichen Kriterien analysiert.
Ergebnisse sprechen für weniger als fünf Prozent
Die Forschenden bezogen acht randomisierten Studien zum Mammografie-Screening ein. Sie untersuchten, wie viele zusätzliche Brustkrebsfälle in den Gruppen mit Früherkennung festgestellt wurden. Die Zahl der zusätzlichen Diagnosen verglichen sie mit Daten aus zwei regionalen Screeningprogrammen in Dänemark. Dort war die Brustkrebs-Früherkennung in einigen Regionen 17 Jahre früher eingeführt worden als in anderen. So ließ sich über längere Zeit nachvollziehen, wie sich die Zahl der Diagnosen nach Einführung des Screenings veränderte.
Das Ergebnis: Die Entwicklung entsprach weitgehend dem Verlauf, den die Forschenden anhand der dänischen Daten erwartet hatten. Dieses Muster ist nach ihrer Einschätzung mit einer Überdiagnoserate von weniger als fünf Prozent vereinbar.
Warum der Zeitpunkt der Auswertung wichtig ist
Nach Einführung eines Screenings steigt die Zahl der Brustkrebsdiagnosen zunächst. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass es sich bei allen zusätzlichen Befunden um Überdiagnosen handelt. Viele Tumoren werden durch die Mammografie lediglich früher entdeckt und wären ohne Screening erst später aufgefallen.
Deshalb berücksichtigten die Forscher bei ihrer Neuauswertung, wie lange die Gruppen beobachtet wurden, wie viele Screeningrunden angeboten wurden und ob auch Frauen der Kontrollgruppe eine Mammografie erhielten.
Ergebnis beruht auf einem Vergleichsmodell
Die im Fachjournal „JNCI: Journal of the National Cancer Institute“ veröffentlichte Metaanalyse spricht dafür, dass frühere hohe Schätzungen das Ausmaß der Überdiagnosen möglicherweise überschätzt haben. Eine feste Quote beweist sie jedoch nicht: Die Forschenden haben vorhandene Studien neu ausgewertet und deren Verlauf mit dänischen Screeningdaten verglichen. Das Ergebnis von weniger als fünf Prozent ist daher eine begründete Einschätzung auf Basis dieses Modells und keine direkt gemessene allgemeingültige Rate.
Mammografie: Was gilt in Deutschland?
Brustkrebs zählt zu den häufigsten Krebserkrankung bei Frauen. Wird die Erkrankung rechtzeitig erkannt und behandelt wird, ist sie häufig gut heilbar. Zur Früherkennung von Brustkrebs haben gesetzlich krankenversicherte Frauen in Deutschland im Alter zwischen 50 und 75 Jahren alle zwei Jahre Anspruch auf eine Röntgenuntersuchung der Brust, auch Mammografie genannt.