DAX -1,18 % 26.128,36 Pkt 18:00:00 MDAX -1,92 % 31.839,83 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 -0,95 % 6.468,17 Pkt 18:00:00 Dow Jones -0,72 % 53.343,40 Pkt 22:40:06 S&P 500 -1,21 % 7.691,76 Pkt 22:38:24 Nasdaq -1,64 % 26.289,71 Pkt 23:15:59 Nikkei -2,57 % 65.724,25 Pkt 04:30:01 Gold -0,20 % 4.408,80 USD 04:39:57 Silber -4,56 % 63,11 USD 04:39:48 Brent +0,92 % 91,71 USD 04:39:52 WTI +0,36 % 84,80 USD 04:39:52 Bitcoin -0,56 % 64.319,04 USD 04:49:53 EUR/USD +0,05 % 1,15890 USD 04:49:57 EUR/GBP +0,08 % 0,85550 GBP 04:50:01 EUR/CHF +0,11 % 0,93990 CHF 04:50:01 EUR/JPY +0,03 % 184,578 JPY 04:50:01

Marokkos Jugend sieht zu Hause keine Perspektive

Welt

Der 25-jährige Hamza steht am Strand von Fnideq. Die zerrissene Kleidung ist noch feucht vom Versuch, in die Nachbarstadt Ceuta hinüberzuschwimmen. Der Versuch scheiterte, aber er will erneut versuchen, in die europäische Exklave Ceuta zu gelangen: "Es ist der Traum meiner Mutter, den ich leben will: nach Europa gehen, dort arbeiten und dem Elend hier entkommen. Dann komme ich zurück und helfe meiner Mutter." Dabei hat der junge Mann Arbeit - in einer Textilfabrik in Tanger, sagt er. Aber der Lohn reiche nicht, schon gar nicht, um eine Familie zu gründen. Umfragen zufolge hegt mehr als die Hälfte der jungen Marokkanerinnen und Marokkaner den Wunsch auszuwandern. Das über Social Media verbreitete Gerücht, Spanien habe in Ceuta seine Grenze geöffnet, fiel dann Ende Juli auf fruchtbaren Boden - etwa bei der 29-jährigen Nadia. Ihr gelang der Grenzübertritt. Spanien - "ein Land, das den Menschen hilft" Der Nachrichtenagentur AFP schilderte sie ihre Erwartungen: "Wir sind hier, weil wir wissen, dass Spanien jungen Menschen eine Chance bietet. Wir hoffen, unseren Status legalisieren zu können. Das ist ein Land, das den Menschen hilft. Dort können wir uns eine Zukunft vorstellen." Mustapha dagegen hat die Hoffnung aufgegeben. Dabei hat er sogar Verwandte in Ceuta, bei denen nun seine 16-jährige Tochter Oumaima lebt, die ebenfalls hinüberschwamm. Doch der Vater ist angesichts des Massenandrangs nach nur einer Nacht aus Ceuta zurückgekehrt, zurück zum Dienst in einem Café in Fnideq, wo er umgerechnet rund 350 Euro im Monat verdiene: Frust trotz Boom Niedrige Löhne, Korruption, mangelnde Gesundheitsversorgung, keine Aussicht auf bessere Lebensumstände, politische Verfolgung: Es werden viele Gründe genannt, warum Menschen aus Marokko zumindest zeitweilig auswandern wollen - und das, obwohl das Königreich seit einiger Zeit einen echten Wirtschaftsaufschwung erlebt mit guten Wachstumsraten, einer Tendenz zur Industrialisierung und Milliardeninvestitionen in die Infrastruktur. Der Aufschwung kommt aber nicht bei jedem an. Die Soziologin Soumaya Naamane Guessous glaubt allerdings nicht, dass allein wirtschaftliche Beweggründe für den Drang zur Migration verantwortlich sind: Neben klassischen Gründen für die Migration gebe es einen weit verbreiteten Drang, so zu leben und zu reisen wie andere Menschen auf der Erde auch. Wachsende Kluft zwischen Staat und junger Generation Zudem wachse die Kluft zwischen Staat und junger Generation, glaubt die Influencerin Soumaya Fikri aus Casablanca. Sie hat 150.000 Follower, und nach ihrer Meinung will längst nicht jeder, der unzufrieden ist, gleich auswandern. Aber sie persönlich rechne damit, dass viele der jungen Menschen in Marokko den bevorstehenden Parlamentswahlen im September fernbleiben werden: Hunderte Aktivisten der GenZ-Proteste weiter in Haft Wenn aber zu viele Menschen den Wahlen fernbleiben, droht Marokkos stark gesteuerter Demokratie eine Glaubwürdigkeitskrise. Gründe dafür? Zum Beispiel willkürlich erscheinende Verhaftungen wie zuletzt die des kritischen Rappers Mehdi Black Wind - so etwas verunsichert vor allem die jungen Menschen. Noch immer sitzen Hunderte Aktive der GenZ-Proteste des vergangenen Jahres in Haft. Die Meinungs- und Pressefreiheit sind eingeschränkt. Stattdessen wachse das Misstrauen gegenüber offiziellen Verlautbarungen, sagt die Influencerin Soumaya Fikri. Es sei kein Wunder, dass Ende Juli so viele Menschen auf das Märchen von den offenen Grenzen in Ceuta hereingefallen seien - die Leute glaubten nur noch dem, was in der eigenen Blase die Runde mache: "Wenn du etwas anklickst, füttert dich der Algorithmus mit immer denselben Nachrichten und eröffnet dir keine neue Perspektive." In Ceuta hatte die Fehlinformation tödliche Folgen. Mehr als 80 Menschen kamen bei dem Versuch ums Leben, die angeblich offene Grenze zur spanischen Exklave zu überwinden. Die meisten von ihnen ertranken.

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