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Mekka-Pakt: Saudi-Arabien, Pakistan und Türkei besiegeln Beistandsabkommen

Welt

Mekka-Pakt am Golf Dreifaches Misstrauensvotum gegen Trump Von Peter Riesbeck 11.08.2026 - 08:22 UhrLesedauer: 5 Min. Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00 Jetzt neu bei t-online: Schriftgröße anpassen! Saudi-Arabien, Pakistan und das Nato-Mitglied Türkei schließen ein Militärbündnis. Für Trump offenbart das eine bittere Wahrheit, und Erdoğan träumt bereits von weiteren Mitgliedern. US-Präsident Donald Trump schätzt die Lage am Golf inzwischen folgendermaßen ein: "Es ist wie ein Schachspiel", sagte Trump dem Nachrichtenportal "Axios". Der US-Präsident ergänzte: "Es wird sich regeln. Es regelt sich immer." Die Revolutionsgarden im Iran hatten zuvor neue Bedingungen für die Öffnung der wichtigen Straße von Hormus gestellt. Unter anderem fordern sie von Trump Schadenersatzzahlungen für die US-Angriffe auf ihr Land. Trumps Armee musste inzwischen Engpässe im eigenen Waffenarsenal einräumen. Und auch an anderer Stelle droht dem US-Präsidenten Ungemach. Im Video | Trump kämpft gegen die Müdigkeit Player wird geladen Saudi-Arabien, Pakistan und das Nato-Mitglied Türkei besiegelten ein Beistandsabkommen. Das Militärbündnis richtet sich gegen den Iran. Die drei Länder trotzen aber auch dem Führungsanspruch von Donald Trump. Denn eigentlich verstehen sich die USA als Sicherheitsdienstleister für die Golf-Region. "Mekka-Verteidigungspakt" wird das Abkommen offiziell genannt, das in der Vorwoche im saudi-arabischen Pilgerort unterzeichnet wurde. Die neue Allianz wertet künftig jeden bewaffneten Angriff auf eines ihrer Mitglieder als Attacke gegen alle drei Bündnisstaaten. Manche sprechen schon von einer "Art sunnitischer Nato" gegen Irans schiitische "Achse des Widerstands" von Teheran über den Irak bis zum Jemen. Ein Blick auf die Motive der Bündnispartner – und welches Signal das Bündnis an die US-Regierung unter Donald Trump sendet. Der Mekka-Pakt Die Erklärung zum Treffen zwischen Saudi-Arabien, Pakistan und der Türkei in Mekka fällt knapp aus. "Das Abkommen zielt darauf ab, die kollektive Abschreckung gegen jeglichen Akt der Aggression zu stärken, und legt fest, dass jeder bewaffnete Angriff auf einen der drei Staaten als Angriff auf alle drei betrachtet wird", heißt es in einer Erklärung der saudi-arabischen Regierung. Zudem vereinbaren die drei Länder den Ausbau der "verteidigungspolitischen Zusammenarbeit zwischen den drei Staaten in allen Bereichen". Doch es geht um mehr als ein Verteidigungsbündnis. Das zeigt schon der Gipfelort: Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman empfing die Gäste aus Pakistan und der Türkei am für Muslime heiligen Pilgerort Mekka. Die saudische Erklärung betont zudem die Bedeutung des Landes als Hüter der heiligen Stätten des Islam. Zudem wird die "islamische Solidarität" der drei Bündnispartner hervorgehoben. Ausdrücklich versteht sich der Pakt offen für weitere Bündnispartner am Golf. "Wir sollten wachsen und, falls nötig, alle Länder unter diesen Schirm holen", erklärte der türkische Außenminister Hakan Fidan. Riad und Irans "Achse des Widerstands" Lange hielt sich Saudi-Arabien im Krieg der USA gegen den Iran zurück. Ende vergangenen Monats folgten dann doch erste Luftangriffe – nicht direkt gegen den Iran, sondern gegen mit den Revolutionsgarden verbündete schiitische Milizen im Irak. Saudi-Arabien versteht sich als strategisch-religiöser Gegner der schiitischen Schutzmacht Iran: Lange bemühten sich beide Länder um Entspannung. Auch in den jüngsten Tagen telefonierten die Außenminister beider Länder. Doch nahm der Iran den Rivalen Saudi-Arabien zuletzt in eine strategische Umklammerung. Erst machte Teheran die für saudische Ölausfuhren wichtige Schifffahrtsstraße von Hormus dicht. Dann beschossen die mit Teheran verbündeten Huthi-Milizen im Jemen Schiffe in der Meerenge von Bab al-Mandab – zu Deutsch: "Tor der Tränen" – an der Einfahrt zum Roten Meer. Saudi-Arabien muss um seine Ölexporte fürchten. Zuletzt drohte der Iran offen mit Angriffen auf das größte Ölfeld der Welt im saudischen Ghawar als mögliche Vergeltung für weitere US-Attacken. Ein Anruf aus Riad habe Donald Trump schließlich von seinen Angriffsplänen abgebracht, berichteten US-Medien. Loading... Loading... Loading... Nun schmiedet Saudi-Arabien ein eigenes Bündnis für die Sicherheit am Golf. Allison Minor, Nahost-Expertin des Atlantic Council, analysierte: "Riad geht davon aus, seine Sicherheit