Marktbericht: Hält sich der DAX über 25.000 Punkten?
Die Eskalation des Konflikts zwischen den USA und Iran hält die Börsen weltweit in Atem. Kurz nach neuen US-Angriffen auf Iran hat US-Präsident Donald Trump die Wiederaufnahme der Seeblockade gegen Schiffe angekündigt, die iranische Häfen ansteuern oder von diesen abfahren. Sie soll ab heute Nachmittag US-Ostküstenzeit in Kraft treten. Allen anderen Ländern soll ein "fairer und offener" Zugang zur Meerenge möglich sein, teilte er auf seiner Plattform Truth Social mit. Trump kündigte zudem an, dass die USA fortan für die sichere Durchfahrt der Meerenge aus "Fairnessgründen" Einnahmen in Höhe von 20 Prozent des Frachtwertes für sich beanspruchen. Dies solle die Kosten, die im Zuge der Sicherstellung der Passage anfallen, kompensieren. Der Prozess und die Umsetzung würden umgehend beginnen, schrieb er weiter. Weitere Details blieben offen, etwa wer genau für den Beitrag aufkommen soll. Die Ankündigung ließ den Ölpreis auf ein Monatshoch schnellen: Am Rohstoffmarkt verteuerte sich die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee um 2,6 Prozent auf 85,50 Dollar je Barrel (159 Liter). Das US-Öl WTI notierte 1,6 Prozent fester bei 79,37 Dollar. Die Aktienmärkte in Asien gaben angesichts der geopolitischen Entwicklungen nach: Der japanische Nikkei und der südkoreanische Kospi liegen 0,6 beziehungsweise 1,9 Prozent im Minus. Denn auch die Aussagen eines US-Notenbankers sorgen für Verunsicherung. Fed-Gouverneur Christopher Waller hatte angedeutet, dass die Zinsen "in naher Zukunft" angehoben werden könnten. "Die Aussicht auf eine straffere Geldpolitik bei einem gleichzeitigen Energiepreisschock ist selten ein gutes Umfeld für Risikoanlagen wie Aktien", sagte Chris Weston, Analysechef bei Pepperstone. Investoren blicken deshalb nun umso gespannter auf die erste halbjährliche Anhörung des neuen US-Notenbankchefs Kevin Warsh vor dem Kongress heute und morgen. Dabei dürfte es vor allem um die inflationären Auswirkungen des US-Iran-Krieges und den künftigen Zinskurs der Fed gehen. LSEG-Daten zufolge preisen die Märkte bis zum Jahresende mindestens eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte ein. All das hat der Wall Street zu Wochenbeginn zugesetzt. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 0,3 Prozent tiefer auf 52.499 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 gab 0,8 Prozent auf 7.515 Zähler nach. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 1,6 Prozent auf 25.873 Punkte. Besonders Halbleiterwerte gerieten unter Druck. Der Branchenindex verzeichnete deutliche Verluste, wobei Papiere von SanDisk, Marvell Technology und Intel zwischen 6,1 und 12,6 Prozent einbrachen. Gestützt wurde der Dow Jones hingegen von Energiewerten. Sie profitierten von einem Preissprung beim Rohöl um etwa neun Prozent, der durch Sorgen vor Lieferengpässen in der Straße von Hormus ausgelöst wurde. Für Bewegung sorgen dürften die heute erwarteten Quartalszahlen der Großbanken Bank of America, Citigroup, Goldman Sachs, JPMorgan und Wells Fargo. Sie markieren traditionell den Auftakt der US-Berichtssaison. Analysten rechnen laut LSEG für das zweite Quartal mit einem Gewinnwachstum der S&P-500-Unternehmen von 23,7 Prozent im Jahresvergleich. Den DAX hat die jüngste Entwicklung im Nahost-Konflikt am Montag kaltgelassen. Auch Gewinnmitnahmen bei Aktien mit Bezug zu Künstlicher Intelligenz (KI) konnte der deutsche Leitindex abschütteln - am Ende ging er mit einem Plus von 0,2 Prozent bei 25.114 Punkten aus dem Handel. Damit notierte der DAX knapp über der für den kurzfristigen Trend wichtigen 21-Tage-Linie, um die er jüngst pendelte. "Schnäppchenjäger haben den DAX zurück über die Marke von 25.000 Punkten gekauft", kommentierte Andreas Lipkow, Marktanalyst bei CMC Markets. "Die Käufer blenden die potenziellen Folgen der jüngsten Eskalation im Nahen Osten vorerst aus." Lipkow verwies allerdings auf die wieder steigenden Ölpreise und damit verbundene Inflations- sowie Zinssorgen. Heute dürfte allerdings auch den deutschen Anlegern erst einmal die Puste ausgehen: Der Broker IG taxiert den deutschen Leitindex zur Stunde bei minus 0,9 Prozent, bei 24.885 Punkten. Damit steht erneut die wichtige Marke von 25.000 Punkten auf dem Spiel. Hohe Lieferkosten kommen Deutschlands größte Containerreederei Hapag-Lloyd zugute: Der Konzern hat wegen gestiegener Transportpreise und zuletzt hoher Nachfrage seine Jahresprognose erhöht. Das teilte das Hamburger Unternehmen in einer Ad-hoc-Mitteilung mit. Hapag-Lloyd erwartet nun einen Gewinn vor Zinsen und Steuern zwischen 0,1 Milliarden und 1 Milliarde Euro, nach zuvor minus -1,3 und 0,4 Milliarden Euro. Die Hapag-Lloyd-Aktie legte im nachbörslichen Geschäft auf Tradegate um vier Prozent zu.