Marktbericht: KI- und Zinssorgen bremsen DAX
Zum Start in die neue Woche haben gleich mehrere Faktoren auf den Kursen gelastet. Der DAX verlor ein halbes Prozent auf 25.440 Punkte. Zwischenzeitlich war der Leitindex auf den tiefsten Stand seit Ende Juli abgesackt, konnte sich zum Handelsende aber etwas erholen.
Die Lage auf dem Ölmarkt bleibt ein wesentlicher Belastungsfaktor. Nach erneuten Angriffen auf Saudi-Arabien und auf Schiffe im Persischen Golf zogen die Notierungen erneut kräftig an. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Referenzsorte Brent aus der Nordsee mit Lieferung im November näherte sich wieder der Marke von 110 Dollar.
"Der DAX bleibt im Spannungsfeld eines Unsicherheitscocktails aus geopolitischen Risiken, geldpolitischen Fragezeichen und KI-Bedenken gefangen", sagte Marktanalyst Timo Emden vom Broker CapTrader. Mit jedem weiteren Ölpreisschub wachse die Sorge, dass die Inflation befeuert und die Notenbanken unter Zugzwang gesetzt werden könnten.
Die Inflationssorgen erhöhen den Druck auf die Notenbanken. In dieser Woche stehen die Zinsentscheide der Bank of England, der Bank of Japan und vor allem der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) an. Nach unerwartet hohen US-Verbraucherpreisdaten vom Freitag gehen die Märkte von einer Wahrscheinlichkeit von 90 Prozent für eine Zinserhöhung durch die Fed am Mittwoch aus.
"Entscheidend dürfte sein, ob eine mögliche Erhöhung ein einmaliger Schritt gegen den Inflationsdruck bleibt oder den Beginn einer neuen Straffungsphase markiert", meinte Maximilian Wienke vom Broker etoro.
Vor der möglichen Zinserhöhung hat US-Präsident Donald Trump erneut Druck auf die Fed ausgeübt. Er bekräftigte auf die Frage einer Journalistin seine Drohung eines Handelsstopps mit bestimmten Ländern, sollte der Zentralbankrat die US-Geldpolitik nicht lockern. Trump hatte Anfang September auf Truth Social in Richtung der Fed geschrieben: "Senkt die Zinsen, oder ich breche den Handel mit Ländern ab, mit denen wir ein Defizit haben".
In der vergangenen Woche hatte bereits die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins zum zweiten Mal in diesem Jahr angehoben. Höhere Zinsen sind tendenziell eine Belastung für die Aktienmärkte. Sie erhöhen die Finanzierungskosten von Unternehmen und können so die Gewinne schmälern. Zudem machen sie Anleihen als alternatives Investment attraktiver.
Auch das Thema Künstliche Intelligenz (KI) ist wieder zurück auf der Agenda: Der Chef des KI-Entwicklers Anthropic hatte aus Sicherheitsgründen ein langsameres Entwicklungstempo gefordert. Nach dem Schock eigenständiger KI-Hacking-Attacken sei er besorgt, dass in sechs bis zwölf Monaten ein KI-Schwarm in der Lage sein könnte, das gesamte Internet zu übernehmen und potenziell Hunderte Milliarden Dollar Schaden zu verursachen, so Anthropic-Chef Dario Amodei. ChatGPT-Entwickler OpenAI hat deshalb einen Börsengang 2026 ausgeschlossen.
"Es stellt sich nun die Frage, ob ein vorsichtigeres Entwicklungstempo bei KI die Investitionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette bremsen und damit die hohen Gewinnerwartungen der Branche gefährden könnte", kommentierten die Experten der LBBW. Die Nachfrage bleibe hoch, doch gerade wegen ihrer Bewertung seien Technologiewerte anfällig für Zweifel an den gewaltigen Investitionssummen.
Die KI- und Zinssorgen setzen auch den US-Märkten zu. Während die Standardwerte des Dow Jones zunächst moderate 0,3 Prozent einbüßten, ging es mit den Technologietiteln an der Nasdaq über ein Prozent abwärts.
Am deutschen Markt traf der Ausverkauf bei Aktien mit KI-Bezug neben Infineon und Siemens Energy auch Hochtief. Der DAX-Neuling büßte in der Spitze 9,6 Prozent ein. Eine Entschleunigung bei KI bedeute auch weniger Bedarf an Rechenzentren, sagte ein Händler.
Die Aktien von Bayer fielen dagegen mit Gewinnen auf. Bei der heute beginnenden Anhörung vor einem Gericht im US-Bundesstaat Missouri geht es um die finale Genehmigung eines Sammelvergleichs zu den Rechtsstreitigkeiten um den Unkrautvernichter "Roundup". Die Entscheidung des Gerichts wird allerdings erst später erwartet. Im Rahmen des angestrebten Vergleichs soll Bayer bis zu 21 Jahre lang Zahlungen von insgesamt bis zu 7,25 Milliarden Dollar leisten. Damit will der Konzern das Thema Glyphosat-Klagen weitgehend vom Tisch bekommen.
Etwas besser als der DAX schlug sich die Commerzbank-Aktie. Finanzminister Klingbeil hat den UniCredit-Chef Orcel nach Berlin geladen, um über die anstehende Übernahme des Frankfurter Instituts zu verhandeln. Der Bund fordert unter anderem, Arbeitsplätze zu erhalten und die Finanzierung des Mittelstands weiter sicherzustellen.