Mars-Mission simuliert Leben in Kuppel auf Karlsruher Marktplatz
Seit dem 15. Oktober steht auf dem Karlsruher Marktplatz eine weiße Kuppel. Sie ist das Herzstück von MARS!platz, einer Dauerperformance des Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) Karlsruhe. Bis zum 27. Oktober leben dort drei Crewmitglieder unter simulierten Marsbedingungen.
Kunst und Wissenschaft treffen 13 Tage in Karlsruhe aufeinander
Die Crew setzt sich zusammen aus der Astronautin Morgan Stricot, in der Position der Gesundheitsoffizierin und den zwei Astronauten Kommandant Dan Wilcox und Wissenschaftsoffizier Dominik Kautz. Es handelt sich dabei um fiktive Rollen. Für 13 Tage verwandelt der Karlsruher Marktplatz zum Schauplatz eines Experiments, bei dem Kunst, Wissenschaft und gesellschaftliche Fragen aufeinander treffen.
Ein kleines Stück Mars mitten in Karlsruhe
Die drei Mitglieder der Crew müssen sich selbst versorgen. Sie bereiten ihre Mahlzeiten zu, kümmern sich um die Wasseraufbereitung und organisieren ihren Alltag auf engem Raum.
Die weiße Kuppel ist eine Leihgabe des Staatstheaters Karlsruhe: Mit einem Durchmesser von knapp zehn Metern bietet sie rund 75 Quadratmeter Lebensraum. Darin befinden sich unter anderem Hydroponikregale, in denen Pflanzen ohne Erde wachsen, ein Fahrradgenerator zum Strom erzeugen und ein Roboterhund. Außerdem stehen der Crew 180 Liter Wasser, Lebensmittel für 35 Tage und 80 Tampons zur Verfügung.
80 Tampons für eine Astronautin?
Die 80 Tampons sind in diesem Zusammenhang eine kuriose Zahl, die an eine berühmte Geschichte aus der Raumfahrtgeschichte erinnert: Als Sally Ride 1983 als erste Amerikanerin ins All flog, fragten NASA-Ingenieure sie, ob 100 Tampons für ihre sechstägige Mission ausreichten.
„Die entwickelten Ideen sollen unter möglichst realitätsnahen, analogen Bedingungen erprobt werden“
MARS!platz ist der dritte Teil eines Projekts, das bereits im Januar 2026 begonnen hat. In den vergangenen Monaten arbeiteten das ZKM | Hertzlab, Künstler, Experten und Bürgerwissenschaftler gemeinsam mit der offenen Künstlergruppe Red Dust Society an Ideen für mögliche zukünftige Lebenswelten.
Von Juni bis September 2026 wurden die daraus entstandenen Konzepte in einer Ausstellung im ZKM präsentiert. Nun folgt der Praxistest: Die entwickelten Ideen sollen unter möglichst realitätsnahen, analogen Bedingungen erprobt werden. Hinter dem Projekt steckt eine grundlegende Frage: Was wäre, wenn nicht nur Raumfahrtorganisationen, Regierungen oder Unternehmen darüber entscheiden würden, wie unsere Zukunft aussieht, sondern auch ganz normale Bürger?
Der Tagesablauf
Der Tagesablauf der Crew ist klar strukturiert:
08.30 Uhr: Frühstück, Besprechung der jeweiligen Tagesmission
09.30–11 Uhr: Forschungsblock I
11–13 Uhr: Bewegung & Mittagessen
13–15 Uhr: Forschungsblock II
15–16 Uhr: Diskussionsstunde
16–17.30 Uhr: Forschungsblock III – Außenmission (EVA)
18 Uhr: Abendessen
19–20 Uhr: Kommunikationsstunde
Die Kuppel selbst bleibt für Besucher geschlossen. Bei den täglichen EVAs (Extra Vehicular Activities) verlassen die Astronautinnen und Astronauten das Habitat für Außenmissionen rund um den Karlsruher Marktplatz, um ihre Forschungsaufgaben außerhalb der Kuppel fortzuführen. In den Diskussions- und Kommunikationsrunden können Besucher das Zusammenleben der Crew mitverfolgen, Fragen stellen und direkt oder online in Kontakt treten.
Deine Nachricht landet im All!
Die Nachrichten, die der Crew über das Nachrichtenboard zugesendet werden, werden außerdem über SpaceSpeak per Funk ins All gesendet. Damit reicht das Projekt über die Grenzen des Karlsruher Marktplatzes hinaus.
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