durch ein Netz an eigenen Partnerschaften besser gewährleisten zu können." Das Vertrauen in die strategisch-militärischen Fähigkeiten der USA schwindet. Pakistans neues Selbstbewusstsein Pakistan fühlt sich Donald Trump verbunden. Im Kaschmir-Konflikt mit Indien hatte der US-Präsident im Vorjahr einen Ausgleich vermittelt. Umgehend schlug Pakistan Trump für den Friedensnobelpreis vor. In der Auseinandersetzung mit dem wirtschaftlich aufstrebenden Rivalen Indien versucht sich Pakistan als verlässlicher Partner zu etablieren. So bemühte sich Regierungschef Shehbaz Sharif darum, zwischen dem Iran und den USA einen Waffenstillstand zu vermitteln. Das Selbstverständnis des Landes speist sich auch aus seiner militärischen Stärke: Pakistan versteht sich als einzige muslimische Atommacht. Bereits 2025 hatte Islamabad mit Saudi-Arabien ein Militärabkommen geschlossen. Nahost-Fachmann Michael Kugelman von der Washingtoner Denkfabrik Atlantic Council erklärte zum neuen Mekka-Bündnis: "Pakistans Führung möchte, dass die Welt ihr Land als hilfreichen globalen Akteur wahrnimmt – und nicht als einen Ort, der von Unterdrückung und Terror geprägt ist." Noch ein Aspekt ist wichtig: Viele Menschen aus Pakistan arbeiten auf den Ölanlagen in der Golf-Region. Kugelman: "Das Abkommen verankert Pakistan stärker in der entstehenden Sicherheitsarchitektur in Nahost." Erdoğan stößt vor in Trumps Machtvakuum Erst im vergangenen Monat konnte sich der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan als Gastgeber für die Staats- und Regierungschefs der Nato in Szene setzen. Kurz zuvor hatte Donald Trump den Verkaufsstopp von amerikanischen F-35-Kampfjets an die Türkei aufgehoben. Der war 2019 verhängt worden, nachdem Erdoğan eigenmächtig für den Kauf russischer S-400-Abwehrraketen optierte. Nun folgt Erdoğan nächster Alleingang. Das Nato-Mitglied Türkei schmiedet weitere Bündnisse und stößt vor in das Machtvakuum am Golf, das Trumps zäher Krieg gegen den Iran hinterlässt. Erdoğan sieht die Türkei als aufstrebende Regionalmacht. Und er setzt auf eine eigenständige Außenpolitik. Im Ukraine-Krieg bot sich Erdoğan dem russischen Staatschef Wladimir Putin lange als Vermittler an, in Syrien trieb der türkische Präsident massiv den Sturz des syrischen Machthabers Baschar al-Assad voran. Erdoğans historischer Ordnungsrahmen ist das Osmanische Reich. Das reichte bis Nordafrika. Nun wendet sich Erdoğan der Golf-Region zu. Sein Außenminister Hakan Fidan deutete nicht nur eine Ausweitung der Mekka-Allianz an. Er verband sein Angebot nach weiteren Bündnisstaaten auch mit einer eindeutigen Stoßrichtung. "Externe Großmächte, die in die Region kommen, lösen die Probleme nicht. Sie machen sie nur noch schlimmer, und die Kosten werden sehr hoch", sagte Fidan mit Blick auf die USA. Die Türkei emanzipiert sich von Washington. Bilanz Der neue Mekka-Pakt setzt auf drei selbstbewusste Partner mit eigenen Machtambitionen. Die neue Allianz birgt ein Risiko und eine klare Botschaft. Die Botschaft zielt auf Washington. Die USA verstanden sich lange als Sicherheitsgarant für die Region am Golf. Je länger der Krieg mit dem Iran dauert, umso mehr verlieren die USA und ihre Politik der Abschreckung an Glaubwürdigkeit. So ist das Mekka-Bündnis auch ein kleines Misstrauensvotum gegen die Außenpolitik von Donald Trump. Nahost-Experte Rich Outzen vom Atlantic Council bilanzierte: "Das neue Abkommen beruht auf dem Grundsatz, dass externe Mächte eine regionale politische Ordnung nicht einfach umbauen sollten." Der schwindende Einfluss der USA am Golf bringt aber auch neue Risiken mit sich. Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi warnte Saudi-Arabien, dass das neue Bündnis das Land nicht vor weiteren Angriffen schütze. Der neue Beistandspakt könnte schon bald vor seiner ersten Bewährungsprobe stehen. Verwendete Quellen spa.gov.sa: Saudi Arabia, Türkiye, and Pakistan Issue Joint Statement of the Makkah Al-Mukarramah Summit for Joint Defence (Englisch) atlanticcouncil.org: Why Saudi Arabia, Pakistan, and Turkey just signed a defense pact (Englisch) cfr.org: Another Hormuz? What to Know About the Houthi Threat to the Red Sea (Englisch) fiia.fi: Israel and Turkey in Syria: A ‘dual security space’ amid a shifting regional power balance (Englisch) Mit Material der Nachrichtenagenturen AFP, Reuters Quellen anzeigen Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... ShoppingAnzeigen Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading...

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