„Mauer des Schweigens“: EU gerät wegen Geheimhaltung bei Rechenzentren unter Druck
Wie viel Strom und Wasser ein einzelnes Rechenzentrum in Europa verbraucht, ist Verschlusssache. Dagegen gehen Journalisten der Stiftung Lighthouse Reports jetzt juristisch vor. Der Vorwurf: Brüssel habe eine „Mauer des Schweigens“ in Bezug auf die Umweltbilanz der Branche errichtet und verletze damit ein völkerrechtlich bindendes Abkommen, dem die EU seit 2005 angehört.
Im November wird von einem UN-Gremium zunächst über die Zulässigkeit des Verfahrens entschieden. Nimmt es den Fall an, könnte am Ende die Feststellung stehen, dass die Europäische Union gegen ihre Verpflichtungen verstößt. Die EU-Kommission äußerte sich bislang nicht zu den Vorwürfen.
Diese Daten werden erfasst
Seit der Neufassung der EU-Energieeffizienzrichtlinie müssen alle Rechenzentren ab 500 Kilowatt installierter IT-Leistung jährlich folgende Informationen an eine EU-Datenbank liefern:
Gesamtenergieverbrauch
Anteil erneuerbarer Energien
Wasser- und Trinkwassernutzung
wiederverwendete Abwärme
Kühlbedarf und eingesetzte Kältemittel
EU-Kommission lehnt Veröffentlichung genauer Daten ab
Betroffen sind nach Schätzung der Journalisten rund 2160 Anlagen, darunter sämtliche großen KI-Hyperscale-Datencenter. Die Krux: Eine Verordnung von 2024 untersagt es, Angaben zu einzelnen Standorten offenzulegen. Veröffentlicht werden derzeit nur gesammelte Daten, die keine Rückschlüsse auf Gegebenheiten vor Ort zulassen.
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Lighthouse Reports hatte im Oktober 2025 Einsicht in die Meldungen beantragt. Die EU-Kommission lehnte ab. Auf einen zweiten Antrag hin erklärten die Beamten, sensible Daten der Firmen sollten vor Spionage der Konkurrenz geschützt bleiben. Die Journalisten halten das für nicht überzeugend.
Diese Zahlen liegen trotzdem offen
Für 2025 weist die EU-Kommission 20,7 Terawattstunden Strom und mehr als 8 Millionen Kubikmeter Wasser aus. Im Vergleich zum Vorjahr sind das rund 26 Prozent mehr Strom und gut 50 Prozent mehr Wasser – obwohl weniger Rechenzentren als 2024 ihre Daten angegeben haben. Der reale Verbrauch wird also gar nicht vollständig erfasst.
Kürzlich hat die EU ein neues Transparenzlabel präsentiert: Ab Sommer 2027 sollen Betreiber Energieeffizienz, Wassernutzung und Ökostromanteil mit einer Skala von A bis G ausweisen. Industrieverbände kritisieren das scharf, den Beschwerdeführern geht es hingegen nicht weit genug.