Marktbericht: Reformpaket treibt Börsenkurse
Der DAX erreicht direkt zum Handelsstart ein Rekordhoch. Der deutsche Leitindex gewann in der Spitze 0,9 Prozent auf 25.809 Punkte. Schon gestern hatten Zinshoffnungen der Anleger nach dem US-Arbeitsmarktbericht dem DAX erstmals seit Januar einen Rekord beschert. Er legte nach der Veröffentlichung der Jobdaten um bis zu 2,5 Prozent auf 25.655 zu. Damit übertraf er sein bisheriges Allzeithoch von 25.507 Zählern. Aus dem Handel ging er 2,2 Prozent fester bei 25.580 Punkten. Der Treibstoff für diese Rallye sei eine brisante Mischung, sagte Frank Sohlleder von ActivTrades. "Einerseits sorgten die fallenden Ölpreise für massive Entlastung, andererseits beflügelten unerwartet schwache US-Arbeitsmarktdaten die wildesten Zinsfantasien", kommentiert der Marktbeobachter. Wie könnte es jetzt weitergehen? Robert Greil, Chefstratege bei Merck Finck, weist darauf hin, dass die Berichtssaison an der Wall Street erst übernächste Woche startet: "Die Märkte haben erst einmal Zeit durchzuatmen", so Greil. "Sollten die Ölpreise im Zaum bleiben und die Quartalssaison gerade an der Wall Street die hohen Erwartungen einmal mehr klar übertreffen, sind weitere Allzeithochs drin, auch beim DAX, dem das Reformpaket der Regierung zusätzlich hilft." Anleger dürften von einer kleinen Sommer-Rally träumen, solange der Iran-Konflikt unter Kontrolle bleibe und die Notenbanken bei ihren Sitzungen gegen Monatsende nicht die Stimmung dämpfen, stellt der Experte fest. Nach dem starken Hochlauf sei der DAX nun kurzfristig überkauft und es sollte zunächst ein Rücklauf abgewartet werden, meint ING-Analyst Christian Zoller. "In der Folge ist dann mit eher weiter steigenden Kursen bis Mitte/Ende Juli zu rechnen." Den Impuls die aktuellen Kursgewinne hatten gestern schwache Daten vom US-Jobmarkt gesetzt: "Die Daten für Juni zeigen, dass sich die Einstellungsdynamik in den Vereinigten Staaten deutlich verlangsamt hat", kommentiert Salah-Eddine Bouhmidi, Marktbeobachter beim Broker IG. "Damit rücken weitere Zinserhöhungsspekulationen vorerst in den Hintergrund. Vielmehr dürfte der Markt nun verstärkt auf eine geldpolitische Lockerung im vierten Quartal nach den US-Zwischenwahlen setzen", so der Experte. Niedrige Zinsen sind ein Kurstreiber an den Aktienmärkten. Für Unternehmen und Verbraucher sind Kredite günstiger, der Konsum wird angekurbelt und die Gewinne steigen. In einer aktuellen Auswertung befassen sich die Fachleute der Beratungsgesellschaft EY mit den wertvollsten Unternehmen der Welt. Das Ergebnis: Vor allem die USA profitieren von ihren starken Tech-Konzernen und der KI-Euphorie. Allein acht der zehn wertvollsten Unternehmen der Welt kommen aus den USA. An der Spitze steht der Chiphersteller Nvidia mit einem Börsenwert von 4,8 Billionen Dollar lag. Dahinter liegen die Google-Mutter Alphabet, Apple und Microsoft. Mit Siemens ist nur ein einziges deutsches Unternehmen in der Liste der Top 100 vertreten. Deutschlands wertvollster Konzern liegt auf Platz 72 mit einem Börsenwert von knapp 250 Millionen Dollar.