"Markus Lanz": Grünen-Chef Banaszak stützt Merz und empört Lanz
Wie sieht der richtige Umgang mit der AfD aus? Bei "Markus Lanz" kam es zu einem Wortgefecht, als Grünen-Co-Chef Felix Banaszak Bundeskanzler Friedrich Merz verteidigte. Daraufhin warf Lanz seinem Gast vor, den "Menschen richtig Angst zu machen".
Eine TV-Nachlese
von Natascha Wittmann
Diese TV-Nachlese gibt die persönliche Sicht von Natascha Wittmann auf die Sendung wieder. Sie basiert auf eigenen Eindrücken und ordnet das Geschehen journalistisch ein. Informiere dich, wie unsere Redaktion mit Meinungen in Texten umgeht.
Bei der ersten Bundestagsdebatte seit dem Wahlsieg der AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt kam es zu teils intensiven Szenen. Während Markus Lanz die Wortwahl von Friedrich Merz verurteilte, stellte sich Grünen-Co-Chef Felix Banaszak hinter den Kanzler. Die Folge: Lanz warnte Banaszak, dass er den Menschen mit seiner Rhetorik Angst einjage.
Der Umgangston im Deutschen Bundestag war am Mittwoch außergewöhnlich gereizt und konfrontativ. Während der traditionellen Generaldebatte zum Haushaltsplan, die zugleich die erste Plenarsitzung nach dem historischen Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt war, sorgten lautstarke Zwischenrufe, gegenseitige Vorwürfe und mehrfache Ermahnungen für Wirbel.
Markus Lanz analysierte am Donnerstag vor allem den Auftritt von Friedrich Merz und Alice Weidel. Während die AfD-Chefin die Debatte im Siegestaumel nach der Landtagswahl eröffnete, ging der CDU-Kanzler auf Gegenangriff und bezeichnete den Begriff "Remigration" als Synonym für eine "ethnische Säuberung aufgrund von Herkunft und Hautfarbe".
Die Gäste bei "Markus Lanz"
Felix Banaszak: Grünen-Co-Chef
Frauke Brosius-Gersdorf: Juristin
Martin Machowecz: Journalist und stellvertretender Chefredakteur der "Zeit"
Andreas Rödder: Historiker und CDU-naher Mainzer Professor
Der Schlagabtausch
Bei "Markus Lanz" stand am Donnerstagabend zunächst der auffällig raue und unversöhnliche Ton im Bundestag im Fokus. Der ZDF-Moderator wollte dazu wissen: "Hat sich da atmosphärisch etwas verändert?" Grünen-Co-Chef Felix Banaszak reagierte nüchtern und stellte klar, dass sich die Veränderung "über die letzten Jahre Schritt für Schritt ergeben" habe.
"Die AfD ist seit 2017 im Bundestag. Das hat den ganzen Debattenton verändert. Seit 2025 ist sie sehr stark vertreten, das hat es nochmal verändert. Und ja klar, die konnten in dieser Woche vor Kraft kaum laufen und haben nochmal eine Spur angezogen", erläuterte Banaszak. In dem Zusammenhang wies er auf "eine neue Qualität und eine neue Intensität" bei den Bundestagsreden von AfD-Politikern wie Alice Weidel hin. "Das ist nicht das, was wir in diesem Land brauchen - aber es ist das, was viele jetzt gewählt haben", merkte der Grünen-Politiker an.
Markus Lanz sagte irritiert: "Ich warte jetzt die ganze Zeit darauf, dass Sie sich mal zu Friedrich Merz äußern. Das fällt Ihnen irgendwie nicht ein!" Lanz fügte hinzu, dass Friedrich Merz der AfD während seiner Bundestagsrede den Versuch der "ethnischen Säuberung" vorgeworfen hatte. Felix Banaszak antwortete knapp: "Diesen Begriff hätte ich nicht benutzt." Diese Aussage machte Lanz fassungslos: "Das ist die härteste Kritik, die Ihnen dazu einfällt?" Banaszak nickte: "Ja, ich sage das auch sehr deutlich."
Der Grünen-Co-Chef sagte in Bezug auf das politische Vorhaben der AfD weiter: "Was da an Gedankengut existiert, das hat ganz, ganz starke Verschränkungen ins offen rechtsextreme Milieu. (...) Ich bin froh, dass das erste Mal der Bundeskanzler in den letzten Monaten den Menschen in diesem Land den Rücken gestärkt hat, die gerade Angst haben müssen wegen ihrer Herkunft, wegen ihrer Nationalität." Lanz wollte dies nicht unkommentiert lassen und sagte wütend: "Sie machen den Leuten gerade Angst!"
