Marktbericht: Neue Spannungen machen DAX-Anleger nervös
Weitere Angriffswellen der USA auf Iran und deutlich steigende Ölpreise belasten den DAX am Morgen. Der deutsche Leitindex notierte zur Eröffnung knapp ein halbes Prozent tiefer bei 24.963 Punkten. Damit folgt der DAX den überwiegend schwachen asiatischen Börsen. In Tokio verlor der 225 Werte umfassende Nikkei-Index rund zwei Prozent, während der breiter gefasste Topix um gut ein halbes Prozent nachgab. In Südkorea brach der technologielastige Leitindex Kospi um 7,5 Prozent ein. Am chinesischen Aktienmarkt büßten der Shanghai-Composite und der CSI 300 jeweils rund 1,5 Prozent ein. Roland Schmack, Geschäftsführer des Vermögensverwalters Meine Werte, betont, dass geopolitische Risiken und politische Unsicherheiten weiterhin ein Belastungsfaktor sind. "Wer nach diesem Lauf noch auf der Kaufseite bleibt, sollte die Stoppkurse enger ziehen als sonst", mahnte Schmack. So sind denn nach einer neuen Welle von US-Militärschlägen gegen Iran die Ölpreise am Morgen gestiegen. Sie legten um rund vier Prozent zu, der Preis für die Nordseesorte Brent stieg auf 79,11 Dollar. US-Leichtöl verteuerte sich auf 74,37 Dollar. Die erneute Eskalation des Konflikts im Persischen Golf schürt Sorgen vor Lieferengpässen. "Die Ölpreise steigen und die Aktienkurse fallen, nachdem die Anleger einmal mehr über die Verwerfungslinie der Straße von Hormus gestolpert sind", sagt Marktbeobachter Stephen Innes. Am Wochenende ist der Krieg zwischen den USA und Iran wieder eskaliert, Iran und US-Präsident Donald Trump widersprachen sich in der Frage, ob die Straße von Hormus offen oder geschlossen ist. "In der Praxis dürften sich viele Reedereien bei dieser Ungewissheit mit einer Durchfahrt zurückhalten und die Schiffe, die dennoch durchfahren, dürften in der Dunkelheit die schwierige Reise wagen", erklärt Devisenexperte Michael Pfister von der Commerzbank. Am Sonntag durchfuhren nach Daten des Schiffsverfolgungsdienstes Kpler nur sechs Schiffe die Meerenge, die niedrigste Zahl seit fünf Wochen. Der jüngst wieder etwas entspanntere Blick der Anleger auf die Auseinandersetzungen zwischen den USA und Iran dürfte sich also eintrüben. Aktuell ist Analyst Ulf Krauss von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) noch recht zuversichtlich gestimmt. Anleger könnten dem Experten zufolge auf ein bekanntes Muster setzen: Mit dem erratischen Führungsstil des US-Präsidenten sei auch eine "Beruhigung" der Lage jederzeit möglich. Die Entwicklung in der neuen Woche hängt nun auch davon ab, ob wichtige Preisdaten aus den USA nicht doch wieder die Furcht vor einer anziehenden Teuerung schüren. Am Dienstag werden die US-Verbraucherpreise veröffentlicht, am Mittwoch die Erzeugerpreise. "Je höher der Turm, desto empfindlicher reagiert er auf Wind, und der DAX ist gerade ein hoher Turm", sagte Roland Schmack. Sollten Inflationsdaten höher als erwartet ausfallen, wackele sofort die Aussicht auf ein günstigeres Zinsumfeld, auf die ein guter Teil der jahrelangen DAX-Rally basiere. In den USA nimmt zudem die Berichtssaison der Unternehmen zum zweiten Quartal Fahrt auf. Der Zahlenreigen startet traditionell mit den großen Banken. So berichten am Dienstag JPMorgan, Goldman Sachs, Citigroup, Bank of America und Wells Fargo über ihre Geschäfte. Mit den Resultaten der US-Banken entscheide sich, ob die Rekordlaune der Anleger auf Substanz gebaut sei oder nur auf Zinsfantasie, sagte Vermögensverwalter Ortay Gelen von Axia Asset Management. Lieferten die Finanzhäuser, dürfte kaum etwas den DAX von seinem Kurs gen historischen Höchststand abhalten. Hierzulande startet ebenfalls langsam die Berichtssaison. Am Dienstag veröffentlichen der Autobauer Mercedes-Benz Group und der Zulieferer Schaeffler. Bereits heute steht der Abschluss des fünften klassischen Börsengangs in Deutschland im laufenden Jahr auf der Agenda. Der Mastsysteme-Hersteller Smag Mobile Antenna Masts geht auf das Parkett. Mit einem Startpreis von 35 Euro lagen die Aktien unter dem Angebotspreis von 46 Euro. Der weltgrößte Chip-Auftragsfertiger TSMC hat dank des anhaltenden Booms bei Künstlicher Intelligenz (KI) seinen Umsatz im abgelaufenen zweiten Quartal kräftig gesteigert. Die Erlöse kletterten von April bis Juni im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 36 Prozent auf 1,27 Billionen Taiwan-Dollar (rund 34,64 Milliarden Euro), wie der taiwanische Konzern mitteilte. Am Donnerstag will TSMC detaillierte Quartalsergebnisse präsentieren. Für Schlagzeilen sorgt außerdem ein Konflikt im Tech-Sektor: Apple verklagt den ChatGPT-Entwickler OpenAI und wirft dem Unternehmen und zwei früheren Apple-Mitarbeitern Diebstahl von Geschäftsgeheimnissen vor. Einer der beiden ist Tang Tan, ein ehemaliger ranghoher Apple-Designer, der heute Hardware-Chef von OpenAI ist. In dieser Funktion spielt er eine zentrale Rolle bei der Arbeit an einem neuartigen Gerät, das die ChatGPT-Firma auf die Nutzung mit Künstlicher Intelligenz ausrichten will. OpenAI weist die Vorwürfe zurück.