Marktbericht: Unsichere Zinspolitik hält Anleger vom Kaufen ab
Der deutsche Leitindex pendelt im frühen Handel entlang seines Vortageschlusses. Der DAX hatte gestern 0,5 Prozent auf 25.839 Zähler verloren, zeitweise notierte er so tief wie seit Ende Juli nicht mehr. Seit seinem Rekordhoch vom vergangenen Freitag bei 26.618 Punkten hat das Börsenbarometer den Rückwärtsgang eingelegt - und zeitweise mehr als 800 Punkte verloren.
Einige Anlegerinnen und Anleger dürften den Höchststand genutzt haben, um Gewinne mitzunehmen. Eventuell warten sie nun auf den richtigen Impuls, um wieder in den Markt einzusteigen. Aber noch sind die Investoren risikoscheu. Die Ölpreise bleiben hoch, die Inflation steigt.
Die Kombination aus steigenden Ölpreisen, Inflationsangst und drohenden Zinserhöhungen durch die Notenbanken sorge dafür, dass sich die Investoren an die Seitenlinien begäben und den Verkäufern das Feld überließen, sagte Andreas Lipkow, Chef-Marktanalyst von CMC Markets.
Die zuletzt wieder deutlich anziehenden Energiepreise belasten den Aktienmarkt, auch wenn der Aufwärtstrend zumindest vorerst gestoppt ist. Am Rohstoffmarkt notieren heute sowohl die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee als auch das US-Öl WTI über 90 Dollar je Fass. "Die Straße von Hormus ist weiterhin geschlossen. Und von einem dauerhaften Frieden werden die beiden Konfliktparteien auch im Falle eines Endes der Attacken weit entfernt sein", so Portfoliomanager Thomas Altmann von QC Partners.
"Der Krieg dauert länger an, als alle gehofft haben", sagte Lauren Cassidy, Anlagechefin beim Founders 100 ETF. Wenn er ende, würden die Energiepreise nachgeben und die Inflation sei kein so großes Thema mehr. Aber so weit ist es nicht - und das hat Folgen für die Verbraucherpreise, die sowohl in Deutschland als auch in der Eurozone wieder stärker zulegten.
Deshalb gilt es an den Märkten als fast sicher, dass die Europäische Zentralbank (EZB) in der kommenden Woche ihren Leitzins zum zweiten Mal in diesem Jahr erhöhen wird.
Auch in den USA mehren sich die Spekulationen über steigende Zinsen. Die Fed hält ihren Leitzins seit Dezember in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent. An den Finanzmärkten wird die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung in diesem Monat auf etwa 65 Prozent beziffert. Die US-Teuerungsrate liegt seit rund fünfeinhalb Jahren über dem Zielwert von zwei Prozent.
Wegen der US-Zinspolitik warten die Märkte bereits heute gespannt auf den monatlichen Arbeitsmarktbericht. Er wird morgen veröffentlicht. Die Anlegerinnen und Anleger erhoffen sich Hinweise auf den Zinskurs der US-Notenbank. Die US-Notenbank Federal Reserve achtet genau auf die Jobdaten. Die Fed soll nicht nur für stabile Preise sorgen, sondern auch für Vollbeschäftigung.
Mit Blick auf den offiziellen Arbeitsmarktbericht werde ein Stellenplus erwartet, kommentierten die Experten der Helaba. "Sollte sich dies bestätigen, könnten Vertreter der US-Notenbank darin bestärkt werden, die Leitzinsen alsbald zu erhöhen."
Etwas Unterstützung kommt von einer Unternehmensmeldung: Der US-Chipkonzern Broadcom hat seine Umsatzprognose für den Bereich KI deutlich angehoben. Für das kommende Jahr stellte das Management eine Verdopplung des KI-Umsatzes in Aussicht. Konzernchef Hock Tan erhöhte das Ziel für KI-Chips in dem bis Ende Oktober laufenden Geschäftsjahr 2025/26 leicht auf 58 Milliarden Dollar.
Im darauffolgenden Geschäftsjahr soll der Erlös mit KI-bezogenen Produkten auf 115 Milliarden Dollar steigen und sich im Jahr darauf auf 230 Milliarden Dollar verdoppeln. Broadcom liefert Spezialprozessoren, unter anderem für Meta und OpenAI.