Mehr als sieben Millionen Fahrzeuge mit "Heimatkennzeichen" unterwegs
Mit dem Kfz-Kennzeichen zeigen, dass man sich mit der Heimat identifiziert - das ist schon heute in einigen Kommunen möglich. Die Wiedereinführung früherer Ortskennungen stößt seit 2012 in vielen Regionen auf anhaltend großes Interesse. So sind seitdem nach einer Studie der Hochschule Heilbronn fast sieben Millionen Autos, Motorräder und Hänger mit den 336 reaktivierten "Heimatkennzeichen" zugelassen worden. Seit 2012 dürfen Landkreise und kreisfreie Städte zusätzliche Buchstabenkombinationen auf den Nummernschildern zulassen, um eine besondere Verbindung zur Heimatregion zu zeigen. Sie werden auch als "Heimatkennzeichen" bezeichnet. Nach dem Willen des Bundesrates sollen bald weitere rund zehn Millionen Deutsche diese Möglichkeit bekommen. Bislang gibt es bei der Einführung solcher Kennzeichen Einschränkungen, etwa dass zuvor ein neuer, selbstständiger Kfz-Zulassungsbezirk gegründet werden muss. Deshalb wurden seit der Reform vor allem alte, durch Gebietsreformen weggefallene Kennzeichen wieder eingeführt. Wie beliebt sind diese Kennzeichen? Studienautor Ralf Bochert, Professor für Destinationsmanagement an der Hochschule Heilbronn, hatte nicht mit einem derart großen Interesse gerechnet: "Es gibt in der Bevölkerung, das hat die Wiedereinführung der Altkennzeichen eindrucksvoll gezeigt, einen großen Wunsch nach mehr lokaler Verortung über die Ortskennung auf den Nummernschildern." Und er sagt auch: "Gerade über das Autokennzeichen und die damit verbundene Individualität ist ein Identitätsbezug gegeben, der vielen Menschen wichtig ist." Gibt es bald noch mehr "Heimatkennzeichen"? Nach dem Willen des Bundesrats könnten bald noch mehr Kommunen ein eigenes Kennzeichen ausgeben. Das hat die Länderkammer in einem Entschließungsantrag festgehalten. Der Entschließungsantrag sieht unter anderem vor, dass Kommunen bald auch dann neue Kennzeichen vergeben können, wenn kein neuer Zulassungsbezirk entsteht. Dadurch könnte es bald noch kleinteiliger zugehen, wenn weitere Kommunen mit mindestens 20.000 Einwohnern eigene Kennzeichen ausgeben. Die Idee dahinter ist, dass sich einzelne Kommunen noch besser nach außen zeigen könnten. Ralf Bochert unterstützt die politische Initiative und sagt: "Hier geht es ausnahmsweise mal ums Herz, um Identifikation und Heimat, ohne dass Kosten entstehen." Der Entschließungsantrag wurde im März in der Länderkammer auf Antrag Hessens und Niedersachsens beschlossen und zur Umsetzung an die Bundesregierung weitergegeben. In einem möglichen Gesetzgebungsprozess sollen Länder und Kommunen möglichst früh beteiligt werden. Ob und wann die Bundesregierung den Vorschlag umsetzt, ist bislang nicht bekannt. Wer könnte von der Reform profitieren? Städte und Gemeinden mit mehr als 20.000 Einwohnern sollen ein eigenes Ortskennzeichen bekommen können. Betroffen wären etwa 10,5 Millionen Menschen, wie aus der Studie der Hochschule Heilbronn hervorgeht. Zu den Orten gehören etwa Schifferstadt in Rheinland-Pfalz, Panketal in Brandenburg, Obertshausen in Hessen, Nagold in Baden-Württemberg, Löhne in Nordrhein-Westfalen oder Haren (Ems) in Niedersachsen. Welche besonderen Kennzeichen gibt es bereits heute? Insgesamt gibt es in Deutschland rund 59 Millionen zugelassene Fahrzeuge mit rund 800 verschiedenen Kennzeichen. Seit der Reform 2012 haben bereits 336 deutsche Städte ihre alten Kennzeichen wieder zurück und können die "Heimatkennzeichen" ausgeben. Das beliebteste deutsche "Heimatkennzeichen" ist das Kennzeichen mit den Anfangsbuchstaben MO für Moers - es befindet sich auf über 128.000 Fahrzeugen. "Das Altkennzeichen ist für uns auch ein sympathischer und zugleich kostenloser Botschafter für unsere Stadt", sagt Julia Zupancic, Bürgermeisterin der Stadt Moers. Besonders beliebt sind auch KK für Kempen-Krefeld in Nordrhein-Westfalen, MY für das rheinland-pfälzische Mayen oder AH für Ahaus, ebenfalls in NRW. Weitere "Heimatkennzeichen" sind etwa ZIG für das hessische Ziegenhain, TP für Templin in Brandenburg, SLG für Saulgau in Baden-Württemberg und SRO für Stadtroda in Thüringen.