Maschine: Israelischer Sicherheitsminister stuft Vorfall als Terrorakt ein
Ein „Terrorist“ hat nach Angaben des israelischen Sicherheitsministers Itamar Ben Gvir ein Flugzeug der Fluggesellschaft Flydubai zum Absturz bringen wollen, das am Mittwoch in Saudi-Arabien notlanden musste. Ziel sei es gewesen, „die 180 Israelis an Bord zu ermorden“, sagte Ben Gvir.
Aus Sicht von Ben-Gvir zeige der mutmaßliche Anschlag, „dass Israel seine Militäroperationen in der gesamten Region verstärken müsse“, wie ihn die „Times of Israel zitiert. Der Minister ist Vorsitzender der rechtsextremen, religiös-fundamentalistischen und anti-arabischen Partei Otzma Jehudit.
Israels Sicherheitsdoktrin müsse „auf die nächste Stufe“ gehoben werden, forderte er: „Wir dürfen nicht aufhören und müssen so lange weitermachen, bis wir den totalen Sieg im Iran, im Libanon, im Gazastreifen sowie in Judäa und Samaria errungen haben“, wobei er sich auf die biblische Bezeichnung für das Westjordanland bezieht.
Der rechtsextreme, fundamental-religiöse israelische Finanzminister Bezalel Smotrich forderte in einem X-Post: „Wer auch immer versucht hat, ein Flugzeug zum Absturz zu bringen und 180 Israelis zu ermorden, muss dafür bezahlen, als ob er sie ermordet hätte.“ Dies gelte für den Angreifer ebenso wie für „jeden Staat oder jede Terrororganisation, die ihn geschickt haben“.
„Schwere Katastrophe verhindert“
Die Flydubai-Maschine befand sich auf dem Weg von Dubai nach Tel Aviv, als sie am Morgen nach Angaben der Airline wegen eines „Zwischenfalls“ ins saudiarabische Tabuk umgeleitet wurde.
Nach der Notlandung in Saudi-Arabien gab es in zahlreichen internationalen Medien Berichte, denen zufolge einer der Piloten versucht hat, das Flugzeug zum Absturz zu bringen.
Ein namentlich nicht genannter ranghoher israelischer Regierungsvertreter hatte dem TV-Sender N12 am Vormittag gesagt, es sei eine schwere Katastrophe verhindert worden. Das israelische Nachrichtenportal „ynet“ berichtete, die Maschine sei steil in die Tiefe geflogen. Einer der Piloten habe den anderen mithilfe von Passagieren daran gehindert, das Flugzeug zum Absturz zu bringen.
Ein Bild von Bord der gelandeten Maschine soll einen Passagier mit einem blutbefleckten Hemd zeigen. Einer der Piloten habe eine Stichverletzung erlitten. Zunächst war nur von einer Prügelei zwischen den Piloten die Rede gewesen.
Passagiere berichten von Panik und Schreien
Eine Israelin erzählte dem TV-Sender N12, unter den Passagieren habe große Angst geherrscht, es habe „Schreie und Panik“ gegeben. „Einige Männer, darunter auch Israelis, standen auf und überwältigten den Angreifer“, sagte sie. Es gehe den Passagieren der Maschine inzwischen gut. „Die Situation hätte aber auch anders enden können“, sagte sie.
Eine weitere Israelin erzählte dem Sender, sie habe Schreie im Flugzeug gehört und anschließend viel Blut im Cockpit gesehen. „Es gab Momente, in denen wir dachten, dass wir das nicht lebend überstehen würden.“
Woher stammten die Piloten?
Die Herkunft der beiden Piloten schien lange ungeklärt. In ersten Meldungen hieß es, sie seien russischer und ukrainischer Herkunft. Israelische Medien melden hingegen, der Co-Pilot stamme aus dem Sultanat Oman und der Pilot aus den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Der US-Sender CNN zitierte am frühen Mittwochnachmittag zwei israelische Beamte mit der Aussage, einer der Piloten des Flydubai-Flugs FZ1073 stamme aus dem Oman.
