Massaker von Srebrenica : EU kritisiert Beerdigung von Kriegsverbrecher Ratko Mladić in Serbien
Die EU hat die Feierlichkeiten zur Beisetzung des Kriegsverbrechers Ratko Mladić in Serbien als »Verherrlichung von Kriegsverbrechern« verurteilt. Die Leugnung von Völkermord und ein allgemeiner Revisionismus widersprächen den grundlegendsten europäischen Werten und hätten keinen Platz in der EU oder bei EU-Beitrittskandidaten, sagte ein Sprecher des Europäischen Auswärtigen Dienstes. Serbien ist seit 2012 offizieller EU-Beitrittskandidat.
Weiter stehe die EU in Solidarität »mit allen Opfern, Überlebenden und ihren Familien, die unter Kriegsverbrechen in den Ländern des ehemaligen Jugoslawien gelitten haben«. Sie unterstütze alle Länder des westlichen Balkans in ihren Bemühungen zur »Förderung von Versöhnung und regionaler Stabilität«.
EU-Erweiterungskommissarin Marta Kos sagte wegen der Ehrung Mladićs einen für diese Woche geplanten Besuch in Serbien ab. Der serbische Präsident Aleksandar Vučić wies die Kritik an den Feierlichkeiten zurück.
Ermordung von 8.000 muslimischen Männern und Jungen
Mladićs Name ist untrennbar mit dem Massaker von Srebrenica während des Bosnienkrieges verbunden. 1995 stürmten bosnisch-serbische Truppen unter seinem Kommando die UN-Schutzzone und ermordeten etwa 8.000 muslimische Männer und Jungen. Es war das größte Massaker in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg.
Im niederländischen Den Haag verbüßte er deshalb eine lebenslange Haftstrafe wegen Völkermords, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Dort verstarb der ehemalige bosnisch-serbische Armeechef am 27. August in einem Krankenhaus. Mladić wird trotz seiner Verurteilung von Teilen der serbischen Bevölkerung weiterhin als Held verehrt, insbesondere in der bosnischen Teilrepublik Republika Srpska. Vor der St.-Lukas-Kirche in der serbischen Hauptstadt Belgrad bildete sich eine lange Schlange von Menschen, die dem Völkermörder die letzte Ehre erweisen wollten.
Die Beisetzung wird offiziell von Mladićs Familie organisiert. Die serbische Regierung entsandte jedoch in der vergangenen Woche ein Flugzeug, um seinen Leichnam nach Belgrad zu bringen. Soldaten trugen seinen in die Nationalflagge gehüllten Sarg. Am Samstag hatte bereits an einem offiziellen Standort der serbischen Armee eine militärische Gedenkfeier stattgefunden.