Medizin: „Klug, schön und gesund“ - 25.000 Dollar für ein optimiertes Baby
München. „Du warst ein Tiefkühlbaby.“ Mit diesem Satz versuchte Rafal Smigrodzki seiner Tochter Aurea ihre Entstehung zu erklären. „Sie war ziemlich neugierig darauf“, sagt der Amerikaner – und reagierte gelassen. Aurea ist jetzt sechs Jahre alt und das erste Kind weltweit, bei dem polygenes Embryoscreening genutzt wurde. Damit ist gemeint: Man untersucht einen Embryo, also ein sehr frühes Entwicklungsstadium eines Babys, auf diverse genetische Varianten. Während der Auswertung bleibt der über künstliche Befruchtung im Reagenzglas geschaffene Embryo eingefroren, um die statistisch berechneten Risikowerte für bestimmte Krankheiten und Eigenschaften zu erhalten. Das Erbgut wird dabei nicht verändert. Eine Handvoll Start-ups in den USA bietet bislang solche Tests an. Sie werben mit „weniger Alzheimer, kein Diabetes, dafür mehr IQ“. Die Unternehmen bewerten aber auch Embryos nach Körpergröße, Body-Mass-Index, ADHS und Intelligenz. Dieser Bereich zieht bereits prominente Investoren an wie den Chef des KI-Unternehmens OpenAI, Sam Altman, immer mehr Start-ups wollen dort hinein – und der Bereich polarisiert: Nicht jeder ist vom polygenen Embryoscreening überzeugt. Viele Genetiker halten die Kommerzialisierung der Technologie für verfrüht. Die Wissenschaft sei noch zu jung, sagt der Genetiker und Bioinformatiker Yves Moreau von der belgischen Universität KU Leuven: „Es klafft eine Lücke zwischen dem, was verkauft wird, und dem, was tatsächlich funktioniert.“