„Markus Lanz“: Gauck fordert mehr „argumentativen Eifer“ gegenüber der AfD
Der frühere Bundespräsident Joachim Gauck fordert eine stärkere inhaltliche Auseinandersetzung mit der AfD. In der ZDF-Sendung „Markus Lanz“ (hier in der Mediathek) sagte Gauck, man brauche hier „mehr argumentativen Eifer“. Er warnte zugleich erneut davor, alle Wähler der AfD in eine rechtsextreme Ecke zu stellen. Es greife daneben, sie alle als Faschisten zu bezeichnen. „Natürlich gibt es unter denen Irre und Faschisten. Aber es gibt hauptsächlich verunsicherte Menschen, die sich fragen, wo bleibe ich in einer Welt, die sich so dynamisch verändert, dass ich Existenzängste habe“, sagte Gauck. Die Furcht der Menschen vor einer Moderne, die sie überfordere, dürfe man nicht einfach missachten. „Wir müssen danach trachten, die, die mit unserer offenen Gesellschaft fremdeln, Menschen, wieder zu beheimaten“, sagte Gauck. Dass Menschen die AfD wählen, findet der 86-Jährige dennoch falsch. „Die Menschen, die sich dorthin flüchten, befinden sich auf einem Irrweg“, sagte er. „Es ist für mich und meine Freunde unmöglich, diese Partei zu wählen, weil sie kontaminiert ist mit einem alten Denken und mit einem Grundverdacht gegenüber unserer offenen Gesellschaft“, betonte Gauck. Einige in der Partei träumten seiner Meinung nach von einer autoritären Führerschaft, etwa wie beim abgewählten ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán oder dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Einige hätten auch keine Probleme mit Russlands Präsident Wladimir Putin.