Maria Ehrich: ""People Pleasing ist gewissermaßen in der weiblichen DNA festgelegt"
Ob als Gwendolyn Shepherd in der "Edelstein-Trilogie" oder als Helga Schöllack in der "Ku'damm"-Reihe – Maria Ehrich schlüpft gerne in die unterschiedlichsten Rollen. Nun ist die Schauspielerin unter die "Catladys" gegangen. Wir haben mit ihr gesprochen. Ein Interview von Lisa-Marie Yilmaz Was passiert, wenn eine konfliktscheue People Pleaserin auf dem Weg zu ihrer eigenen Hochzeit ausgerechnet auf einen egozentrischen, sprechenden Kater trifft? Die Antwort darauf liefert das neue Audible Original Hörbuch "Catlady", in dem Schauspielerin Maria Ehrich der Hauptfigur Laura ihre Stimme leiht. Im Interview spricht Maria Ehrich über die Aufnahmen zu "Catlady" und ihr eigenes People Pleasing. Außerdem blickt sie auf Gleichberechtigung in der Schauspielbranche und die immer wiederkehrende Frage, "wie es sein kann, dass wir noch so weit von Gleichstellung entfernt sind". Frau Ehrich, in dem Audible Original Hörbuch "Catlady" leihen Sie der Protagonistin Laura Ihre Stimme. Ist es Ihnen leicht gefallen, sich in die Rolle der Hörbuchsprecherin einzufinden? Maria Ehrich: Ich habe zugegebenermaßen am ersten Tag im Studio einen Moment gebraucht, um wieder ins Hörbuchsprechen reinzukommen. Das Einlesen eines Hörbuchs ist etwas anderes als das abendliche Vorlesen einer Gute-Nacht-Geschichte für das eigene Kind. Insofern spielen viele verschiedene Komponenten eine Rolle. Das Zusammenfinden mit dem Medium, dem Regisseur und der Atmosphäre im Studio ging letztlich aber sehr schnell, sodass mir das Projekt direkt riesigen Spaß bereitet hat. Ich denke, dass ein wirklich schönes Hörbuch entstanden ist. Ehrich war in einer "glücklicheren Position" als Kollege Stefan Kaminski Gab es beim Einlesen bestimmte Begriffe oder Satzfragmente, bei denen die Gefahr bestand, sich zu verhaspeln? Die gab es (lacht). Wenn man immer wieder über dieselben Sätze stolpert, denkt man sich irgendwann: "Meine Güte, das kann doch nicht so schwer sein". Denn meistens war es irgendein einfacher Halbsatz, den ich einfach nicht rausbekommen habe. Doch manchmal steckt irgendeine Blockade im Kopf. Glücklicherweise kann ich mich in diesen Situationen einiger Tricks bedienen, die ich aus der Schauspielerei kenne. Ich habe mir also gedanklich kleine Brücken gebaut und vor das Wort, bei dem ich mich zuvor immer verhaspelt hatte, eine minimale Pause gesetzt – glücklicherweise konnte der Verhaspelungs-Bann dadurch gebrochen werden. Ihr Schauspielkollege Stefan Kaminski ist in "Catlady" als Kater Sir Cat zu hören. Gab es auch gemeinsame Aufnahmen im Studio? Leider waren wir nicht gemeinsam im Studio, dabei hätte ich Stefan sehr gerne bei seiner Arbeit, für die ich ihn sehr bewundere, zugesehen. Doch bei Hörbuchproduktionen ist es nicht üblich, Textpassagen gemeinsam einzulesen. Sowohl Stefan als auch ich lesen einzelne Kapitel, die dann chronologisch zusammengefügt wurden. Trotzdem würde ich sagen, dass ich beim Einlesen der Texte in einer glücklicheren Position war als er. Inwiefern? Stefan war vor mir mit dem Einlesen seiner Kapitel an der Reihe. Bedeutet: Ich konnte mir die von ihm eingesprochenen Kapitel anhören, ehe ich ins Studio gegangen bin. Auf diese Weise wusste