Marktbericht: DAX driftet ins Minus
Eigentlich hatte es nach einem guten Börsentag ausgesehen. Weder von den Anleihemärkten noch vom Ölpreis gab es echten Druck. Belastend wirkten aber neue Sorgen um den Technologiesektor.
Berichte über die Entwicklung leistungsfähiger KI-Chips durch das chinesische Unternehmen CXMT lösten massive Gewinnmitnahmen bei Halbleiteraktien in Südkorea und anderen asiatischen Märkten aus. "Die technologische Konkurrenz aus dem Reich der Mitte nährt die Sorge, wie lange sich die hohen Bewertungen und Gewinnmargen der etablierten Chipkonzerne noch rechtfertigen lassen", sagte Marktanalyst Andreas Lipkow vom Broker CMC Markets.
Bereits am Vorabend an der Wall Street waren Halbleiteraktien verkauft worden. Anleger betrachten die hohen Bewertungen im Sektor ohnehin schon länger mit Misstrauen.
Der DAX, der am Vormittag noch 0,7 Prozent gewonnen hatte, musste seinen Tagesgewinn abgeben und schloss 0,1 Prozent tiefer bei 25.259 Punkten. Am Montag hatte der deutsche Leitindex noch knapp 0,8 Prozent zugelegt.
Noch schwerer als die Chipwerte wog der holprige Start in die Berichtssaison zum dritten Quartal. Wie immer eröffneten die großen US-Banken den Zahlenreigen. JPMorgan, Wells Fargo und Goldman Sachs meldeten zwar durchweg steigende Quartalsgewinne. Aber nur Goldman konnte die hohen Erwartungen übertreffen.
Am Ölmarkt entspannten sich die Preise zunächst, zogen im Verlauf aber wieder etwas an. Nordseeöl der Sorte Brent notierte am frühen Abend knapp unter 106 Dollar pro Barrel.
Nach wie vor warten die Märkte auf eine offizielle Stellungnahme Teherans zu den jüngsten Antworten aus Washington. Während es hier noch Hoffnung gibt, deuten die Angriffe der Huthi-Miliz aus dem Jemen auf die saudi-arabische Hauptstadt Riad eher auf eine weitere Eskalation auf der Arabischen Halbinsel hin.
Auch die US-Märkte stehen ganz unter dem Eindruck der startenden Berichtssaison und der schwelenden Technologiesorgen. Sowohl die Standard- als auch die Technologiewerte gaben zunächst leicht nach.
Die neue Wirtschaftsprognose des Internationalen Währungsfonds (IWF) stützte die Kurse etwas. Die Organisation erhöhte ihre Wachstumsprognose für Deutschland und die Weltwirtschaft. Der IWF rechnet nun damit, dass das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) im laufenden Jahr um 1,3 Prozent wächst.
Das sind 0,6 Prozentpunkte mehr als noch im Juli prognostiziert. Auch die Bundesregierung geht derzeit von 1,3 Prozent Wachstum aus. Seine Erwartung für die globale Wirtschaftsleistung hob der IWF ebenfalls leicht um 0,1 Prozentpunkte auf 3,1 Prozent an.
Mit der Eintrübung der Technologierally wurden auch am deutschen Markt wieder die "üblichen Verdächtigen" verkauft. Im DAX war der Münchener Halbleiterhersteller Infineon größter Verlierer. Im MDAX gaben Aktien wie Aixtron, Siltronic, Elmos und Suss Microtec nach.
Die Symrise-Aktie profitierte von starken Umsatzzahlen des Schweizer Konkurrenten Givaudan. Die Aktie des Aromen- und Duftstoffherstellers setzte sich an die Spitze der DAX-Gewinner und erreichte den höchsten Stand seit Sommer 2025.