Mehr Rendite, mehr Risiko: Wo KI die Börsenkurse treibt
Mehr Rendite, mehr Risiko Wo Künstliche Intelligenz die Kurse treibt MeinungEine Kolumne von Jessica Schwarzer Aktualisiert am 16.08.2026 - 07:24 UhrLesedauer: 4 Min. Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00 Jetzt neu bei t-online: Schriftgröße anpassen! Die aufstrebenden Schwellenländer legen an der Börse eine beeindruckende Rally auf das Parkett. Über die Chancen und Risiken. Starke 20 Prozent in sieben Monaten hat der Schwellenländer-Index MSCI Emerging Markets zugelegt. Eine stolze Rendite! Der MSCI World hat seit Jahresbeginn "nur" gut zehn Prozent zugelegt. Der MSCI Emerging Markets lief etwa doppelt so gut. Damit hat der Index seine beeindruckende Aufholjagd nach einigen eher mauen Jahren fortgesetzt. Schon 2025 lief es mit einem Plus von mehr als 30 Prozent deutlich besser als beim Weltaktienindex, der "nur" gut 20 Prozent zulegte. Doch die beeindruckende Rally hat auch ihre Schattenseite. Der Weltaktienindex bildet nicht die ganze Welt ab Zur Erinnerung: Der MSCI World heißt zwar Weltaktienindex und bildet auch mehr als 85 Prozent der weltweiten Marktkapitalisierung ab, doch die Aktien aus den Schwellenländern fehlen. Dazu gehören China als zweitgrößte Volkswirtschaft und Indien als fünftgrößte, aber auch Südkorea und Taiwan. Länder, die auch für Anleger sehr spannend sind. Zur Person Jessica Schwarzer ist Finanzjournalistin, Bestsellerautorin und langjährige Beobachterin des weltweiten Börsengeschehens. Ihr aktuelles Buch "Über die Psychologie der Börse: 20 zeitlose Lektionen über Börsenpsychologie – So wirst Du ein besserer (und entspannterer) Anleger" erschien im Deutschen Wirtschaftsbuch Verlag. Bei t-online schreibt sie über Investments und Finanztrends, die eine breit gestreute Basis-Geldanlage ergänzen. Alle Gastbeiträge von Jessica Schwarzer lesen Sie hier. Getrieben wird die Rally durch den Boom um Künstliche Intelligenz. Zu den Gewinnern des KI-Booms und der erwarteten nächsten Wachstumsphase zählen nämlich auch Unternehmen aus China, Südkorea und Taiwan. Taiwan ist stark in der Halbleiterproduktion, und Südkorea zählt zu den wichtigsten Herstellern von Speicherchips. Und China? Greift gleich nach der KI-Weltherrschaft. Kein Wunder also, dass die KI-Rally auch die Aktienmärkte der aufstrebenden Schwellenländer erreicht hat. Hohes Klumpenrisiko Das hat allerdings auch zu einem Klumpenrisiko geführt. Schaut man sich die Gewichtung einzelner Länder an, ist das Risiko zwar deutlich geringer als beim MSCI World, in dem die USA auf gut 70 Prozent kommen. Aber auch die KI-Profiteure Taiwan, China und Südkorea kommen gemeinsam auf fast 70 Prozent Indexgewicht. Ein deutliches Klumpenrisiko gibt es beim Blick auf die Branchen: Information Technology, kommt auf eine Gewichtung von fast 41 Prozent. Der KI-Boom lässt grüßen! Im MSCI World sind es übrigens knapp 30 Prozent; immer noch eine recht hohe Gewichtung für eine einzelne Branche. Noch extremer fällt die Gewichtung der Einzelwerte aus. Die zehn größten Positionen kommen auf 38 Prozent, allein die drei größten auf fast 30 Prozent des Indizes. Es sind Taiwan Semiconductor mit stattlichen 15,5 Prozent, Samsung Electronics mit 7,2 Prozent und SK Hynix mit 5,6 Prozent. Die beiden Schwergewichte Nvidia und Apple kommen im MSCI World jeweils auf fünf Prozent. Die Konzentration und damit auch das Risiko ist im MSCI Emerging Markets damit deutlich höher. Kurstreiber: Innovationen, Digitalisierung und Infrastruktur Was im Zuge der Rally stark im Kurs gestiegen ist, hat nun auch ein hohes Gewicht im Index. Ob das gut ist? Ob das so weitergeht? Das wird die Zeit zeigen. Die jüngste Entwicklung war aber vor allem von einer Branche getragen, von wenigen Einzelwerten. Galten die Schwellenländer früher vor allem als eine Wette auf