Mark Rutte: „Putin kann nicht gewinnen, wir sind viel stärker“
Herr Generalsekretär, trotz Ihrer Schmeicheldiplomatie: Unmittelbar vor dem Nato-Gipfel in Ankara ist US-Präsident Donald Trump schlecht auf die europäischen Verbündeten zu sprechen. Droht die Allianz zu zerbrechen? Mark Rutte: Nein, die Nato ist derzeit sehr stark. Und das ist auch Präsident Trump zu verdanken. Denn was man derzeit beobachtet, ist, dass die europäischen und kanadischen Verbündeten mehr für die Verteidigung ausgeben. Bei meinem Besuch im Weißen Haus habe ich Zahlen präsentiert, die zeigen: Die amerikanische Erwartung, dass die Europäer und Kanadier genauso viel beitragen wie die USA, wird Realität. Die steigenden Verteidigungsbudgets sind eher dem Kriegstreiber Wladimir Putin zu verdanken als Trump. Der russische Krieg gegen die Ukraine spielt eine Rolle, natürlich, aber auch die Tatsache, dass Präsident Trump die Verbündeten sehr nachdrücklich ermutigt hat, ihre Ausgaben zu erhöhen. Und er ist der erste Präsident seit Beginn dieser Debatte – damals, unter Eisenhower –, der dies erreicht hat. Warum ist Trump dann so gereizt? Mit Blick auf den Iran gibt es im Weißen Haus eine gewisse Enttäuschung. Das hängt, wie ich in Washington zu erklären versucht habe, mit Einzelfällen zusammen. Betrachtet man jedoch das Gesamtbild – bis zu 5000 Einsätze amerikanischer Flugzeuge von europäischen Stützpunkten aus –, so ist Europa eine einzige große Plattform der Machtprojektion für die USA. Das ist einer der entscheidenden Gründe dafür, dass die USA ein direktes Interesse an einem Bündnis mit Europa haben.