Mercedes: Neuer KI-Fahrassistent lenkt Auto im Stadtverkehr
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Einsteigen, Ziel ins Navi tippen und den Mercedes fahren lassen! Der Autobauer bringt gemeinsam mit US-Chipspezialist Nvidia einen neuen Fahrassistenten nach Deutschland. Der Clou: MB. Drive Assist Pro unterstützt nicht nur auf der Autobahn, sondern auch mitten im Stadtverkehr. Ab dem ersten Halbjahr 2027 soll das System bestellbar sein. Ausgewählte Kunden in Stuttgart und München dürfen es schon Ende 2026 ausprobieren.
Mercedes biegt jetzt selbst ab
Ein Knopfdruck am Lenkrad genügt: Der Mercedes hält Abstand, wechselt die Spur, ordnet sich zum Abbiegen ein und steuert durch Kreuzungen. An roten Ampeln hält er an, bei Grün fährt er wieder los. Auch Autobahnabfahrten und das Einfädeln in den Verkehr übernimmt der Assistent.
Damit das klappt, überwachen 27 Sensoren die Umgebung, darunter zehn Kameras. Ein leistungsstarker Bordcomputer wertet die Daten mithilfe künstlicher Intelligenz aus.
Aber: Hände weg und schlafen geht nicht!
So selbstständig der Mercedes fährt: Autonom ist er nicht! Das System arbeitet nach Level 2. Der Fahrer muss ständig aufpassen, jederzeit eingreifen können und bleibt verantwortlich. Praktisch für Mercedes-Besitzer: Ist die nötige Technik bereits an Bord, soll sich der Assistent per Software-Update nachrüsten lassen. Welche Modelle geeignet sind, ist noch offen.
Zum Start plant Mercedes einen kostenlosen Probemonat. Was die Funktion danach kostet, verrät der Hersteller noch nicht. Ob die KI auch mit chaotischem Stadtverkehr, Baustellen und Radfahrern klarkommt, muss der Praxistest zeigen.
BILD hat mit Mercedes-Chef Ola Källenius (57) über KI und die Zukunft der Auto-Industrie gesprochen.
Mercedes-Chef Källenius im exklusiven BILD-Interview
BILD: Herr Källenius, NVIDIA-Chef Jensen Huang gilt als einer der wichtigsten Köpfe der technologischen Zukunft. Wenn Sie mit ihm über Deutschland sprechen: Was bewundert er an unserem Land – und worüber schüttelt er den Kopf?
Ola Källenius: „Wir kennen uns schon lange. Und wir sind uns in vielem einig: Der deutsche Erfindergeist ist ungebrochen. Das Netzwerk aus Konzernen, Mittelständlern und Wissenschaft ist einmalig. Die Ausbildung ist top. Jetzt können wir unsere starke Industrie mit KI auf die nächste Stufe bringen. Dazu brauchen wir noch mehr Mut und Tempo. Es gibt ein sehr deutsches Wort: Technologiefolgenabschätzung. Die ist wichtig, aber darf uns nicht lähmen. Wir dürfen uns ruhig mehr zutrauen.“
BILD: Sie investieren Milliarden in künstliche Intelligenz und autonomes Fahren. Aber wollen Ihre Kunden wirklich ein Auto, das selbst denkt – oder schlicht eines, das zuverlässig fährt und keine Softwareprobleme hat?
Källenius: „Mercedes-Benz steht für Qualität. Das gilt für Hardware und Software. Aber die Wünsche und Bedürfnisse der Kunden gehen weit darüber hinaus. Das Auto begeistert die Menschen seit 140 Jahren. Mit neuen Technologien können wir es noch faszinierender machen. Sie bekommen einen digitalen Butler, der sie kennt und ihnen vieles abnehmen kann. Das ist heute schon Realität. Und mit dem automatisierten Fahren entsteht eine völlig neue, entspannte Art des Reisens – auch im hektischen Großstadtverkehr. Daran arbeiten wir mit NVIDIA. Als erster Hersteller bringen wir die neueste Technologie auch zu den deutschen Kunden. Ende des Jahres geht es los. Wer das mal erlebt hat, will es nicht mehr missen.“
BILD: Würden Sie Ihrem eigenen Kind heute noch raten, seine berufliche Zukunft in der deutschen Auto-Industrie zu suchen – und wenn ja, warum?