ich, wie er bestimmte Worte oder Sätze ausgesprochen und betont hat. Zu wissen, wie er als Sir Cat klingt, hat mir beim Sprechen der Laura sehr geholfen. "People Pleasing ist gewissermaßen in der weiblichen DNA festgelegt" Laura muss in "Catlady" lernen, für sich und ihre Bedürfnisse einzustehen. Sind Sie gut darin, Bedürfnisse klar zu kommunizieren und Grenzen zu setzen? Ich neige grundsätzlich leider zum People Pleasing (lacht). Trotzdem bin ich gut darin geworden, mein People Pleasing zu erkennen. In diesen Momenten erinnere ich mich dann daran, mutig zu sein, für mich einzustehen und ehrlich zu kommunizieren, was mir gerade auf dem Herzen liegt. Ich glaube, dass meine Mutterschaft diesen Wandel gebracht hat. Bis zum Ende meiner Zwanziger hatte ich große Schwierigkeiten damit, ausdrücken, was ich eigentlich möchte. In der Folge habe ich mich häufig an Situationen und Menschen angepasst. Inzwischen bin ich Mutter und möchte einem kleinen Menschen beibringen, eben nicht so zu agieren. Das geht aber nur, wenn ich selbst mit entsprechendem Vorbild vorausgehe. Warum neigen Ihrer Meinung nach vermehrt Frauen zum People Pleasing? Ich kenne auf jeden Fall mehr Frauen als Männer, die unter People Pleasing leiden, und kann diesbezüglich auch ein Beispiel aus meiner Arbeit als Schauspielerin nennen. In "Ku´damm 77" spiele ich eine Frau, die sehr gefangen in alten Strukturen ist. Ich glaube, dass eben dieser Konflikt bereits viele Hundert Jahre zuvor ansetzt. Frauen wurden durch das Patriarchat unterdrückt und mussten in der Folge viel unternehmen, um möglichst unauffällig zu sein. Hier setzt das People Pleasing an: im unauffällig bleiben und Erwartungen anderer erfüllen. Insofern ist People Pleasing gewissermaßen in der weiblichen DNA festgelegt, was natürlich absolut problematisch ist. Wir Frauen müssen und sollten unsere Bedürfnisse und Gefühle genauso ausdrücken dürfen, wie jeder Mann auch. Ich zehre sehr davon, wenn ich auf Frauen treffe, die sich aus diesen Strukturen herausgekämpft haben. Insofern ist es ein großes persönliches Ziel von mir, mich ebenso aus diesen alten Mustern zu befreien. Aktuell bin ich noch dabei, aber auf einem guten Weg. Das bedeutet beispielsweise auch, mir Zeit zu nehmen für Antworten und Entscheidungen und mich nicht von anderen Menschen bedrängen zu lassen – nur, um es ihnen in dieser Situation recht zu machen. Wie blicken Sie auf die Entwicklung innerhalb der Schauspielbranche, wenn es um Gleichberechtigung geht? Es ist ein Auf und Ab. Es gibt immer wieder Produktionen, die mich in Sachen Geschlechtergerechtigkeit wirklich begeistern. Gleichzeitig gibt es aber auch Momente und Situationen, in denen ich mich frage, wie es sein kann, dass wir noch so weit von Gleichstellung entfernt sind. Meine gute Freundin Caro Cult [die Schauspielerin verlor eine Rolle in der ARD-Serie "Schattenseite", nachdem sie ihre Schwangerschaft mitgeteilt hatte; Anm. d. Red.] hat am eigenen Leib Ungleichberechtigung erfahren müssen. Ich habe das Ganze damals hautnah an ihrer Seite miterlebt. Ich bin auch Mutter und entsprechend hat mich die Umbesetzung total geschockt. Gleichzeitig stelle ich fest, dass Rollenanfragen anders und weniger werden, seitdem ich meine eigene Mutterschaft kommuniziert