Marianne Binsteiner schwimmt trotz MS im Klosterbad
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Trotz schwerer MS: Wie Marianne Binsteiner das Klosterbad in Gars am Inn erobert
Von: Gunter Fuchs
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Trotz ihrer schweren Nervenerkrankung hat Marianne Binsteiner ihren Lebensmut nicht verloren. In Gars am Inn suchte die Rollstuhlfahrerin einen Weg zurück ins Wasser. Im Klosterbad fand sie ein Stück Freiheit im Alltag.
Gars am Inn – „Kann mir mal jemand aufmachen!?“, hört man es vom Tor des Garser Klosterbads her. Meist ist schon jemand dort, der dann von innen öffnet – und Marianne Binsteiner rollt mit ihrem Elektrorollstuhl herein. Laufen kann sie seit etwa drei Jahren nicht mehr. Die kindersicher in der ungewöhnlichen Höhe von circa 1,70 Metern eingebaute Türklinke ist daher für sie unerreichbar. Doch ist sie erst einmal im Klosterbad, kann sie sich gut selbst helfen. Hier ist es möglich, dass sie ganz dicht an die Treppe hinfährt, die ins Wasser führt. Mithilfe des hinabführenden Geländers kann sie sich aus dem Rollstuhl ziehen und ins Wasser steigen. Schon zu Hause hat sie eine leuchtend rote Schwimmweste angezogen, die sie sicher über Wasser hält und es ihr erlaubt, gefahrlos ihre Runden zu drehen.
Das war nicht immer so. Die früher benutzte Schwimmnudel ist ihr immer mal wieder entglitten, sodass sie kurzzeitig unterging. Ihre Beine machen ja nicht mehr mit. Das sahen andere Badegäste, unter ihnen Josef Bühn. Der beschloss, ihr eine Schwimmweste zu stiften, die sie sicher über Wasser hält. „Die Schwimmweste ist super!“, sagt Birnsteiner. Sie erzählt, dass sie vergangenes Jahr zum ersten Mal am und im Meer gewesen sei. „Und mit der Weste konnte ich mich sogar in den Wellen treiben lassen!“, berichtet sie strahlend. Was für andere eine Selbstverständlichkeit ist, stellt für Marianne Binsteiner ein unvergessliches Erlebnis dar. Seit über drei Jahrzehnten ist sie schon an Multipler Sklerose erkrankt – und mit eisernem Willen stemmt sie sich gegen diese Krankheit.
Mit eisernem Willen gegen die Krankheit
Immer wieder gibt es Schübe und Rückschläge, doch die 1964 geborene Garserin gibt nicht auf. Vor zwei Jahren war es sogar so weit, dass sie nicht mehr richtig sprechen konnte. Doch mit ihrer Willensstärke und der Hilfe einer Logopädin hat sie es wieder gelernt: „Zweimal die Woche war ich dort, und es gab sogar Hausaufgaben, wie in der Schule!“, erinnert sie sich. Heute meint man nicht mehr, dass sie mit dem Reden einmal Probleme gehabt hat.
Auch andere Katastrophen wie eine Wirbelverformung und die wiederholten Stürze in ihrer Wohnung hat sie weggesteckt. Aktuell laboriert sie an einem komplizierten Bruch an der Ferse, der mit einigen Schrauben in den Knochen endete. Aber nicht nur diese bereiten ihr immer wieder Schmerzen. Deshalb wurde ihr eine Kugel in den Bauchraum implantiert, die dosiert Schmerzmittel an den Körper abgibt. Einmal im Monat wird sie von außen mit einer Spritze nachgefüllt. So ist sie in der Lage, große Teile des Alltags eigenständig zu bewältigen. Nur am Morgen kommt jemand vom Pflegedienst.
Selbstständigkeit im Alltag bewahren
Sehr glücklich ist Birnsteiner über ihre behindertengerechte Wohnung in einem von der Gemeinde erbauten Haus, in dem sie seit sechs Jahren lebt. Systematisch hat sie die Wohnung auf ihre Bedürfnisse abgestimmt. Barrierefrei kann sie mit ihrem Elektromobil hineinfahren und auf den kleineren Rollstuhl für drinnen umsteigen. Und in einem Innenhof hat sie ihr Elektro-Transportdreirad geparkt. „Meinen Autoführerschein habe ich abgeben müssen!“, erzählt sie empört, aber angesichts ihrer gesundheitlichen Verfassung war das wohl eine sinnvolle und eher wohlmeinende Maßnahme. Das Gefährt erreicht nur 45 Kilometer pro Stunde und lässt sich wie ein Fahrrad vollständig über den Lenker, also mit den Händen, steuern und bremsen. Hilfreich, wenn man mit den Füßen Pedale nur schwer und nicht schnell genug bedienen könnte.
Doch die kurze Strecke von ihrer Wohnung am Marktplatz bis zum Klosterbad bewältigt sie problemlos mit dem Elektrorollstuhl. „Das Klosterbad ist einfach genial. Das kalte Wasser tut mir so gut. Ich bin hier, so oft es geht und das Wetter gut ist“, betont Marianne Binsteiner. Wobei für sie noch ein weiterer Faktor entscheidend ist: Das Klosterbad wird permanent aus den Quellen am Berg gespeist und ist daher zwar kalt, aber weitgehend frei von Bakterien, im Gegensatz zu Badeseen in der Umgebung, in denen sie sich früher gelegentlich Infektionen geholt hat. „Und natürlich trifft man hier auch noch Leute“, ergänzt sie.