Massive Unzufriedenheit mit dem Senat: Bezahlbares Wohnen entscheidet für zwei Drittel der Berliner die Wahl mit
Eine große Mehrheit der Berliner ist mit der Wohnungsbaupolitik des schwarz-roten Senats äußerst unzufrieden: 45 Prozent geben der Landesregierung für ihre Leistung beim Wohnungsbau die Schulnote Sechs, 26 Prozent eine Fünf. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Civey-Umfrage im Auftrag der Repräsentanz Transparente Gebäudehülle (RTG), einer politischen Interessenvertretung aus der Baubranche.
Je besser die Note ausfällt, desto weniger Berliner vergeben sie: Laut Umfrage bewerten 14 Prozent den Senat beim Wohnungsbau mit einer Vier, sieben Prozent mit einer Drei, drei Prozent mit einer Zwei und nur ein Prozent mit einer Eins.
Unzufrieden nur mit der Wohnungsbaupolitik – oder auch über zu wenige Wohnungen in Berlin?
Es ist eine Unzufriedenheit, die auch die Entscheidung vieler Berliner an diesem Sonntag bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus beeinflussen könnte. Laut Umfrage sagen zugleich zwei Drittel der Berliner, bezahlbares Wohnen in Berlin sei als Thema wichtig dafür, welcher Partei sie ihre Stimme geben.
In der Umfrage sollte die Wohnungsbaupolitik des schwarz-roten Senats bewertet werden. Unklar ist aber, ob sich im extrem schlechten Zeugnis nicht auch eine generelle Unzufriedenheit mit der Situation eines seit Jahren angespannten Wohnungsmarkts in Berlin ausdrückt, sagte Thomas Drinkuth, Leiter der RTG, dem Tagesspiegel.
Wie gut eine Maßnahme wirkt, sei beim Neubau zudem oft erst nach einigen Jahren zu spüren – wenn die gebauten Wohnungen auf den Markt kommen, so Drinkuth. Die Zahl der Baugenehmigungen hatte sich nach jahrelangem Sinkflug 2025 etwas verbessert, bleibt aber weiter niedrig.
Verband: Keine Trendwende beim bezahlbaren Wohnen gelungen
Untätig sei die Landesregierung nicht gewesen, so Drinkuth. Es sei allerdings weder einer „Bundesregierung noch einer Berliner Landesregierung gelungen, eine grundlegende Trendwende beim bezahlbaren Wohnen einzuleiten, seitdem sich die Bedingungen seit 2022 massiv verschlechtert haben“, sagte Drinkuth.
Unter Bausenator Christian Gaebler (SPD) verfehlte Berlin inmitten der Bau- und Finanzierungskrise erneut jedes Jahr das selbstgesteckte Ziel von 20.000 neuen Wohnungen im Jahr. Zuletzt landete Berlin mit nur rund 11.000 neuen Wohnungen im Jahr 2025 in einem Zehnjahres-Rekordtief.
Dafür wurde in der Legislatur erstmals die Zielmarke von mehr als 5000 neu gebauten Sozialwohnungen geknackt – wohl auch, weil der Senat die Fördergelder auf zuletzt 1,5 Milliarden Euro im Jahr verdoppelte. Mit dem Schneller-Bauen-Gesetz und dem Gesetz für einfaches Bauen legte der Bausenator zwei Vorhaben für schnelleres Genehmigen und Bauen vor.
Besonders bei der Bauförderung sei aus Sicht des Interessenverbands „Luft nach oben“. Eine nächste Landesregierung solle zudem unter anderem Bauland günstig vergeben und das Bauen im Bestand fördern, forderte der Interessenverband.