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Markt bricht um 20 Prozent ein: RAM und SSDs

Technologie

Der weltweite PC-Markt ist im dritten Quartal 2026 deutlich eingebrochen. Zwei große Marktforschungsunternehmen kommen unabhängig voneinander auf Rückgänge von mehr als 20 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. IDC meldet ein Minus von 20,1 Prozent, während Omdia einen Rückgang von 21,2 Prozent auf insgesamt 58,1 Millionen ausgelieferte Systeme errechnet. Die leicht unterschiedlichen Zahlen sind kein Widerspruch. Marktforschungsunternehmen verwenden unterschiedliche Datensätze und Abgrenzungen. Entscheidend ist die Richtung: Der PC-Markt erlebt nach dem vergleichsweise starken ersten Halbjahr einen ausgesprochen harten Einbruch.

Notebooks verlieren 20,6 Prozent, Desktop-PCs sogar 23,5 Prozent

Omdia schlüsselt die 58,1 Millionen Geräte weiter auf. Notebook-Auslieferungen einschließlich mobiler Workstations sanken um 20,6 Prozent auf 46,4 Millionen Stück. Desktop-PCs einschließlich Desktop-Workstations verloren sogar 23,5 Prozent und kamen nur noch auf 11,7 Millionen Einheiten. Damit trifft die Schwäche praktisch den kompletten klassischen PC-Markt. Besonders bemerkenswert ist der Zeitpunkt. Normalerweise beginnt im dritten Quartal bereits die Vorbereitung auf das Weihnachtsgeschäft, während Unternehmen ihre Beschaffung für das zweite Halbjahr hochfahren. 2026 bleibt dieser saisonale Effekt offenbar weitgehend aus. Omdia beschreibt den Einbruch teilweise als Konsequenz sogenannter Pull-forward-Effekte. OEMs und Händler hatten im ersten Halbjahr mehr Komponenten und Systeme beschafft, weil mit steigenden Preisen und möglichen Lieferengpässen gerechnet wurde. Dadurch wurde Nachfrage praktisch vorgezogen. Jetzt sitzen Teile der Lieferkette auf erhöhten Lagerbeständen, während gleichzeitig die Endkundenpreise steigen. Genau diese Kombination ist problematisch. Hersteller können nicht beliebig weiter produzieren, Händler müssen bestehende Ware abbauen und Verbraucher reagieren auf höhere Preise mit Kaufzurückhaltung.

Die spektakulärste Zahl im Omdia-Bericht betrifft allerdings nicht die Verkaufszahlen. DRAM und SSDs machten in einem typischen PC früher zusammen ungefähr 15 Prozent der Komponenten-Kosten aus. Inzwischen liegt dieser Anteil laut Omdia bei nahezu 40 Prozent. Der Grund: Die Preise für diese Komponenten seien gegenüber früheren Niveaus um mehr als das Vierfache gestiegen. Das verändert die Kalkulation eines kompletten Rechners fundamental. Bei einem günstigen Notebook oder Office-PC existieren nur begrenzte Margen. Wenn Speicher und SSD plötzlich einen großen Teil der gesamten Stückliste verschlingen, gibt es nur wenige Möglichkeiten: Der Hersteller erhöht den Verkaufspreis, reduziert RAM oder SSD-Kapazität, verwendet günstigere Komponenten oder nimmt eine geringere Marge hin. Alle vier Optionen sind unangenehm.

Der Speichermarkt steht gleichzeitig unter enormem Druck durch Rechenzentren. AI-Beschleuniger benötigen enorme Mengen HBM. Serverplattformen benötigen große DDR5-Kapazitäten, und AI-Storage verschlingt NAND. Hersteller können Produktionskapazität nicht beliebig von heute auf morgen erweitern. Dadurch konkurrieren Consumer-Produkte zumindest indirekt mit deutlich margenträchtigeren Datacenter-Produkten um Wafer, Fertigungskapazitäten und Investitionen. Das bedeutet nicht, dass jeder teure DDR5-Riegel unmittelbar wegen einer NVIDIA-GPU teurer wird. Die Verschiebung der Industrie in Richtung hochmargiger AI- und Datacenter-Produkte verändert aber sehr wohl die wirtschaftlichen Prioritäten der Speicherhersteller. Omdia nennt neben Speicher und NAND auch Engpässe bei Prozessoren, Grafikkarten und verschiedenen IC-Komponenten. Damit verschärft sich die Situation für OEMs zusätzlich. Ein PC-Hersteller benötigt schließlich nicht einzelne Chips, sondern eine komplette Stückliste. Fehlt nur ein Controller oder eine bestimmte CPU, kann ein komplettes System nicht ausgeliefert werden. Genau das macht Supply-Chain-Probleme so unangenehm: Die knappste Komponente definiert am Ende die Produktionsmenge.

An der Rangfolge der größten Hersteller ändert der Einbruch zunächst wenig. Omdia sieht Lenovo mit 14,9 Millionen Geräten und rund 26 Prozent Marktanteil weiterhin deutlich auf Platz eins. HP folgt mit 10,3 Millionen Geräten, musste allerdings einen besonders heftigen Rückgang von 31 Prozent hinnehmen. Dell kommt auf 7,6 Millionen, Apple auf 6,8 Millionen und ASUS auf 5,4 Millionen Systeme. Interessant ist Apple: Trotz eines Rückgangs von rund elf Prozent gewinnt das Unternehmen Marktanteile. Omdia führt das teilweise auf Apples Premiumpositionierung zurück. Käufer teurerer Systeme reagieren offenbar weniger empfindlich auf steigende Komponentenpreise als Kunden im Budgetsegment. Wer nun auf eine schnelle Normalisierung hofft, bekommt von Omdia wenig Optimismus. Für das vierte Quartal 2026 erwartet das Marktforschungsunternehmen einen weiteren Rückgang um 24 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für das Gesamtjahr 2027 wird derzeit noch einmal ein Minus von etwa sieben Prozent prognostiziert. Damit könnte das dritte Quartal nicht der Tiefpunkt, sondern lediglich der Beginn einer längeren Abwärtsbewegung sein.

Für Enthusiasten ist die Situation ärgerlich. Für den Massenmarkt ist sie möglicherweise noch problematischer. Eine Grafikkarte für 1.500 Euro verkraftet einen um 50 Euro höheren Speicherpreis anteilig vergleichsweise gut. Bei einem 499-Euro-Notebook verändern dieselben 50 Euro die komplette Produktkalkulation. Deshalb könnten ausgerechnet günstige Systeme künftig entweder erheblich teurer werden oder mit kleineren SSDs und weniger Arbeitsspeicher erscheinen. Der aktuelle Markteinbruch ist damit nicht nur ein kurzfristiges Absatzproblem. Er zeigt, wie stark sich der wirtschaftliche Schwerpunkt der Halbleiterindustrie gerade verschiebt. Während AI-Rechenzentren bereit sind, enorme Summen für Compute, HBM und Storage auszugeben, muss der klassische PC um dieselben industriellen Ressourcen konkurrieren – bei deutlich niedrigeren Margen.

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