Banaszak hielt dagegen: "Ich mache den Leuten nicht Angst." Als Lanz erneut "Doch, Sie machen gerade richtig Angst" sagte, entgegnete der Grünen-Politiker: "Herr Lanz, ich bin seit Monaten in Sachsen-Anhalt unterwegs gewesen. Ich habe mit diesen Leuten gesprochen. (...) Die Angst mache nicht ich ihnen, die Angst macht ihnen diese Partei und ich bin dankbar, dass der Bundeskanzler gestern diesen Menschen einmal den Rücken gestärkt hat." Banaszak ergänzte dazu: "Meine Aufgabe ist, den Menschen Hoffnung zu machen."
Lanz konnte seine Skepsis jedoch nicht verbergen: "Den Teil der Hoffnung habe ich gerade nicht mitgekriegt." Auch Juristin Frauke Brosius-Gersdorf sah die Haltung des Grünen-Politikers kritisch. Sie erklärte: "So ein Begriff wie 'ethnische Säuberung' (...), für mich ist das eine Verharmlosung des Nationalsozialismus!"
Der besondere Moment
Nach der herben Wahlschlappe in Sachsen-Anhalt gab Felix Banaszak zu: "Natürlich müssen sich alle demokratischen Parteien - inklusive der Grünen - die Frage stellen, wie eine so tiefe Entfremdung zwischen immer größeren Teilen der Gesellschaft und dem politischen System entstanden ist." Lanz konterte genervt: "Diese Frage sollten Sie sich nicht mehr stellen! (...) Wie geht denn die Antwort darauf?"
Banaszak antwortete vage: "Wir haben (...) in den letzten Jahren sehr viel Zeit darauf verwandt, abstrakt die Demokratie zu verteidigen (...) und gar nicht rechtzeitig wahrgenommen, dass das Vertrauen in die Demokratie in doppelter Hinsicht gebrochen ist." Historiker Andreas Rödder sah dies etwas anders. Er gab zu bedenken: "Wir haben doch seit Jahren diese Polarisierungs- und Eskalationsspirale erlebt. Je radikaler die AfD, desto mehr ist sie ausgegrenzt worden. Je mehr sie ausgegrenzt worden ist, desto radikaler ist sie geworden."
Lanz hakte daraufhin ein: "War die Brandmauer ein Fehler?" Felix Banaszak sah dies nicht so und mahnte: "Es braucht eine Brandmauer in dem Sinne, dass die Menschen, die ich als Verfassungsfeinde wahrnehme, nicht den Zugriff auf die Regierung haben." Dennoch brauche es "keine Mauer gegenüber den Menschen", die die AfD wählen. "Das funktioniert nicht", hielt Lanz dagegen. Der Grünen-Politiker blieb jedoch bei seiner Meinung und sagte streng: "Doch, das muss funktionieren."
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Als der ZDF-Moderator nicht locker ließ, platzte Banaszak schließlich der Kragen: "Herr Lanz, ich weiß nicht, worauf Sie gerade hinauswollen, weil ich gerade mehrfach angedeutet habe, dass ich mit den Menschen, die diese Partei gewählt haben, (...) das Gespräch suche und versuche, die Probleme anzugehen." Banaszak weiter: "Der Landesverband, an dessen Spitze Ulrich Siegmund steht, ist gesichert rechtsextrem. Ich darf das aber nicht sagen, weil ich befürchten muss, dass Menschen sich dann beleidigt fühlen könnten, die - aus meinetwegen anderer Motivation - diese Partei wählen."
Frauke Brosius-Gersdorf lenkte die Debatte schließlich wieder auf den Kernfokus und erklärte, dass die Brandmauer "einen kolossalen Schaden angerichtet" habe, denn: "Sie hat die AfD stark gemacht." Banaszak schüttelte entschieden mit dem Kopf: "Ich teile die These nicht, dass die Radikalisierung eine Folge der Brandmauer ist." Andreas Rödder hielt trotzdem dagegen und kritisierte, man habe es "versäumt, der AfD zumindest den Anreiz zu geben, sich zu mäßigen". © 1&1 Mail & Media/teleschau