Menschen, die leicht mit Kellnern und Kassierern ins Gespräch kommen, teilen laut Psychologen oft diese seltene Eigenschaft
Wer im Alltag ungezwungen ein paar Worte mit Kellnern oder Servicekräften wechselt, hat häufig eine besondere psychologische Stärke. Solche flüchtigen Begegnungen sind weit mehr als reine Höflichkeit. Wie das französische Magazin „Psychologies.com“ berichtet, weisen Experten dieses Verhalten einer hohen emotionalen Intelligenz zu. Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang von sozialer Achtsamkeit. Menschen mit dieser Eigenschaft können die Gefühle anderer Personen schnell erfassen und angemessen darauf reagieren. Im Video: Was sich Kellnerinnen und Kellner oft von uns wünschen würden Wer seinem Gesprächspartner Aufmerksamkeit schenkt, ist empathisch Entgegen der landläufigen Meinung ist diese Offenheit kein Privileg von rein extrovertierten Menschen. Es handelt sich vielmehr um die bewusste Entscheidung, dem Gegenüber Aufmerksamkeit zu schenken. Wie „Psychologies.com“ unter Berufung auf eine im „Journal of Personality“ veröffentlichte Untersuchung von Fleeson und Wilt berichtet, hängt das Sozialverhalten in konkreten Momenten stark von der eigenen Absicht ab und weniger von starren Persönlichkeitsmerkmalen. Wer im Alltag den Blick hebt, nimmt den Menschen hinter einer beruflichen Funktion wahr, sei es ein Paketbote, eine Servicekraft oder ein Busfahrer. Schon eine Untersuchung im Fachblatt „Psychological Inquiry“ aus dem Jahr 2004 verdeutlichte, dass für diese emotionale Anpassung kein tiefes Kennenverhältnis nötig ist. Es reicht eine aufrichtige Zuwendung im Augenblick aus. ANZEIGE ANZEIGE Nett zu anderen zu sein, steigert auch das eigene Wohlfinden Diese scheinbar unbedeutenden Begegnungen haben zudem einen messbaren Einfluss auf das eigene Wohlbefinden. Wie „Psychologies.com“ mit Verweis auf eine Studie von Sandstrom und Dunn im „Journal of Social and Personal Relationships“ schildert, steigern flüchtige Gespräche mit Fremden die soziale Zufriedenheit im Alltag erheblich. Dieses Phänomen knüpft an ein bekanntes soziologisches Konzept von Mark Granovetter an. Er beschrieb bereits 1973 im „American Journal of Sociology“ die Relevanz sogenannter schwacher Beziehungen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die gute Nachricht ist, dass sich diese soziale Achtsamkeit im Laufe des Lebens gezielt schärfen lässt, da das Gehirn in dieser Hinsicht anpassungsfähig bleibt. Neurowissenschaftliche Untersuchungen von Klimecki und Kollegen im Fachjournal „Cerebral Cortex“ zeigten, dass sich Empathie durch regelmäßige Übung stärken lässt. Schon kleine Gewohnheiten wie bewusster Blickkontakt, ein ehrliches Lächeln oder eine nette Nachfrage im Alltag können die eigenen emotionalen Fähigkeiten dauerhaft verbessern und die Qualität der täglichen Begegnungen spürbar verändern.