Marktbericht: Erholung bei Chip-Werten treibt die Märkte
Die KI-Euphorie ist zurück und treibt die Märkte weltweit an. Chip-Aktien wie Marvell, Arm und Intel stiegen im US-Handel um bis zu 8,6 Prozent. Im prozentual zweistelligen Bereich erholten sich Micron, Sandisk und Western Digital, die an der Spitze im Nasdaq 100 um knapp 19 Prozent zulegten. Damit verzeichnete der Branchenindex der Halbleiterwerte ein Plus von 5,2 Prozent. Investoren kauften sich vor den anstehenden Bilanzen wieder in den Sektor ein, sagte Lindsey Bell, Chefstrategin bei 248 Ventures. Sie griffen aus Sorge, eine Rally zu verpassen, bei den zuletzt gefallenen Werten zu. Die Expertin warnte jedoch, dass die hohen Erwartungen bereits in den Kursen eingepreist seien, was weitere Kurssprünge nach der Vorlage der Geschäftszahlen erschweren könnte. Die Bilanzen von Alphabet, Intel und Texas Instruments werden im weiteren Wochenverlauf erwartet. Eine deutliche Erholung bei Halbleiteraktien hat der Wall Street am Dienstag Gewinne beschert. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 0,7 Prozent höher bei 52.225 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 rückte um 0,9 Prozent auf 7.509 Zähler vor. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gewann 1,3 Prozent auf 25.837 Punkte. Außerdem sorgten angehobene Jahresprognosen bei weiteren Einzelwerten für Kauflaune: Die Papiere des Spielzeugherstellers Hasbro gewannen 8,8 Prozent. Das Zahlenwerk von General Motors kam bei Anlegern ebenfalls gut an: Die Aktie des Autobauers stieg um 4,9 Prozent, nachdem der Zielkorridor für den erwarteten Jahresgewinn angehoben worden war. Noch überzeugender war die Quartalsbilanz des Mischkonzerns 3M, dessen Papier an der Dow-Spitze um 7,3 Prozent sprang. Die Titel von Danaher brachen dagegen um elf Prozent ein. Das Medizintechnikunternehmen hatte seine Erwartungen für das Kernumsatzwachstum gesenkt. Die positiven Vorgaben der Wall Street haben den asiatischen Börsen am Morgen Auftrieb gegeben. Anleger konzentrierten sich auf die Erholung im Technologiesektor. Der breit gefasste MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans legte um 1,2 Prozent zu. In Südkorea sprang der Kospi um mehr als sechs Prozent nach oben, während der japanische Nikkei-Index 1,9 Prozent gewann. Bereits am Dienstag ist auch am deutschen Aktienmarkt der Optimismus zurückgekehrt. Der DAX schloss mit einem Zuwachs von 0,6 Prozent auf 25.011 Punkten. Damit bleibt das Rekordhoch des Börsenbarometers von rund 25.900 Punkten von Anfang Juli in Sichtweite. Ziel heute dürfte es erst einmal sein, die Gewinne zu verteidigen. Der Broker IG taxiert den deutschen Leitindex zur Stunde mit plus 0,2 Prozent bei 25.064 Zählern. Damit blenden Anleger weltweit die jüngsten geopolitischen Spannungen im Nahen Osten sowie neue US-Strafzölle auf kanadische Importe weitgehend aus. "Die Aktienmärkte ignorierten die geopolitischen Risiken und konzentrierten sich stattdessen auf die Renditen im Technologiesektor", schrieben die Analysten von Westpac. Und das, obwohl die Ölpreise auch heute wieder steigen: Am Rohstoffmarkt verteuerte sich die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee um 1,0 Prozent auf 91,89 Dollar je Barrel (159 Liter). Das US-Öl WTI notierte 0,8 Prozent fester bei 85,01 Dollar. Der Grund: Erstmals seit Beginn der jüngsten Eskalation im Iran-Krieg ist wieder die Flugabwehr in der Hauptstadt Teheran aktiviert worden. Der weltgrößte Flugzeugbauer Airbus will seinen Gewinn dank der starken Nachfrage nach Passagierjets bis 2029 kräftig nach oben treiben. Vor allem das Geschäft mit Passagier- und Frachtjets soll dazu beitragen, dass der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (bereinigtes Ebit) auf 12 bis 13 Milliarden Euro steigt. Für 2026 hat Konzernchef Guillaume Faury rund 7,5 Milliarden im Auge. Airbus fahre die Produktion in allen Geschäftsbereichen hoch, um der starken Nachfrage gerecht zu werden, sagte Faury gestern anlässlich der Farnborough Airshow. Ein außergewöhnlicher Zwischenfall beim Testlauf neuer KI-Modelle des ChatGPT-Entwicklers OpenAI demonstriert das Risiko potenzieller Cyberattacken mit Künstlicher Intelligenz. Die Software drang eigenständig in Computersysteme einer anderen KI-Firma ein und verhielt sich dabei wie ein gewiefter Hacker, wie aus einem Blogeintrag von OpenAI hervorgeht.