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„Marsupilami“ im Kino: So einen Film hätten sich die Deutschen nie getraut

Unterhaltung

Audioplayer wird geladen Anzeige Damit sich hinterher keiner beschwert, dass er nicht gewusst hätte, worauf er sich eingelassen hat, erwähnen wir einen kleinen Scherz. Einen von jener Sorte, von der man in „Marsupilami“, dem erfolgreichsten französischen Film des vergangenen Jahres (6,4 Millionen Zuschauer), ungefähr so gepiesackt wird wie ein Schwimmer im Amazonas von ausgehungerten Piranhas. Warum sie denn bloß ihren Ex und Vater ihres süßen kleinen Léo nie geheiratet habe, wird Tess gefragt. Und noch bevor sie es ausspricht, weiß man endlich, warum jener David, der Mann, den sie inzwischen herzlich hasst, den seltenen Nachnamen Ticoule trägt: Tess Ticoule – Testikel – wer will schon Hoden heißen? – hahaha. Was lernt man daraus für den Fortgang dieser Geschichte? Jedes mit mehr oder weniger lustigen Einfällen munitionierte Gewehr, das Philippe Lacheau und seine in Frankreich geradezu monty-pythonesk legendäre Anarchoscherztruppe Bande à Fifi (Fifi ist Lacheaus Spitzname) an eine der vielen Wendungen dieses Familienfilms hängt, wird gnadenlos aufs Publikum abgeschossen. Meistens aus der Hüfte in den Unterleib. In der Regel hört man den Schuss schon lange, bevor Lacheau und seine Rasselbande überhaupt den Finger am Abzug hatten. Anzeige Stehen sie vor der Wahl, ihr Plotbrötchen aufzuschneiden und sanft mit humoristischer Foie gras zu bestreichen, oder in Gänze mit Macht ins nächstgelegene Fettnäpfchen zu rammen, machen sie selbstredend Letzteres. Und natürlich: Niemand in Deutschland würde sich einen Film wie „Marsupilami“ trauen – und das hat nicht nur damit zu tun, dass es ein derartig kultig verehrtes Comicwesen nicht gibt, wie das von André Franquin 1952 erfundene eierlegende, katzengleiche, lemurengroße, langbeschwanzte gefleckte Wundertier aus dem Urwald des fiktiven südamerikanischen failed state Palumbien. Womit wir endlich bei jener dünnen Leine von Geschichte sind, an die Lacheau seine Tonnen von Witzware hängt. David (Philippe Lacheau) arbeitet in einem Tierpark, den ein finsterer Mafioso namens Malone (Jean Reno) finanziert, der angeblich einen seiner kriminellen Konkurrenten seinen umhegten Hyänen zum Fraß vorgeworfen hat. Zwischen Tess und David fliegen die Fetzen mit einer Wucht, gegen die bisher bekannte Rosenkriege im Kino Hallenhalma sind (sie legt Toilettenpapier mit seinem Konterfei ans Bidet, er frisiert die hauseigene Konifere zu einem Stinkefinger um – Unterleibshumor halt). Und zwischen ihren Volldampfhasstiraden steht der arme Léo, der nachtfinstere Bilder malt, sich nichts mehr wünscht, als jene Familie, die es ein Jahr zuvor angeblich noch gab, und dem man dringend ein Therapietier wünscht. Anzeige Jurassic Park in Palumbien Nachdem David durch eine alkoholbedingt verunglückte Urinabgabe dafür gesorgt hat, dass in seiner idyllischen Kleinstadt die Bären und Elefanten los sind und Gorillas mit Betäubungspfeilen von den Bäumen auf dem Kinderspielplatz geholt werden müssen, macht ihm Malone ein Angebot, das er nicht ablehnen kann. Er soll eine Kreuzfahrt nach Palumbien machen mit Tess und Léo und ein Paket abholen, in das er aber niemals hineinschauen darf. Lesen Sie auch Artikeltyp :AdvertorialWissen für Sparer Im Dschungel von Palumbien, der aussieht wie der Drehort für das nächste Jurassic-Park-Franchise, haben sich im Auftrag von Malone mächtig muskulierte Männer eines kalebassenförmigen Eises bemächtigt. Das wird David auf dem mit Slapstickwitzminen bestickten Weg zum palumbischen Kreuzfahrtschiffhafen sorgfältig in ein Paket verpackt auf einer mit Unterleibsscherzen vollgestellten Autobahntoilette überreicht. Nach einer geschlagenen halben Stunde Exposition ist an Bord des Traumschiffs endlich das vollständige Bande-à-Fifi-Team um den Karton versammelt. Ricky Salsa (Tarek Boudali), ein abgehalfterter Latin-Sänger mit schlimmen Locken, ist dabei, der nicht damit zurechtkommt, dass ihn keiner mehr kennt, im Gegensatz zu seinem Ex-Band-Kollegen Juanito. Stéphane (Julien Arruti), Davids völlig verblödeter Tierparkkollege, der es auf sich nimmt, Lacheaus allerdämlichste und naheliegendste Witzabfälle aufzulesen und umzusetzen. Pablito, ein palumbischer Naturschützer (Jamel Debbouze), der immer mal wieder pseudospanisch vor sich hinbrabbeln muss („Oh Kacko! Mi Pistoletto“). Lesen Sie auch Und das Marsupilami ist geschlüpft. Das muss erst derart viel einstecken (Flug aus dem Bullauge, Eingewickeltwerden in eine elektrische Schuhbürste, Verabreichung von potenzsteigernden Mitteln), dass man schon den Tierschutz rufen möchte. Dann wird Bibi, so heißt das angeblich seltenste Wesen der Welt und so hieß tatsächlich eins der ersten drei Marsupilami-Kinder bei Franquin, zum Therapietier für den ganzen Film. Sein (bis zu acht Meter langer) Schwanz, mit dem Bibi zuschlagen kann, der als Seil zum Hüpfen dient und überhaupt sehr praktisch ist, hält alles zusammen. Unterwegs in ein (wenig überraschend) völlig unglaubwürdiges, aber vorhersehbares Finale werden Filmklassiker verballhornt – „E.T.“ und „Speed“ und „Titanic“ und „Casablanca“ –, eine besondere Form von „Last One Laughing“ wird gespielt, der Strand von Étretat mit dem berühmten Felsen im Hintergrund in Mitleidenschaft gezogen. Menschen fliegen durch die Gegend und blaue Bohnen. Gegenwartsphänomene (TikTok-Videos zum Beispiel) werden in den Wahnsinn gedreht. Jedes Familienmitglied darf sich unter seinem Niveau amüsieren und tut das merkwürdigerweise tatsächlich. Die Bande à Fifi hat eine Methode perfektioniert – voll auf die Zwölf. Es tut einem alles weh hinterher – Hirn, Herz, Zwerchfell, Unterleib. Den Weg zurück in den palumbischen Dschungel und in eine Huba-Huba-Hop-Serienproduktion hat Bande à Fifi zwar eigentlich beinahe unmöglich gemacht. Aber was ist für diese Combo schon unmöglich? „Marsupilami“ läuft ab 20. August 2026 in den deutschen Kinos.

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