Marktbericht: Anleger blicken gelassen in den Nahen Osten
Der DAX legt zum Handelsstart leicht zu auf 26.490 Punkte, aktuell pendelt er etwa auf Freitagsniveau. Zum Wochenschluss war er mit einem Plus von 0,5 Prozent auf 26.440 Punkten aus dem Handel gegangen. Im Verlauf der vergangenen Woche hatte der DAX bei 26.573 Zählern ein Allzeithoch erreicht. Das Wochenplus betrug rund 0,5 Prozent. "Nachlassende Zinsangst und eine starke Berichtssaison geben dem DAX zu Wochenbeginn Rückenwind. Bei täglich weiter nachlassenden Schwankungen notiert der Index in Tuchfühlung mit den erst vergangene Woche erreichten Rekordständen", erklärt Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst der Consorsbank. "Anleger setzen darauf, dass aus politischen Gründen vor den Zwischenwahlen in den USA weder eine neue Eskalation in Nahost noch eine Zinsanhebung der amerikanischen Notenbank droht." Für den DAX war es die vierte Woche in Folge mit einem Wochenplus. Dabei gewann das Börsenbarometer sechseinhalb Prozent und baute sein Jahresplus damit auf knapp acht Prozent aus. Wegen des Iran-Kriegs und des deswegen stark gestiegenen Ölpreises war der Leitindex im März zeitweise noch unter die Marke von 22.000 Punkten abgesackt. "Besonders auffällig ist die aktuelle fundamentale Entkopplung: Dieser anhaltende Kursanstieg resultiert keineswegs aus einer florierenden heimischen Konjunktur, sondern wird nahezu exklusiv von globalen, unternehmensspezifischen Faktoren sowie der Hoffnung auf eine geldpolitische Zinspause getragen", kommentiert Frank Sohlleder, Analyst beim Broker ActivTrades. Wie stehen jetzt die Chancen für eine weitere Rekordwoche? Positiv schlägt weiterhin zu Buche, dass die Inflations- und Zinssorgen an den Börsen nachlassen. In den USA war der monatliche Arbeitsmarktbericht schwach ausgefallen. Und ein leichter Rückgang der US-Inflation dämpfte die Erwartung, die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) könnte im September die Zinsen anheben. Auch die erfolgreich ausgefallene Bilanzsaison wirkte als Kurstreiber. Das könnte nach Ansicht der Fachleute von der DZ Bank so bleiben: "Die Unternehmensgewinne wachsen kräftig genug, um die Kurse weiter zu tragen. Die Berichtssaison zum zweiten Quartal liefert unseres Erachtens die fundamentalen Belege für diesen Ausblick." Aber die Lage am Persischen Golf bleibt ein Risikofaktor, der unter genauer Beobachtung der Investoren steht. Aktuell schwinden die Hoffnungen auf ein baldiges Abkommen zwischen USA und Iran. Der iranische Außenminister Abbas Aragtschi hatte erklärt, Iran habe noch nicht entschieden, ob es die Gespräche mit der Regierung in Washington wieder aufnehmen werde. Die Energiepreise bleiben derzeit trotz der Unsicherheiten stabil. In der Vorwoche waren die Preise um mehr als fünf Prozent gestiegen, nachdem eine Raffinerie des saudischen Staatskonzerns Saudi Aramco sowie Tanker der Abu Dhabi National Oil Company (ADNOC) angegriffen worden waren. Weiter steigende Ölpreise würden erneuten Druck auf die Verbraucherpreise ausüben. Die Inflationserwartungen würden steigen, das wiederum könnte die Fed dazu zwingen, Zinserhöhungen doch noch in Erwägung zu ziehen.