Einer der Beamten erklärte, der omanische Staatsangehörige sei der Co-Pilot gewesen, der angeblich der Angreifer bei dem gewalttätigen Vorfall an Bord des Flugzeugs war.
Oman und Israel unterhalten keine offiziellen diplomatischen Beziehungen. „Es ist bislang unklar, wie der omanische Pilot die Genehmigung für den Flug nach Israel erhalten haben könnte“, meldet CNN.
Dramatischer Sinkflug
Das Flugzeug befand sich nach Informationen des US-Senders CNN während der Auseinandersetzung vorübergehend im Sinkflug. Die Maschine sank demnach während des nächtlichen Fluges innerhalb von etwas mehr als zwei Minuten um rund 5000 Meter – von gut 10.000 auf etwa 5000 Meter. Das geht laut CNN aus Flugverfolgungsdaten hervor. Auch die Geschwindigkeit des Flugzeugs nahm drastisch ab.
Schließlich landete die Maschine in Saudi-Arabien. Eine zunächst befürchtete Entführung des Flydubai-Flugs FZ 1073 habe sich nicht bestätigt, berichteten israelische Medien.
Nach Angaben des israelischen Journalisten Amit Segal vom Sender N12 stufte Israel den Vorfall bereits am Mittwochvormittag als versuchten Terroranschlag ein. Das schrieb Segal in einer Nachricht auf dem Netzwerk X. Einer ersten Lagebeurteilung und Aussagen von Passagieren zufolge habe der Co-Pilot offenbar „wiederholt auf den Kapitän eingestochen“. Als der Angriff begann, gelang es den Angaben zufolge mehreren Besatzungsmitgliedern und Passagieren, die Cockpit-Tür zu durchbrechen und den Angreifer zu überwältigen.
Laut einem hochrangigen Beamten werde der Co-Pilot derzeit verhört, schrieb Segal weiter: „Es mehren sich die Hinweise darauf, dass er beabsichtigte, die Kontrolle über das Flugzeug zu übernehmen und es mit den Passagieren an Bord zum Absturz zu bringen.“
Auch eine psychische Störung als Ursache wird geprüft
Die „Times of Israel“ meldete am Vormittag mit Bezug auf „unbestätigte Berichte in hebräischen Medien“, dass neben möglichen politischen Motiven des Täters auch andere mögliche Ursachen geprüft würden, darunter eine psychische Störung.
Israelische Kampfjets waren im Einsatz
Zuvor war berichtet worden, die Maschine habe zunächst ein Notsignal mit dem Code 7700 abgesetzt, der auf eine Notlage hinweist. Anschließend sei ein Signal mit dem Code 7500 gesendet worden, der zur Meldung einer Flugzeugentführung verwendet wird.
Als Reaktion auf das Notsignal aus dem Flugzeug waren vorübergehend israelische Kampfjets unterwegs zu der Maschine gewesen. Das berichtete die „Times of Israel“ unter Berufung auf Sicherheitskreise.
Das israelische Militär teilte zu dem Vorfall mit, Generalstabschef Ejal Zamir berate sich gegenwärtig mit ranghohen Kommandeuren, darunter der Chef der Luftwaffe.
Das Büro des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu teilte mit, der Regierungschef habe zu dem Vorfall Beratungen abgehalten und verfolge die Entwicklungen. Die Lage sei unter Kontrolle und man unternehme alles, um die sichere Rückkehr der israelischen Passagiere in ihre Heimat zu gewährleisten.
Die Passagiere an Bord wurden laut N12 angewiesen, sitzenzubleiben und das Flugzeug nicht zu verlassen. Lediglich die beiden Piloten seien von Bord gebracht worden. Laut einer Erklärung des Flughafens Tabuk, die die „Jerusalem Post“ wiedergibt, wurden sowohl der Kapitän als auch der Co-Pilot verletzt und nach der Landung medizinisch versorgt.
Der Geschäftsführer von Flydubai habe die israelischen Verkehrsbehörden informiert: Ein Ersatzflugzeug werde in Kürze von Dubai nach Saudi-Arabien geschickt und von dort nach Israel weiterfliegen. (dpa/Tsp)