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„Mathe ist einfach logisch“: 14-Jährige ist ein Rechen-Profi

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„Mathe ist einfach logisch“: 14-Jährige ist ein Rechen-Profi

Von: Peter Gottbehüt

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Emilia Kehm aus Bebra hat den Kreisentscheid des hessischen Mathewettbewerbs gewonnen. Die Achtklässlerin hilft im Unterricht lieber ihrer Freundin, weil sie selbst immer als Erste fertig ist.

Bebra – Sie ist 14 Jahre alt und eines ihrer Steckenpferde ist die Mathematik. Im Landeswettbewerb auf A-Kurs-Niveau hat Emilia Kehm, Schülerin der Klasse 8a der Brüder-Grimm-Gesamtschule Bebra, den Kreisentscheid gewonnen und auch in der dritten Runde beim Regionalentscheid in Kassel hervorragende Leistungen erzielt. Der bekennende „Mathematik-Legastheniker“ und HNA-Redakteur Peter Gottbehüt hat sie zu ihrem Talent befragt.

Emilia, darf ich Du sagen? Erstmal herzlichen Glückwunsch zu diesem Erfolg. Kannst Du mir sagen, was die Faszination von Mathe für Dich ausmacht? Ich verstehe das nämlich nicht – bei mir war das leider nie so...

Emilia Kehm: Mathe ist halt einfach nur Logik – und dadurch relativ simpel. Wenn man die Logik hat, dann ist das ziemlich einfach und man kriegt das gut hin.

Viele Jugendliche finden Mathe ja eher trocken oder kompliziert – was hat Dich persönlich für die Welt der Zahlen und Logik begeistert, das andere – wie ich – vielleicht gar nicht sehen?

Es ist halt ein simples Prinzip. Man hat immer den einen Weg, den man geht, um zum richtigen Ergebnis zu kommen. In Deutsch zum Beispiel – bei Texten – da hat man viele verschiedene Möglichkeiten und kann unterschiedliche Sachen schreiben, und in Mathe arbeitet man halt immer diese eine ab und findet schnell Fehler heraus, wenn es dann mal nicht richtig ist. Und das liegt mir einfach.

Wann hast Du gemerkt, dass Du besonders gut in Mathe bist?

Ich bin jetzt in der achten Klasse und gemerkt habe ich das vor allem, als wir in der sechsten Klasse in Mathe in die Kurse aufgeteilt worden sind – also in Hauptschule, Realschule und Gymnasium –, weil da die meisten in den Noten nochmal ein bisschen abfallen. Und ich war da in Mathe halt trotzdem schriftlich auf einer Eins.

Und das hat Dir immer Spaß gemacht? Musstest Du dafür viel lernen?

Eigentlich nie. Also ich habe für Arbeiten schon immer noch was gelernt, weil sonst hatte ich ein komisches Gefühl, aber machen musste ich nicht wirklich viel.

Was hast Du gedacht, als Du erfahren hast, dass Du im Wettbewerb so weit vorn gelandet bist – wie hat Dein Umfeld reagiert?

Dass ich nach Kassel fahre, hat mir mein Papa gesagt, und ich dachte im ersten Moment, der veräppelt mich. Ich habe das erstmal absolut nicht geglaubt. Aber dann war ich schon ein bisschen stolz, dass ich das geschafft habe. Meine Familie hat sich natürlich total gefreut. Und auch meine Mitschüler. Die hatten auch nicht erwartet, dass ich wirklich so weit komme und die waren stolz, dass das einer aus ihrer Klasse geschafft hat.

Wie hast Du Dich denn auf die anspruchsvollen Aufgaben vorbereitet?

Auf die zweite Runde konnte ich mich noch mit meiner Freundin Amelie vorbereiten – weil die da auch weitergekommen ist. Wir haben dann immer in der Schule in der Lernzeit ein bisschen die Mathe-Wettbewerbe aus den vergangenen Jahren angeschaut und dann da was gerechnet. Und für die dritte Runde habe ich mir das auch angeschaut und habe dann vor allem versucht, die Konstruktionsaufgaben zu lösen.

Was sind denn Konstruktionsaufgaben?

Dreiecke konstruieren zum Beispiel, also Geometrieaufgaben.

