Marktbericht: Tech-Sorgen und hohe Ölpreise belasten den DAX
Der DAX sinkt im frühen Handel um rund ein halbes Prozent auf 25.210 Punkte. Bereits am Donnerstag hatten Sorgen über den Technologiesektor, negativ aufgenommene Konzernbilanzen und ein Anstieg beim Ölpreis den Markt belastet. Der deutsche Leitindex fiel um 1,1 Prozent auf 25.371 Punkte.
Timo Emden, Chefmarktanalyst von CapTrader, fasst die Lage am Aktienmarkt zusammen: "Schwelende Nahostrisiken, eine unklare geldpolitische Marschroute und kritisch hinterfragte KI-Bewertungen halten den DAX in einer Nebelkiste gefangen und lassen eine klare Orientierung vermissen", stellt der Fachmann fest.
Die Anlegerinnen und Anleger würden weiterhin mit angezogener Handbremse agieren, getrieben von Zinssorgen und den ambitionierten Erwartungen im KI-Sektor. "Ohne festen Orientierungspunkt fehlt Anlegern in einem Spannungsfeld aus geopolitischen Risiken und Zinserwartungen sowie KI-Fantasien der rote Faden", lautet Emdens Einschätzung.
Dass geopolitische Sorgen an den Märkten wieder eine größere Rolle spielen, zeigt auch ein Blick auf die Rohstoffmärkte. Die Ölpreise legen kräftig zu. Derzeit notieren die Sorten Brent und WTI auf dem höchsten Stand seit rund fünf Monaten.
Die Anlegerinnen und Anleger fürchten, dass die USA und Israel neue Angriffe auf Iran planen - nach den US-Zwischenwahlen am 3. November. Zudem schüren Angriffe der Huthi-Miliz in Saudi-Arabien Ängste vor weiteren Unterbrechungen der Energieversorgung. Auch die Sorgen, dass der Konflikt im Nahen Osten die Inflation anheizen und die Notenbanken zu weiteren Zinserhöhungen zwingen könnte, belasten die Aktienmärkte.
Bei den Einzelwerten geraten vor allem Technologiewerte unter Druck. An der Wall Street drückte eine Verkaufswelle die Kurse vieler KI-Konzerne in den Keller. Der Branchenindex Nasdaq 100 sackte um fast drei Prozent ab. Vor allem Chiphersteller verloren kräftig an Börsenwert.
Aktien von Branchengrößen wie Intel oder AMD fielen am Donnerstag um mehr als acht Prozent. Chiphersteller sind das Kernstück des KI-Booms. Wenn die Zweifel der Anleger an der KI-Story wachsen, sind sie am härtesten betroffen.
"Die Begeisterung an den Aktienmärkten über Hightech hat zuletzt deutliche Dämpfer erhalten. Der jüngste weltweite Ausverkauf zeigt, dass Anleger kritisch hinterfragen, inwieweit die hohen Erwartungen an Künstliche Intelligenz erfüllbar sind", sagt Robert Halver, Marktexperte bei der Baader Bank. "Die Anleger erkennen allmählich, dass es einige Lücken in der KI-Story gibt", sagte Marktstratege Paul Nolte von Murphy & Sylvest.
Viele Anlegerinnen und Anleger dürften aber auch schon einen Blick in die nahe Zukunft werfen: In der kommenden Woche würden die Notenbanken wieder in den Fokus rücken, schreibt Robert Greil, Chefstratege bei der Privatbank Merck Finck, in seinem Wochenausblick. "Die US Notenbank Federal Reserve tagt nur sechs Tage vor den US-Zwischenwahlen. Die weiter steigende US-Inflation spricht eigentlich klar für eine Leitzinserhöhung. Dennoch dürfte sich die Fed so kurz vor den Wahlen eher zurückhalten, wie sie das historisch meist gemacht hat."
Greil rechnet sowohl bei der Fed als auch bei der EZB nicht mit einer Zinsänderung. Der Ökonom hält je eine weitere Erhöhung im Dezember allerdings weiter für wahrscheinlich.