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Mercedes streicht Homeoffice: So gelingt die Rückkehr ins Büro im Team

Wirtschaft

Die Mitarbeiter von Mercedes-Benz sollen von Januar an vier Tage in der Woche wieder im Büro arbeiten. Mercedes-CEO Ola Källenius soll sich sogar für eine vollständige Abschaffung des mobilen Arbeitens im Unternehmen ausgesprochen haben.

Gerade in Umbruchzeiten wie bei Mercedes ist der Austausch unter den Beschäftigten wichtig. So zeigt eine Studie vom Fraunhofer-Institut und der Techniker Krankenkasse, dass Homeoffice-Arbeit zwar die Effizienz bis zu 20 Prozent steigert – aber nur bis zu einem gewissen Kipppunkt. Dieser liegt bei einem Homeoffice-Anteil von 60 Prozent. Wird zu viel zu Hause gearbeitet, sinkt die Produktivität des Unternehmens insgesamt wieder. Denn das Abarbeiten von Aufgaben mag im Homeoffice ungestörter möglich sein, neue Ideen lassen sich hingegen besser im Büro entwickeln – dort, wo fachlicher Austausch und informelle Gespräche stattfinden.

„Muss ein Unternehmen wie Mercedes-Benz neue Geschäftsmodelle und neue Technologien entwickeln, ist der persönliche Austausch besonders wichtig“, betont Yurda Burghardt, Unternehmensberaterin bei Argon & Co. Dies müssen die Führungskräfte den Mitarbeitern nun vermitteln, damit sie mitziehen. So zu tun, als sei jede Arbeit im Büro besser aufgehoben, überzeuge die Menschen nicht, sagt Burghardt.

„Wer Mitarbeiter ins Büro einbestellt, sollte nicht nur sagen, wann sie kommen sollen, er sollte sagen, wofür sich ihr Kommen lohnt“, rät Burghardt. Die Kunst ist, als Führungskraft zu vermitteln, welchen Zweck die Präsenz hat. Sie müssten verstehen, dass es Räume braucht, in denen Mitarbeiter gemeinsam denken, Widerspruch aushalten und neue Lösungen entwickeln. Vorgesetzte sollten den Mitarbeitern im Vorfeld eine klare Agenda verkünden, konkrete Erwartungen an die Teilnehmenden formulieren und Ergebnisse im Anschluss sichtbar machen. „So erkennen sie, dass Präsenz kein Selbstzweck ist, sondern konkret zur Lösung beiträgt“, sagt Burghardt. Oder dass zum Beispiel bereichsübergreifende Problemlösungen, die Suche nach Innovationen und neuen Ideen, komplexe Verhandlungen oder der Aufbau von Beziehungen und Vertrauen nur so funktionieren, zählt die Beraterin auf.

Vor allem aber sollten Führungskräfte erklären, woran sie erkennen wollen, ob die neue Arbeitsweise tatsächlich etwas verbessert, damit Produktivität nicht nur ein Schlagwort bleibt, rät Sebastian Maiß, der als Arbeitsrechtler Unternehmen bei der Gestaltung von Betriebsvereinbarungen berät. Er nennt ein Beispiel: Wenn etwa bei der Fahrzeugentwicklung eines Autobauers ein Team aus Experten für Software, Hardware und Erprobung technische Fragen gemeinsam klärt und sich dadurch der Zeitraum zwischen dem Auftreten eines Problems und dessen Lösung im Vergleich zum vorherigen Modell verkürzt, ohne dass Fehler oder Nacharbeiten zunehmen, sei das ein guter Indikator für gesteigerte Produktivität.

Vermitteln Führungskräfte nicht, warum die Arbeit im Büro wichtig ist, entsteht der Eindruck, es gehe vor allem um Kontrolle. „Eine Präsenzpflicht ohne veränderte Arbeitsweise ist nur eine Ortsverlagerung“, kommentiert Unternehmensberaterin Burghardt. Eine sinnvolle Regel verändert dagegen die Qualität der Zusammenarbeit. Burghardts Rat: Führungskräfte sollten vor jedem Präsenztag klären: Welche Entscheidung soll getroffen werden? Welches Problem soll gemeinsam gelöst werden? Welches Wissen soll geteilt werden? Welche Schnittstellen müssen zusammenkommen? Welche neue Idee soll entwickelt werden? Was ist am Ende des Tages anders als vorher?

Maiß rät zudem, auch auf die Bedürfnisse der Belegschaft einzugehen. Wer etwa an einem bestimmten Nachmittag auf den Handwerker warten muss oder die Kinder nicht allein zu Hause lassen kann, sollte dann die Möglichkeit bekommen, Arbeiten zu erledigen, die sich fürs Homeoffice eignen: die konzentrierte Lektüre von Kundenfeedback etwa oder das Erstellen einer Präsentation. Maiß empfiehlt, „offen zu besprechen, an welchen Tagen einzelne Beschäftigte besser im Homeoffice arbeiten können, und dies mit dem Team transparent und fair zu organisieren“.

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