Ah, danke. Gibt es denn ein bestimmtes Thema oder eine Aufgabe, die Dich besonders begeistert hat?

Besonders gut zurecht kam ich tatsächlich bei einer Aufgabe – die hatte ich in der zweiten Runde schon – und die war dann auf einmal auch nochmal in der dritten Runde dabei. Das war auch eine Konstruktionsaufgabe, bei der man ein Quadrat zeichnen und darin Viertelkreise und Kreise einzeichnen musste, die sich an bestimmten Punkten berühren. Die fiel mir besonders leicht, weil ich sie ja schon kannte.

Langweilst Du Dich manchmal im Mathematikunterricht?

Ja. Ich helfe dann aber immer noch einer meiner Freundinnen, die in Mathe nicht ganz so talentiert ist. Und da habe ich dann, weil ich immer relativ schnell fertig bin, noch Zeit, bei ihr mal zu schauen. Manchmal wird es mir auch zu doof, weil sie es nicht versteht...

So wie Deiner Freundin ging es mir früher. Herzliche Grüße an sie – ich kann sie gut verstehen... Also entweder man sieht die Logik dahinter, oder man rafft es einfach nicht?

Ja, könnte man sagen. Sie hat das selbst aber auch schon eingesehen.

Was können Schulen tun, um besonders begabte Schüler besser zu fördern – und gibt es Lehrer, die Dich besonders unterstützt haben?

Unser Mathe-Lehrer Roman Bernhardt hat uns für die zweite Runde geholfen. Da haben wir ihn schon ab und an um Rat gefragt und uns Sachen erklären lassen. Generell könnte man vielleicht den Schülern, die begabter sind, noch Extraaufgaben geben, wenn sie das möchten. Sodass die, die im Unterricht schneller fertig sind, nochmal so eine Kniffel-Aufgabe kriegen – also noch etwas Schwereres ausprobieren können.

Neben all den Formeln und Gleichungen – wie sieht Deine Freizeit aus, wenn Du mal nicht rechnest?

Rechnen tue ich zuhause eigentlich so gut wie gar nicht. Ich bin sehr viel bei meinem Pony in Hübenthal. Und ich spiele auch noch Klavier – auch hier in der Schülerband. Ich habe ein E-Piano und da kann man einen Kopfhörer anschließen. Denn ich habe es nicht so gerne, wenn mir alle beim Üben zuhören können (lacht). Ach ja – und dienstags bin ich immer noch bei den Pfadfindern der Evangelischen Jugend in Bebra.

Du hast ja jetzt bewiesen, dass Du zu den besten Mathe-Talenten Hessens gehörst. Weißt Du heute schon, ob Du diese – in meinen Augen – Superkraft später auch beruflich nutzen möchtest?

Also ich würde lieber etwas mit Tieren und Pferden und an der frischen Luft machen – aber mal schauen. Aber ich werde, glaube ich, schon versuchen, das ein bisschen mit einzubringen.

Man muss seine Talente ja nutzen...

Ja.

Und jetzt noch eine Frage in eigener Sache: Was würdest Du jemandem raten, der Mathe echt scheiß-schwierig findet?

Also vielleicht sollte man es erst mal mit Nachhilfe probieren, oder möglicherweise reicht schon ein Mitschüler, der es anders und besser verständlich erklärt. Aber wenn das nicht wird, dann hat man vielleicht ein anderes Fach, wo man besser ist – Deutsch, Musik, was auch immer. Und dann sollte man besser schauen, dass Mathe einem nicht den Abschluss versaut. Man muss ja nicht immer alles können.

Pony und Klavierspielen lassen ihr Herz höher schlagen

Emilia Kehm ist in Bebra geboren und lebt mit ihrer Familie am naturnahen Stadtrand. Sie besucht die dortige Brüder-Grimm-Gesamtschule und wechselt nach den Sommerferien von der achten in die neunte Klasse. Die 14-Jährige hat einen jüngeren Bruder (11 Jahre) und ihre Eltern Steffi und Heiko Kehm unterstützen die Hobbies ihrer Tochter. Dazu gehören zuvorderst ihr Pony und das Klavierspielen. Mathematik ist kein Hobby für sie, sondern zählt neben Biologie und Musik zu Emilias Lieblingsfächern.

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