habe. Natürlich kann ich einen Zusammenhang nicht eindeutig belegen. Darüber hinaus ist mir bewusst, dass es der Branche gerade nicht gut geht. Trotzdem bin ich lange genug Teil der Branche, um ein gewisses Gefühl für Dinge zu haben. Was macht das mit Ihnen? Es macht mich traurig, dass Frauen ab 30 weniger bis gar nicht besetzt werden. Je älter wir werden, umso besser werden wir – umso enttäuschender ist es, wenn Frauen mit 40, 50 oder 60 gar nicht mehr stattfinden. Diese Ungerechtigkeit macht mich wirklich emotional. Ich bin der Meinung, dass es unserer Gesellschaft nicht guttut, wenn Frauen in die Unsichtbarkeit gedrängt werden, indem ihre Geschichten nicht mehr erzählt werden. Streng genommen wird dadurch suggeriert, dass das Leben mit Mitte 30 vorbei ist. Dabei ist das völliger Quatsch. Umso mehr wünsche ich mir, dass wir eben diese Geschichten wieder mehr erzählen – mit echten Frauen, die nicht nur die liebe Omi spielen, sondern starke Figuren mit Ecken und Kanten. Ehrich schreibt an erstem Roman Wie stehen Sie zu der Entwicklung rund um Künstliche Intelligenz in der Kultur- und Medienbranche? Mit Blick auf KI braucht es klare Gesetze und Bestimmungen, um genau zu reglementieren, wann und in welcher Form wir als Kunstschaffende geschützt sind. Es lohnt sich meiner Meinung nach nicht, sich ganz grundsätzlich gegen KI zu stellen. Trotzdem sollte der Fokus auf eindeutige Regeln und Gesetze gelegt werden, damit wir – etwa in der Kultur- und Medienbranche – nicht Gefahr laufen, aus Produktionen herausradiert zu werden. Natürlich gibt es bereits Filme, die gänzlich KI-generiert sind. Die Produktionsfirmen sparen damit eine Menge Geld, während die Kunstschaffenden auf der Strecke bleiben. Trotzdem habe ich die Hoffnung, dass es irgendwann eine Gegenbewegung aus der Gesellschaft gibt, weil sie sich nach Echtheit und Authentizität sehnt. Und eben diese Faktoren lassen sich mit Künstlicher Intelligenz nicht kreieren. Sie sind Botschafterin für die Stiftung Lesen. Haben Sie die Hoffnung, dass die Menschen wieder eine Sehnsucht nach dem Lesen von Büchern verspüren? Ja, das hoffe ich sehr. Lesen ist eine meiner größten Leidenschaften und ich kann an keinem Buchladen vorbeigehen, ohne Ausschau nach neuen Büchern zu halten. Manchmal denke ich, wenn ich beruflich nicht das machen würde, was ich mache, würde ich einen Buchladen führen (lacht). Für mich gibt es nichts Entspannenderes, als ein Buch zu lesen – allein aus diesem Grund würde ich mich sehr freuen, wenn mehr Menschen wieder zu einem Buch greifen würden. Lesen ist gewissermaßen in meiner DNA verankert. Insofern würde ich es als unfassbar schade empfinden, wenn die Leselust der Menschen noch weiter abnehmen würde. Ist das Verfassen eines eigenen Buchs demnach der nächste folgerichtige Schritt für Sie? Empfehlungen der Redaktion Detlef Soost spricht über seinen Tiefpunkt Timur Ülker und seine Partnerin sagen kurzfristig ihre Hochzeit ab Boris Becker zeigt sein privates Familienglück Absolut, nachdem in der Vergangenheit ja bereits ein Sachbuch von mir erschienen ist, schreibe ich tatsächlich gerade meinen ersten Roman. Ich habe schon seit Ewigkeiten eine Story im Kopf und bin entsprechend glücklich, diese Geschichte endlich aufschreiben zu können.