Marktbericht: DAX rückt nach US-Zinsentscheid weiter vor
Der deutsche Aktienindex DAX steigt im frühen Handel um 0,7 Prozent auf 25.705 Punkte. Damit setzt er seine Aufwärtsbewegung vom Vortag fort. Der deutsche Leitindex hatte gestern vor dem US-Zinsentscheid 0,5 Prozent auf 25.538 Punkte zugelegt.
Heute verarbeiten die Anleger den Zinsentscheid der US-Notenbank Federal Reserve (Fed). Die Fed hat gestern zum ersten Mal seit mehr als drei Jahren die Zinsen um einen 0,25 Prozentpunkte erhöht. Der neue Leitzins liegt nun in einer Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent. "Die Inflation ist schlicht zu hoch und das schon zu lange", betonte Fed-Chef Kevin Warsh. Die Entscheidung werde eine schnellere Rückkehr zum Zwei-Prozent-Inflationsziel der Fed unterstützen.
Anleger hatten mit dem Zinsschritt gerechnet. Die Frage war aber, wie die Fed die weitere Geldpolitik gestalten wird. Darauf bekamen die Investoren eine Antwort: Die Notenbanker ließen durchblicken, dass bis Ende 2026 noch ein weiterer Erhöhungsschritt hinzukommen könnte, bevor die Fed im kommenden Jahr wieder zurückhaltender agiere.
Die höheren Zinsen sollen die Teuerung dämpfen. Aber es gibt Nebenwirkungen: Steigende Zinsen wirken sich negativ auf die Konjunktur aus. Ein wichtiger Grund dafür sind unter anderem die höheren Kreditkosten, die Verbraucher und Unternehmen belasten. Das drückt üblicherweise auch den Aktienmarkt.
Dass der DAX heute trotzdem zulegt, liegt daran, dass die Anleger auf eine Zinserhöhung vorbereitet waren. Deshalb war der deutsche Leitindex bereits im Vorfeld der Entscheidung tendenziell gesunken, die höheren Zinsen wurden in den vergangenen Tagen eingepreist. Ende August hatte der DAX noch deutlich über 26.000 Punkten notiert.
Aber es gibt auch andere Gründe für die freundliche Reaktion: "Dass die Leitzinsen erhöht wurden, ist positiv zu sehen, denn so demonstrieren die Währungshüter Entschlossenheit und vor allem Unabhängigkeit gegenüber der US-Administration, die stets Druck ausübt und eher Zinssenkungen als Erhöhungen wünscht", heißt es von den Geldpolitik-Experten der Helaba. Denn US-Präsident Donald Trump hatte wiederholt eine Zinssenkung gefordert. Diese Forderung widerspricht allerdings der gängigen volkswirtschaftlichen Lehre, wonach in Zeiten erhöhter Inflation eher eine straffere Geldpolitik angezeigt ist.
Unterstützung erhält der Aktienmarkt am Vormittag zudem durch frische Konjunkturdaten. Der Auftragsbestand der deutschen Industrie hat ein Allzeithoch erreicht. Die Auftragsbücher der Unternehmen sind so prall gefüllt wie noch nie seit Beginn dieser Statistik im Jahr 2015. Verglichen mit dem Vorjahresmonat legte der Bestand um 10,9 Prozent zu, teilte das Statistische Bundesamt mit. Das weckt bei vielen Anlegern die Hoffnung darauf, dass die wirtschaftliche Erholung in diesem Jahr endlich Fahrt aufnimmt.
Das neue Allzeithoch ist laut Destatis überwiegend auf den hohen Auftragsbestand im Bereich "Sonstiger Fahrzeugbau" zurückzuführen. Dazu gehören Flugzeuge, Schiffe, Züge und auch Militärfahrzeuge. Ohne die Berücksichtigung des Sonstigen Fahrzeugbaus lag der Auftragsbestand deutlich unterhalb seines Höchststandes.