Marokko mutlos - Frankreich stürmt locker ins WM-Halbfinale
Kylian Mbappé machte es dabei Argentiniens Lionel Messi nach - er verschoss am Donnerstag (Ortszeit) im Viertelfinale in Boston erst einen Elfmeter und legte dann sein achtes Turnier-Tor nach (60. Minute). Auch schon bei fünf Treffern ist Ousmane Dembélé angekommen, der den 2:0-Endstand besorgte (66.). Deschamps und Mbappé feiern den Sieg Didier Deschamps sagte nach seinem drittletzten Spiel als Frankreich-Coach: "Wir sind jetzt da, wo wir sein wollten, und das zum dritten Mal in Folge bei einer Weltmeisterschaft. Es war nicht einfach mit den vergebenen Chancen und einem verschossenen Elfmeter. Aber wenn du Kylian Mbappé in deiner Mannschaft hast, musst du dir eigentlich keine großen Sorgen machen." Mbappé, der leicht angeschlagen in der 77. Minute ausgewechselt wurde, feierte den Triumph: "Wir haben eine Aufgabe, und die heißt Spiele zu gewinnen. Jetzt stehen wir im Halbfinale, das wird nochmal schwieriger, aber ich kann versprechen, dass wir bereit sein werden." Er selbst auch: Seine Blessur an der Ferse sei nicht weiter schlimm, man müsse sich keine Sorgen machen, sagte er. Schon in der 4. Minute wäre Mbappé beinahe an der frühen Führung beteiligt gewesen, seinen Flachschuss lenkte Marokkos Keeper Bono zur Ecke ab. Die landete am Fünfmeterraum beim völlig freistehenden Dayot Upamecano, doch der Bayern-Verteidiger brachte aus kürzester Distanz nur einen unplatzierten und drucklosen Abschluss zustande. Sinnlos langer VAR-Check - Elfmeter als Rückpass Marokko nahm offensiv zunächst überhaupt nicht am Spiel teil, nach 25 Minuten lag das Torschussverhältnis bei 7:0 für die Franzosen. Der letzte dieser sieben Torschüsse erfolgte vom Elfmeterpunkt, nachdem Achraf Hakimi bei einem Vorstoß über rechts den Ball an Désiré Doué verloren hatte. Doué leitete blitzartig den Konter ein, bediente in der Spitze Mbappé, der vom Ex-Bayern Noussair Mazraoui plump und ohne jede Chance auf den Ball umgegrätscht wurde. Sowohl Doués Balleroberung als auch Mazraouis Foul gehörten in die Kategorie glasklar. Schiedsrichter Facundo Tello deutete auch direkt voller Überzeugung auf den Punkt. Trotzdem nahm sich die Videoabteilung, angeführt von Tatiana Guzman aus Nicaragua (die auch schon die Aberkennung des regulären Treffers von Jonathan Tah gegen Paraguay einleitete), gefühlt ewig lang Zeit für ihren Check. Als Mbappé dann nach 3:13 Minuten (!) endlich antreten durfte, bekam er nur einen Rückpass-verdächtigen Roller zustande, den Bono sogar festhielt - Höchststrafe für jeden Elfmeterschützen. Digne aus dem Nichts an die Latte Das Spiel veränderte sich durch diesen französischen Fauxpas nicht. Marokko verweigerte ohne den verletzt fehlenden Torjäger Ismail Saibari auch anschließend jegliche Beteiligung am Angriffsspiel. Frankreich zeigte zwar auch keine spielerische Glanzleistung, baute aber nach und nach das Verhältnis der Abschlüsse auf 13:0 aus. So richtig gefährlich wurde es aber nur noch einmal, als sich Linksverteidiger Lucas Digne offenbar lange genug die brotlose Kunst seiner Vorderleute angesehen hatte. Bei einem Vorstoß wurde er nicht angegriffen, zog dann in Ermangelung von Anspielstationen aus 25 Metern per Vollspann einfach mal ab - der Ball knallte an die Latte. In der fünften Minute der Nachspielzeit des ersten Durchgangs führte ein Handspiel von Adrien Rabiot kurz vor dem eigenen Strafraum zum ersten Torschuss der Marokkaner: Hakimi trat aus 18 Metern aus halbrechter Position an, wollte rechts an der Mauer vorbeischlenzen, verzog aber komplett. Marokko kontert ohne Überzeugung - die Strafe folgt Vor Beginn der zweiten Hälfte sah man die Marokkaner im Kabinengang lange diskutieren, die Steh-Konferenz im Tunnel des Boston-Stadions führte sogar zu einem verspäteten Wiederanpfiff. Zu mehr Mut im Umschaltspiel führte sie aber nicht, ein Drei-gegen-Zwei-Konter in der 48. Minute war bezeichnend: Statt den durchaus möglichen Abschluss zu suchen, verschleppten Azzedine Ounahi und Brahim Diaz so sehr das Tempo, dass sich die Deckung der Franzosen bequem wieder formieren konnte. Die Quittung kam nach einer knappen Stunde - in Messi-Manier. Auch der Magier der Argentinier hatte zuletzt gegen Ägypten einen Elfmeter kläglich vergeben, hatte danach aber mit einem entscheidenden Tor zurückgeschlagen. So machte es auch Mbappé, dem Marokkos Innenverteidiger Issa Diop viel zu viel Platz ließ - gegen den genialen Schlenzer ins rechte Eck war Bono chancenlos. Dembélé sorgt für die Entscheidung Der Rest war Formsache, weil Marokko nicht aus der Passivitäts-Spirale herauskam und die Franzosen sofort nachlegten. Dembélé zog mit dem Ball druckvoll Richtung Strafraum und schloss aus 18 Metern flach ab - Bono kam noch an die Kugel, konnte den Einschlag aber nicht mehr verhindern. In der zweiten Trinkpause wurde Marokkos Coach Mohamed Ouahbi richtig sauer, deutete bei seiner Ansprache wild und gestenreich immer wieder Richtung Tor der Franzosen. Den fand sein Team aber einfach nicht mehr. Die gefährlichste Szene war ein Beinahe-Eigentor von Upamecano. Keeper Mike Maignan musste bis zur 83. Minute warten, ehe er mal einen Distanzschuss von Ounahi entschärfen durfte - viel mehr musste er in dieser Partie nicht leisten. Jetzt gegen Belgien oder Spanien Frankreich trifft nun im Halbfinale auf den Sieger des Duells zwischen Spanien und Belgien. Das Match steigt am Freitag (21 Uhr MESZ, Audio-Livestream und Live-Ticker bei sportschau.de) in Inglewood bei Los Angeles und wird vom englischen Schiedsrichter Michael Oliver geleitet. Mohamed Ouahbi: "Wir haben alles gegeben"