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Maschmeyer fordert Ende weiterer Staatshilfen

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„Keinen einzigen Cent Steuergeld mehr“ – Maschmeyer rechnet mit Galeria ab

Von: Marcel Reich

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Galeria ist zum vierten Mal in sechs Jahren insolvent. Investor Carsten Maschmeyer fordert nach früheren Staatshilfen: keinen weiteren Cent Steuergeld.

München – Die Warenhauskette Galeria hat zum vierten Mal innerhalb von sechs Jahren Insolvenz angemeldet. Rund 12.000 Beschäftigte müssen erneut um ihre Arbeitsplätze bangen. Für Investor Carsten Maschmeyer ist angesichts der bisherigen staatlichen Unterstützung eine Grenze erreicht.

„Für mich steht fest: keinen einzigen Cent Steuergeld mehr für Galeria! Wer an dieses Konzept glaubt, soll sein eigenes Geld riskieren“, sagte Maschmeyer gegenüber t-online. Der Unternehmer verweist auf insgesamt 680 Millionen Euro, mit denen der Wirtschaftsstabilisierungsfonds Galeria während der Corona-Krise unterstützt hatte.

Galeria meldet zum vierten Mal in sechs Jahren Insolvenz an

„Zurückgekommen ist ein Bruchteil, mindestens 500 Millionen Euro sind weg“, sagt Maschmeyer. Die endgültige Höhe des Verlusts für den Staat steht allerdings nicht abschließend fest. Die Bundesregierung hatte darauf verwiesen, dass diese erst nach Abschluss der entsprechenden Insolvenzverfahren feststeht.

Galeria beantragte am Freitag beim Amtsgericht Düsseldorf erneut die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Nach Informationen des Handelsblatts handelt es sich diesmal um eine Regelinsolvenz und nicht um ein Verfahren in Eigenverwaltung.

Der Geschäftsbetrieb in den bundesweit 83 Filialen soll zunächst weiterlaufen. Ob Standorte geschlossen werden und wie viele der rund 12.000 Arbeitsplätze erhalten bleiben können, ist noch offen. Bereits seit dem Sommer überprüft Galeria allerdings 33 Filialen auf ihre Wirtschaftlichkeit. Medienberichten zufolge könnten im Zuge der erneuten Sanierung mehr als 30 Warenhäuser geschlossen werden.

Für die Belegschaft beginnt damit erneut eine Phase der Unsicherheit. Schon die vorherigen Insolvenzverfahren hatten zahlreiche Filialschließungen und den Abbau Tausender Stellen zur Folge.

Galeria soll nur noch rund zehn Millionen Euro zur Verfügung haben

Die finanzielle Lage hatte sich bereits seit Monaten zugespitzt. Im Frühjahr berichteten mehrere Vermieter über verspätete oder ausgebliebene Mietzahlungen. Im Juni sicherte sich Galeria daraufhin eine Kreditlinie von bis zu 160 Millionen Euro beim US-Finanzierer Gordon Brothers.

Ein erheblicher Teil dieses Geldes soll jedoch für die Ablösung eines bestehenden Kredits und offene Mietzahlungen verwendet worden sein. Nach Medienberichten verfügt Galeria zuletzt nur noch über rund zehn Millionen Euro Liquidität. Für die Aufrechterhaltung des laufenden Betriebs seien etwa 20 Millionen Euro notwendig gewesen.

Hinzu kam ein deutlicher Umsatzrückgang. Nach Informationen des „Handelsblatts“ lagen die Erlöse im Juni, Juli und August jeweils rund 15 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Ende September soll das Minus zeitweise sogar rund 25 Prozent betragen haben.

Die bisherigen Eigentümer – die US-Investmentgesellschaft NRDC und eine Beteiligungsgesellschaft des Unternehmers Bernd Beetz – hatten Galeria erst 2024 nach der vorherigen Insolvenz übernommen.

Staat unterstützte Galeria mit 680 Millionen Euro

Für Maschmeyer ist die erneute Insolvenz vor allem deshalb problematisch, weil der Staat Galeria bereits umfangreich unterstützt hat. Während der Corona-Krise gewährte der Wirtschaftsstabilisierungsfonds dem damaligen Galeria Karstadt Kaufhof zwei Hilfsmaßnahmen im Gesamtvolumen von 680 Millionen Euro.

2021 erhielt das Unternehmen zunächst ein Nachrangdarlehen über 460 Millionen Euro. Ein Jahr später folgten weitere 220 Millionen Euro als stille Einlage. Ein erheblicher Teil dieser Mittel musste infolge der späteren Insolvenz abgeschrieben werden.

Maschmeyer beziffert den Verlust für den Staat auf mindestens 500 Millionen Euro. Mit dieser Summe hätte man nach seiner Rechnung „250 Start-ups mit je zwei Millionen Euro an den Start bringen können“. Alternativ hätten davon ein Jahr lang rund 5000 zusätzliche Lehrerinnen und Lehrer bezahlt oder mehr als ein Dutzend Schulen gebaut werden können.

Maschmeyer: Galeria hatte „Geschäftsmodell von gestern“

Für den Investor steht hinter dem Fall ein grundsätzliches wirtschaftspolitisches Problem. „Galeria hatte schon vor Corona ein Geschäftsmodell von gestern, und daran hat kein Eigentümerwechsel etwas geändert“, sagte Maschmeyer.

Deutschland halte aus seiner Sicht wirtschaftlich überholte Strukturen zu lange künstlich am Leben. Als Beispiel verweist er auf die jahrzehntelange Subventionierung des deutschen Steinkohlebergbaus bis zur Schließung der letzten Zechen im Jahr 2018.

Maschmeyers Argument: Geld, das dauerhaft in nicht mehr tragfähige Geschäftsmodelle fließt, steht nicht für neue Unternehmen und künftiges Wachstum zur Verfügung. Wer an die Zukunft von Galeria glaube, solle deshalb privates Kapital einsetzen und nicht erneut den Staat um Hilfe bitten.

SPD fordert Wirtschaftsministerin Reiche zum Einsatz für Galeria auf

SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf rückt dagegen vor allem die Beschäftigten in den Mittelpunkt. Er fordert Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) auf, sich für eine Zukunft des Unternehmens einzusetzen.

„Ich erwarte jetzt von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche, dass sie dafür kämpft, eine Zukunft für Galeria und die 12.000 Beschäftigten zu schaffen“, sagte Klüssendorf dem „Focus“.

Viele Beschäftigte arbeiteten seit Jahrzehnten für die Warenhauskette und hätten allein in den vergangenen sechs Jahren vier Insolvenzanträge erleben müssen. Sie dürften nun nicht erneut die Folgen von Managementfehlern tragen, argumentiert Klüssendorf.

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