Marktbericht: DAX wieder über 25.000 Punkten
Nach kräftigen Verlusten in den vergangenen zwei Handelstagen hat sich der DAX stabilisiert. Am Ende stand für den deutschen Leitindex heute ein Aufschlag von 0,89 Prozent auf 25.118 Punkte zu Buche. Am Montag noch hatte er mit 25.900 Punkten einen weiteren Rekord erreicht, bis zur Wochenmitte aber bereits wieder mehr als 1.000 Punkte eingebüßt. Der MDAX, der Index der mittelgroßen Werte, erholte sich mit einem Plus von 1,02 Prozent auf 31.837 Zähler. "Monatelang entwickelte sich der Iran-Konflikt in eine Richtung, die auf ein diplomatisches Endspiel hindeutete. Die Ereignisse der letzten Tage gehen allerdings in die falsche Richtung", kommentierte Marktanalyst Jochen Stanzl von der Consorsbank die jüngsten Entwicklungen. "Das geopolitische Risiko hat spürbar zugenommen." Die jüngste Eskalation untergrabe das Vertrauen in die Waffenruhe, schrieben die Analysten von ING in einem Kommentar. Der Öltransport, der in den vergangenen Wochen in der Straße von Hormus wieder angelaufen sei, dürfte vorerst vorbei sein, sagte IG-Analyst Tony Sycamore. Die Schiffseigner dürften wieder vorsichtiger werden. Von Konjunkturseite sind zunächst gute Nachrichten gekommen. Die deutschen Exporte sind im Mai überraschend den vierten Monat in Folge gestiegen. Das hängt vor allem mit einer höheren Nachfrage aus den USA und aus China zusammen, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Von einer Trendwende könne aber noch keine Rede sein, urteilte Dirk Jandura, Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA). "Die Welt kauft weiterhin deutsche Produkte. Doch der Welthandel wird volatiler, politischer und härter umkämpft. Absatzmärkte müssen breiter diversifiziert, Lieferketten widerstandsfähiger und neue Handelsabkommen konsequent genutzt werden", so Jandura. "Deutschland braucht dafür eine langfristige Handelsstrategie, die neue Märkte erschließt, bestehende Partnerschaften stärkt und die internationale Wettbewerbsfähigkeit unseres Standorts nachhaltig sichert." Die Zahl der Firmenpleiten ist in Deutschland im zweiten Quartal weiter gestiegen, so das Leipnitz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) in Sachen-Anhalt. Von April bis Ende Juni wurden 4.996 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften verzeichnet. Dies sei noch einmal ein Plus von neun Prozent im Vergleich zum ersten Quartal. Bei genauerem Hinsehen ist die Situation aber nicht ganz so dramatisch, denn viel hängt mit den Folgen der Corona-Pandemie zusammen. In den Pandemie-Jahren konnten sich viele Firmen am Markt halten, die zum damaligen Zeitpunkt schon nicht mehr wettbewerbsfähig waren, weil der Staat Finanzhilfen gewährte. Doch nachdem die staatlichen Hilfen ausgelaufen waren, mussten und müssen sich Unternehmen wieder aus eigener Kraft am Markt behaupten. Vor dem Hintergrund von geplanten Sparmaßnahmen bei Volkswagen ist heute der Aufsichtsrat des Wolfsburger Konzerns zu einer Sitzung zusammengekommen. Konzernchef Oliver Blume hatte bereits im Frühjahr angekündigt, an einem neuen "Zielbild 2030" für den Konzern zu arbeiten und dabei auch den Sparkurs deutlich verschärfen zu wollen. Wie vorab bekannt geworden war, könnten bis zu 100.000 Stellen weltweit wegfallen, doppelt so viele wie bisher geplant. Betriebsrat und Gewerkschaft bei Volkswagen machen mobil gegen die Pläne des Vorstands: An VW-Standorten protestierten heute die Arbeitnehmervertreter. Die Aktien von Deutz gewinnen zeitweise über vier Prozent. Deutz peilt den größten Zukauf seiner gut 160-jährigen Firmengeschichte an und hat eine Vereinbarung zur Übernahme des Rüstungskonzerns FFG Flensburger Fahrzeugbau GmbH geschlossen. Der Kaufpreis liegt bei rund 1,6 Milliarden Euro. Er soll teilweise in Aktien bezahlt werden, die Deutz neu ausgibt. Die Holsteiner produzieren, warten und modernisieren Schützenpanzer, Mannschaftstransporter und andere Militärfahrzeuge - unter anderem für die Bundeswehr. Die Optikerkette Fielmann hat im ersten Halbjahr in Deutschland eine verhaltene Verbraucherstimmung in Deutschland zu spüren bekommen. Dank eines Ausbaus des internationalen Geschäfts stieg der Umsatz um zwei Prozent auf 1,25 Milliarden Euro, wie das Unternehmen anhand vorläufiger Zahlen in Hamburg mitteilte. Im zweiten Quartal legte das internationale Geschäft um sechs Prozent zu, während der Heimatmarkt "moderat" wuchs, wie es hieß.