Rohstoffe, günstige Arbeitskräfte und hohes Wirtschaftswachstum, sind die Kurstreiber jetzt technologische Innovationen, Digitalisierung und Infrastruktur. Zu den Chancen zählen gleich mehrere strukturelle Faktoren. Viele Schwellenländer verfügen über vergleichsweise junge Bevölkerungen, wachsende Mittelschichten und steigende Kaufkraft. Das kann langfristig Konsum, Investitionen und Wirtschaftswachstum unterstützen. Hinzu kommen Innovationen, die die Produktivität und die Unternehmensgewinne in einzelnen Märkten steigern können. Eines sollten Sie aber nicht vergessen: Grundsätzlich schwanken Schwellenländer-Aktien stärker als die aus den Industrienationen. Emerging Markets reagieren häufig empfindlicher auf globale Konjunktur-, Zins- und Kapitalmarktentwicklungen. Hinzu kommen geopolitische Spannungen, Handelskonflikte, Währungsschwankungen und regulatorische Eingriffe. Diese Risiken sprechen aber nicht gegen Schwellenländer-Aktien im Portfolio. Sie unterstreichen vielmehr, dass Anleger verstehen sollten, in was sie investieren. Anzeige Zum Artikel passende Produkte Ausgewählt von unserem Börsenexperten Benjamin Feingold Xtrackers MSCI Emerging Markets ETFIE00BTJRMP35 Wie im Beitrag beschrieben wachsen viele Emerging Markets strukturell schneller als Industrieländer. Für Anleger kann ein Engagement in diesen Märkten daher eine interessante Gelegenheit sein, um an langfristigen globalen Wachstumstrends teilzuhaben und das eigene Portfolio breiter aufzustellen. Für wen geeignet?Mittel- bis Langfristanleger In welcher Marktsituation geeignet?Steigende Notierungen im MSCI Emerging Markets Risikoklasse: Mittel Laufende Gebühren: 1 Euro pro Trade Taiwan Semiconductors AktieUS8740391003 Der MSCI Emerging Markets ist aktuell stark auf Asien konzentriert. Die drei größten Länder Taiwan, China und Südkorea machen zusammen rund zwei Drittel des Index aus. Indien hat zuletzt Gewicht verloren, nachdem es 2024 zeitweise über 20 % erreichte. TSMC ist mit rund 15 % der größte Indexwert. Für wen geeignet?Mittel- bis Langfristanleger In welcher Marktsituation geeignet?Steigende Kurse in der Aktie von Taiwan Semiconductors Risikoklasse: Mittel Laufende Gebühren: 1 Euro pro Trade Schwellenländer gehören in jedes breit gestreute Depot Auch wenn viele Anleger in den Schwellenländern noch unterinvestiert sind, freuen sich all jene, die dabei sind. Die Rally lockt natürlich auch neue Investoren an. Ich bin auch überzeugt, dass diese Anlageklasse in jedes breit gestreute Depot gehört. Auch wenn wir hin und wieder Durststrecken überstehen müssen. So wie 2023 und 2024, als der Schwellenländer-Index deutlich schlechter abgeschnitten hat als der MSCI World, obwohl er keine Verluste verzeichnen musste. Es lief einfach nicht so gut wie an vielen anderen Märkten. 2024 ging es etwa acht Prozent aufwärts. Eigentlich klasse, wenn man bedenkt, dass Aktien bei breiter Risikostreuung langfristig durchschnittlich sechs bis acht Prozent pro Jahr bringen. Der MSCI World zauberte aber fast 20 Prozent aufs Parkett. Die Underperformance war übrigens der hohen Gewichtung Chinas im MSCI Emerging Markets geschuldet. Chinesische Aktien liefen ziemlich schlecht, auch im Jahr zuvor. 2023 hinkte der Schwellenländer-Index dem Weltindex ebenfalls kräftig hinterher – mit etwa zehn Prozent Plus gegenüber gut 20 Prozent. Seit dem vergangenen Jahr entwickelt sich alles wieder super. Sicherlich wird es irgendwann auch wieder schwächere Phasen und möglicherweise sogar stärkere Kursrücksetzer geben. Für mich steht jedoch fest: Schwellenländer-Aktien gehören in jedes Depot. Schließlich machen sie etwa 15 Prozent der weltweiten Börsenkapitalisierung aus. Das könnte übrigens auch ein Richtwert dafür sein, wie hoch der Anteil in Ihrem Depot ausfallen sollte. 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